ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2007Fehlbildungen bei Neugeborenen: Unsystematischer Vergleich
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LNSLNS Die Kollegen kommen zu dem Schluss, dass die künstliche Befruchtung mittels intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) eine um den Faktor 2,8 erhöhte Fehlbildungsrate nach sich zieht. Diese Einschätzung beruht ausschließlich auf eigenen Daten, die bisher nicht als ausführliche Publikation zugänglich sind (Kongressbeitrag).
Der Vergleich des eigenen Ergebnisses mit der Literatur (Tabelle 5) erfolgt unsystematisch. Vermischt werden Publikationen, die aktive Fehlbildungserhebung mit Registerdaten in Australien vergleicht, mit rein registerbasierten Studien aus Schweden und aus Australien und Publikationen zur prospektiven Deutschen ICSI-Follow-Up-Studie.
Unsere Analyse kommt zu einem adjustierten relativen Risiko von 1,24 (95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 1,50) (1). Die 2004 publizierte Metaanaylse von Hansen (1), die mit einem Odds Ratio (OR) von 1,2 bis 1,3 schließt, fehlt in der Aufstellung.
Warum in der Publikation von Queißer und Spranger nicht auf die Fehlbildungsraten nach In-vitro-Fertilisation (IVF) eingegangen wird, ist unklar. Es verwundert, weil die genannte Metaanalyse und auch zum Beispiel die von den Autoren selbst zitierte Studie aus Australien keinen Unterschied in der Fehlbildungsrate nach konventioneller IVF und ICSI zeigen.
Die Autoren vermitteln den Eindruck, dass die ICSI per se ein Risiko darstellt. Insbesondere an der exponierten Stelle in der Zusammenfassung wird das deutlich erhöhte Fehlbildungsrisiko nach ICSI explizit genannt. Wir und andere haben aber bereits ausführlich argumentieren können, dass eher andere Faktoren – wie die Subfertilität per se oder die hormonelle Stimulation – für das geringfügig erhöhte Fehlbildungsrisiko verantwortlich sein könnten (3).
Auch wird ein möglicher Mechanismus zur Beeinflussung von Imprints durch ICSI komplizierter sein, als die von den Autoren angerissene recht mechanistische Auffassung. Imprints sind viel mehr anfällig gegenüber äußeren Faktoren wie Hormone und Zellkulturbedingungen.

Prof. Dr. med. Michael Ludwig
Endokrinologikum Hamburg
Zentrum für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie
Lornsenstraße 4–6
22767 Hamburg

PD Dr. med. Alexander Katalinic
Institut für Krebsepidemiologie e.V.
Universität zu Lübeck
Beckergrube 43–47
23552 Lübeck

Prof. Dr. rer. nat. Bernhard Horsthemke
Institut für Humangenetik
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstraße 55
45122 Essen

Interessenkonflikt
Prof. Ludwig führt IVF- und ICSI-Behandlungen durch.
PD Dr. Katalinic und Prof. Horsthemke erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Hansen M, Bower C, Milne E, de Klerk N, Kurinczuk J: Assisted reproductive technologies and the risk of birth defects – a systematic review. Hum Reprod 2004; 20: 328–88. MEDLINE
2.
Horsthemke B, Ludwig M: Assisted reproduction – the epigenetic perspective. Hum Reprod Update 2005; 11: 473–82. MEDLINE
3.
Katalinic A, Rösch C, Ludwig M: Pregnancy course and outcome after intra-cytoplasmic sperm injection (ICSI) – a controlled, prospective cohort study. Fertil Steril 2004; 81: 1604–16. MEDLINE
1. Hansen M, Bower C, Milne E, de Klerk N, Kurinczuk J: Assisted reproductive technologies and the risk of birth defects – a systematic review. Hum Reprod 2004; 20: 328–88. MEDLINE
2. Horsthemke B, Ludwig M: Assisted reproduction – the epigenetic perspective. Hum Reprod Update 2005; 11: 473–82. MEDLINE
3. Katalinic A, Rösch C, Ludwig M: Pregnancy course and outcome after intra-cytoplasmic sperm injection (ICSI) – a controlled, prospective cohort study. Fertil Steril 2004; 81: 1604–16. MEDLINE

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