ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2007Mobiltelefone: Aus ärztlicher Sicht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die erhebliche gesundheitliche Belastung eines von einem Hirntumor befallenen Patienten ist unbestritten. Umso wichtiger ist die präventive Ursachenforschung. Zu dem vorliegenden Artikel zweier Wissenschaftler sind folgende Anmerkungen aus ärztlicher Sicht erforderlich. These 1: „Die Interphone-Studie unterschätzt das tatsächliche Risiko.“ Die Interphone-Studie soll untersuchen, ob die Handynutzung das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken, erhöht. Dazu muss eine Einteilung getroffen werden, wer als Handynutzer oder Nichtnutzer zu erfassen ist. Als Nutzer wird bereits der Proband definiert, der mindestens einmal wöchentlich über mindestens sechs Monate telefoniert (Studienprotokoll). Der Vergleich der Gesamtgruppen stellt also den Nichtnutzer einer Mischgruppe aus Wenig- und Vieltelefonierern gegenüber. Die Tumorentwicklung von der entarteten Zelle zum diagnostizierbaren Krebs kann Jahre in Anspruch nehmen. Folglich sind nur die Untergruppen der Langzeitnutzer unter Berücksichtigung des tatsächlichen Gesprächsaufkommens gegenüber einer Nullgruppe aussagekräftig und sinnvoll. Aber auch hier müssen zusätzlich die exakten Zeiten beachtet werden, die der Patient mit bauähnlichen DECT-Apparaten telefoniert hat. Unter Erhebung dieser Daten hat Hardell bereits mehrfach erhöhte Risiken präsentiert und das mit einer deutlich höheren Rücklaufquote von fast 90 Prozent der Kontrollgruppe gegenüber der Interphone-Studie. These 2: „Studienkritik wird nicht ausreichend der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.“ Die Veröffentlichung der dänischen Kohortenstudie im Journal of the National Cancer Institute (JNCI) hat bei den fachkompetenten Professoren Michael Kundi von der Medizinischen Universität Wien und Lennart Hardell vom Universitätshospital Örebro erhebliche Kritik hervorgerufen. Dennoch hatte die Redaktion des JNCI die Veröffentlichung des Letters abgelehnt. Nach Angaben von C. Schrader spielte einer der Koautoren der dänischen Studie, der zugleich Redakteur bei dem Journal ist, eine ungeklärte Rolle. Als Ärzte sind wir auf überprüfbare und kritisierbare Studienergebnisse angewiesen, wie auch der Fall „Vioxx“ gezeigt hat. Als lesenswerte Lektüre zum Thema Risiko und Studienbildung soll daher die Arbeit von D. Egilman „Corporate Corruption of Science“ aus dem International Journal of Occupational Environment Health genannt werden. Dass den Betreibern Probleme mit kopfgehaltenen Hochfrequenzsendern nicht gänzlich unbekannt sind, zeigt auch die Äußerung Prof. Walkers auf dem WHO-Workshop 2005: „New technology is changing the way we use handsets with new applications facilitating their use away from the head.“
Literatur bei dem Verfasser
Dr. med. Horst Eger, Ärztlicher Qualitätszirkel
„Elektromagnetische Felder in der Medizin –
Diagnostik, Therapie, Umwelt“, Marktplatz 16,
95119 Naila
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige