ArchivDeutsches Ärzteblatt11/1997Die Bonndorfer Narrenstuben

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Die Bonndorfer Narrenstuben

Steiner-Rinneberg, Britta

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LNSLNS Heißer Tip für alle, die es im Urlaub in den Schwarzwald zieht, gleichviel zu welcher Jahreszeit: die Bonndorfer Narrenstuben. Ein konkurrenzloses Museum ganz spezieller Art, das jeden Besucher in Entzücken versetzt.
"Reine Narretei", wird der Leser am Ende vielleicht denken. Und genau das ist es auch, was Theo Hany, seines Zeichens Maskenbildner, Coiffeur und Puppendoktor in einem, seit einem Vierteljahrhundert als den "schönsten Nebenberuf der Welt" betreibt: er zaubert "Miniatur-Närrlein", die er bis ins kleinste Detail originalgetreu anzieht.
Vier große, helle Räume sind im 400 Jahre alten Bonndorfer Schloß mit seinem von Franz-Joseph Spiegler prächtig ausgemalten Festsaal bereits mit dem lustigen Narrenvolk gefüllt: 350 genau 42 Zentimeter große "Originale" aus Schwarzwald, Hegau und Baar, Allgäu und Baden, vom Oberrhein und vom Bodensee. Hier leben sie friedlich vereint und machen das unweit der berühmten Wutach-Schlucht gelegene Landstädtchen, das auch einen interessanten japanischen Garten besitzt, um eine, uraltes Brauchtum konservierende, Attraktion reicher. Für den Uneingeweihten der denkbar reizvollste Einstieg in die alemannische Narrenwelt.
Wie es zu den Schloß-Narren kam? Das war vor 25 Jahren, als Meister Hany - zunächst aus reinem Spaß an der Freud - sein erstes Figürchen kreierte, das natürlich kein x-beliebiges war, sondern ein würdiger Vertreter der hochachtbaren Zunft der "Pflumeschlucker", der ältesten des Hochschwarzwaldes! Der schmucke kleine Bursche im buntbemalten Kittelchen, mit rotem Halstuch, blauem Regenschirm, einem "Geschell" mit 25 "Bronzeglöckchen" und einer dikken Pflaume im Mund, versetzte die Betrachter in helle Begeisterung und seinen Schöpfer fast über Nacht in wahres Schaffensfieber. In mühevoller, akribischer Kleinarbeit entstand so nach und nach Figur auf Figur, und ein Ende ist vorläufig nicht abzusehen.
Jeder der vier Räume - "Trachten" - "Heimat" - "Alemannen" und "Bonndorfer Stub" genannt - hat sein eigenes Gesicht. In der letzten stellt Hany den Besuchern wie ein großes Bühnenbild den kompletten Ab-lauf der heimischen "Fasenacht" vor. Weder der traditionelle ..."Hemdglunki-Umzüg" noch der auf einem Baumstamm reitende "Narrenrat", weder "Narrensprung" noch originale "Narrenmusik" (vom Band abgespielt) fehlen.
Das Schloß ist von Mittwoch bis Sonntag geöffnet. Informationen: Tel 0 77 03/76 07
Britta Steiner-Rinneberg
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