ArchivDeutsches Ärzteblatt11/1997Börsebius über Kredite (III): Frühsaat

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über Kredite (III): Frühsaat

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es gilt im Volksmund ja die neidbefrachtete Vermutung, daß die dümmsten Bauern die größten Kartoffeln ernteten. Das mag selektiv zutreffend sein, zumindest was das Ressort Bauernschläue anlangt, kann aber bei Gott nicht als Führungsgrundsatz in Finanzdingen herangezogen werden. Wer also glaubt, daß in Geldangelegenheiten Gottvertrauen und Kopf-in-den- Sand-Stecken auf Sicht weiterhelfen, macht oft die schlimme Erfahrung, daß finanzielle Desaster, so wie in den letzten beiden Ausgaben beschrieben, die Existenz grundlegend bedrohen. Falls Sie das alles für übertrieben halten: 55 Prozent der Vertragsmediziner in Thüringen haben, so verlautete jüngst, ihre Honoraransprüche an die Banken abgetreten, in Mecklenburg-Vorpommern sollen es bereits 58 Prozent sein. In den alten Ländern ist die Zahl zwar nicht so hoch, dennoch ist es ein strukturelles Alarmzeichen, wenn bald jede zweite Praxis auf Jahre hinaus praktisch der Bank gehört.
Über viele Jahre hinweg haben es sich die Mediziner (und andere) gefallen lassen, daß ihnen hohe Zinskosten aufgebürdet wurden. Teils aus Unkenntnis, teils aus falsch verstandenem Respekt seitens der Ärzte konnten die Banken Kreditkonditionen so gestalten, daß ihnen die fetten Margen blieben und den Ärzten die herben Zinslasten, jahraus, jahrein. Das geht freilich nur so lange gut, wie der Einnahmenkuchen üppig genug ist.
Nun sind allerdings die prima Zeiten vorbei und eine Überprüfung der Zinskosten dringend angesagt. Bedenken Sie bitte: Für Guthaben gibt es Magerzinsen von rund 2,5 Prozent, und für Kontokorrentkredite muß man bis zu zehn Prozent bezahlen. Welch eine fette Differenz zugunsten der Banken! Nicht nur mich regt das auf, und hoffentlich auch Sie, sondern es hat sogar die Bundesbank jüngst zu einer geharnischten Kritik an der Zinspolitik der Banken veranlaßt. Im Ergebnis hilft aber nur weiter, sich auf eine Verhandlung mit der Bank einzustellen. Auch wenn es vielleicht knochenharte Gespräche werden sollten: Für einen Kontokorrentkredit zahlen gute Adressen und erfahrene Kunden bestenfalls 7,5 Prozent Zinsen. Ich möchte an dieser Stelle nochmals auf die Möglichkeiten eines Barvorschusses hinweisen. Das ist ein fester Kreditbetrag, der zum Beispiel alle drei Monate revolvierend neu festgesetzt wird und für den erfahrene Bankenkenner höchstens fünf Prozent bezahlen. Enorm wichtig ist aber auch, einen eingeräumten Kontokorrentkredit möglichst nie zu überschreiten. Leider kommt das viel zu häufig und auch noch in beträchtlichen Summen vor. Der Bank ist dies schon sehr recht, kann sie doch Jubelzinsen von zusammengerechnet 14 bis 15 Prozent einstreichen. Rechtzeitig den Kreditrahmen erweitern zu lassen spart hier also Tausende von Mark und jede Menge Sorgen. Es ist schon so: Wer früh sät, hat am Ende die schönsten Kartoffeln und keine faulen Knollen. Auch und gerade in Finanzen.
Börsebius
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