ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2007Fehlbildungen bei Neugeborenen: Intensiver und rechtzeitiger aufklären

MEDIZIN: Diskussion

Fehlbildungen bei Neugeborenen: Intensiver und rechtzeitiger aufklären

Dtsch Arztebl 2007; 104(19): A-1320 / B-1173 / C-1124

Wenderlein, J. Matthias

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LNSLNS Für Geburtsmediziner ist die hohe Prävalenz von 49 800 Kindern mit großen Fehlbildungen beziehungsweise 6,7 % hier geborener Kinder überraschend. In Relation wurden 47 500 Brustkrebs-Neuerkrankungen jährlich angegeben. Eine von 845 trifft diese Erkrankung, zwei Drittel und mehr überleben. Brustkrebstod macht 4 % der Gesamtmortalität von Frauen aus. Die meisten hatten 50 Jahre ein mehr oder minder gesundes Leben. Anders ist das bei gleicher Zahl von Neugeborenen jährlich, die ihr Leben mit großen Missbildungen beginnen. Ein Viertel stirbt daran im Kindesalter mit in der Regel vorher starken Beschwerden und geringer Lebensqualität.
Für die Brustkrebs-Früherkennung wird mehr Aufwand betrieben als für die Prävention embryonaler Missbildungen – nur jede 5. Schwangere beginnt perikonzeptionell mit einer Folsäure-Einnahme (12 Cent/Tag für 800 µg).
Eine rechtzeitige Pränataldiagnostik – als zweite Wahl – zum Missbildungsausschluss wird nur von einem Teil der Schwangeren genutzt. Ursache könnte neben weltanschaulich-religiösen Gründen sein, dass viele Frauenärzte sich an „passiven“ Perinataldaten orientieren, sie erfassen nur die Hälfte großer Fehlbildungen.
Schrecklich ist, dass 4 von 1 000 Frauen zwischen 50 und 70 Jahren an Brustkrebs sterben und sich nur 1 Brustkrebstod je 1 000 Frauen durch regelmäßiges Mammographie-Screening über 10 Jahre verhindern lässt. Ebenso schrecklich ist, dass 2 von 1 000 neugeborenen Kindern an Trisomie 21 leiden – nach „aktiven“ Mainzer Daten.
Die Zahlenangaben der Autoren regen zum ungewöhnlichen Vergleich an mit dem Fazit: Frauen im fertilen Alter müssen intensiver und rechtzeitiger über Präventionsmöglichkeiten und teratogene Einflussfaktoren informiert werden als bisher.

Prof. Dr. med. J. Matthias Wenderlein
Eythstraße 14, 89075 Ulm
E-Mail: wenderlein@gmx.de

Interssenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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