ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2007Richtlinie: Überflüssig
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Schon vor zwei Jahren, als die Richtlinie angekündigt wurde, hielt ich sie für einen Aprilscherz. Für mich ist diese Richtlinie absolut entbehrlich . . . Ihr Artikel lässt einige Aspekte unberührt:
1. Die Rehabilitations-Richtlinie regelt nichts – weder die Inhalte der Kurse, die zu besuchen sind, noch die Inhalte der Rehabilitation selbst. Auch nicht die Zuordnung bestimmter Krankheitsbilder zu bestimmten Rehabilitationseinrichtungen. Es wird nur bestimmt, wer den Antrag stellen darf.
2. Die überwiegende Anzahl der Reha-Anträge wird bei der Rentenversicherung gestellt. Die Rehabilitations-Richtlinie gilt aber nur für Nichtberufstätige, also Kinder, Hausfrauen und Rentner.
3. Das Muster 61, also der Kassen-Reha-Antrag, kann nicht direkt bezogen werden. Vielmehr ist zunächst das Muster 60, sozusagen ein „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“, auszufüllen. Für diese Blüte der Bürokratie gibt es aber keine Abrechnungsziffer im neuen EBM.
4. Man sollte meinen, ein von einem Rehabilitationsspezialisten (zumindest einem Spezialisten für das Ausfüllen bestimmter Anträge) ausgefüllter Antrag nach Muster 61 müsste dann auch nicht mehr von einem Gutachter des MDK überprüft werden. Dem ist aber nicht so: Mir wurden von vier in den letzten beiden Jahren gestellten Anträgen zwei abgelehnt.
5. Allerdings könnte nach Inkrafttreten der letzten Gesundheitsreform, die ja die geriatrische Rehabilitation zur Pflichtleistung gemacht hat, ein erhöhter Bedarf an Rehabilitations-anträgen auftreten. Nach meiner Einschätzung wäre dann aber eher von den Krankenhausärzten eine Qualifikation zu fordern, denn die Beurteilung, ob eine orthopädische, neurologische oder geriatrische Rehabilitation erforderlich ist, trifft der Stationsarzt im Krankenhaus, wenn nicht gar der Chef selbst, der mit einer spezialisierten Rehabilitationsklinik seinen lukrativen Vermittlungsvertrag erfüllen will.
Ich wünsche mir, den Patienten, dem MDK, den Kran­ken­ver­siche­rungen und natürlich auch den Einrichtungen zur Rehabilitation, dass diese Richtlinie irgendwann auch von den Verantwortlichen als überflüssig erkannt wird. Ehrlich gesagt, glaube ich aber nicht daran und warte schon auf die nächste bürokratische Hürde. Vielleicht darf ich demnächst Kompressionsstrümpfe und Lymphdrainage erst rezeptieren, nachdem ich einen Dreiwochenkurs Lymphologie absolviert habe?
Michael Steinhauer, Langenprozeltener Straße 35, 97737 Gemünden
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