ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2007Internatsgymnasium Stiftung Louisenlund: Lernen zwischen den Meeren

BILDUNG

Internatsgymnasium Stiftung Louisenlund: Lernen zwischen den Meeren

Dtsch Arztebl 2007; 104(19): A-1331 / B-1187

Weiland, Sabine

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Hannah, Carolin und Henriette lieben ihr Louisenlund und kämen immer wieder.
Hannah, Carolin und Henriette lieben ihr Louisenlund und kämen immer wieder.
Das nördlichste Internatsgymnasium Deutschlands rüstet sich für das internationale Abitur. Das Interesse ist groß.

Manu erzählt Geschichten und selten die Wahrheit. Doch diesmal glaubt er ihr. Er, das Lederjackenmodell des Bremer „Tatorts“, Kommissar Nils Stedefreund, im richtigen Leben Oliver Mommsen, hat als preisgekrönter Schauspieler schon einige Bühnen gefüllt – ganz am Anfang auch die der Theater-Gilde des Internatsgymnasiums Louisenlund in Güby an der Schlei. So wie Mommsen damals besuchen heute circa 400 Schüler das staatlich anerkannte Gymnasium in freier Trägerschaft der Stiftung Louisenlund. 1949 von Herzog Friedrich zu Schleswig-Holstein und dem Reformpädagogen Kurt Hahn als Landschulheim und Seglerinternat gegründet, zählt es mit 280 internen und 120 externen Schülern inzwischen zu einer der großen Internatsschulen in Deutschland.
Benannt nach Louise, der Schwester des dänischen Königs Friedrich VII., bietet Louisenlund auf 250 Hektar holsteinischer Endmoränenlandschaft viel Raum für die Ideen der Landerziehungsheime. Nur ein Schilfgürtel trennt das Internat vom Schleifjord. Nach hahnscher Prägung gehören Mut, Zivilcourage und Gemeinsinn, aber auch der Wille, das Äußerste aus sich herauszuholen, zu der Schule – für Lernende wie Lehrende. „Hier Lehrer zu sein, das ist fast wie 24 Stunden Klassenfahrt, und das jeden Tag“, sagt Ulrich Steffen, langjähriger Unterrichtsleiter in Louisenlund. Nicht jeder könne das. Hier dürfe man Schüler nicht nur intellektuell füttern, sondern müsse ihr Partner werden und das in ständig wechselnden Rollen. Nahezu 60 Lehrer tun dies, fünf davon unterrichten als native speaker.
Louisenlunder kann werden, wer nach Erstgespräch, Schnupperwoche und Probezeit zeigt, dass er sich in eine Gemeinschaft einzufügen vermag und dem durchaus fordernden Charakter eines Internats gewachsen ist. „Hier muss ich mich den Eigenarten der anderen stellen“, sagt Carolin Dekayser, Zwölftklässlerin. „Ich kann nicht nach Mama rufen, sondern muss selbst Wege finden.“ Das zu schaffen, habe ihr Kraft gegeben, sagt die 18-Jährige. Immer wieder würde sie sich für ein Internat entscheiden.
Durch Umzug, Heimweh oder Verweis verlassen etwa 15 Schüler jährlich das Internat. Drogen und Alkohol sind tabu. Etwa 16 Schüler bilden eine Klasse, die meisten sind Oberschüler. Die Klassenräume verfügen teilweise über multimediale Smartbords, ein Internetzugang ist obligat. Präsenzbibliothek und PC-Kabinett verwalten die Schüler selbstständig. Wissenslücken beim Übergang ins Internat gleicht spezieller Förderunterricht aus, hochbegabte Kinder werden individuell gefördert.
Ob Optimisten, Jollen oder Kutter – jeder Neuntklässler lernt hier segeln.
Ob Optimisten, Jollen oder Kutter – jeder Neuntklässler lernt hier segeln.
Etwa 15 Schüler plus ein Hausvater/-mutter bilden eine Hausgemeinschaft. Gemütliche Zweibettzimmer werden zum Zuhause auf Zeit. Vormittags ist Unterricht bis 13 Uhr. Nach dem Mittagessen startet ab 14 Uhr ein altersübergreifendes, vielfältiges und verbindliches Gildenprogramm. Angeboten werden fast 40 verschiedene Kultur-, Sport- und Sozialprojekte. Von Schülern für Schüler ist Gildenprinzip, Lehrer assistieren, am Ende bewertet ein Gildenzeugnis das erworbene Wissen und die Teamfähigkeit.
Ab 17.30 Uhr raucht wieder der Kopf, es ist Lernzeit auf Louisenlund. Über ein hausinternes WLAN rufen die Schüler ihre Arbeiten ab, jeder Schüler hat einen PC und Internetzugang in seinem Zimmer. Der Gong zum Abendbrot ertönt gegen 18.30 Uhr durch die Räume, ab 19.30 Uhr starten die Älteren erneut mit Gilden, die Jüngeren beschließen den Tag.
Das Schulkonzept folgt reformpädagogischen Ansätzen mit Projektarbeit, bilingualen Abiturklassen und individueller Berufsorientierung. Für alle verbindlich ist ein Auslandsaufenthalt in Klasse acht, Informatik und Wassersportausbildung in Klasse neun. Elft- und Zwölftklässler absolvieren Betriebs- und Wirtschaftspraktika – oft unter den Fittichen der Alt-Louisenlunder, die mit simulierten Bewerbungsgesprächen, einem Assessment-Center und individuellem Befähigungsprofil Weichen fürs Leben stellen. Ab 2008 ersetzen sogenannte Profil-Oberstufen bisherige Leistungskurse. Grundsätzlich werden Englisch, Französisch, Latein und Spanisch gelehrt, zusätzlich bieten zwei Gilden Italienisch und Russisch an. Die Handelskammer London zertifiziert Abiturschülern das internationale Englisch-Diplom. Neben bundesweiten Schüler-Vergleichsarbeiten und Wettbewerben unterzieht sich das Internat ab Mai 2007 der Qualitätsprüfung SEIS. Ein Schulpsychologe begleitet Lehrer und Schüler seit Jahren.
Derzeit überlegt die Internatsleitung, bis zu fünf Millionen Euro in den Ausbau des Gymnasiums zu investieren, um dann ab 2008 als eine von wenigen Schulen das „International Baccalaureate“ als internationales Abitur anzubieten.
Sabine Weiland

Kontakt: Stiftung Louisenlund, 24357 Güby, Telefon: 0 43 54/99 90,
Fax: 0 43 54/99 91 71, E-Mail: info@louisenlund.de,
Internet: www.louisenlund.de
Kosten: Schüler intern: 2 230 Euro/Monat, Schüler extern: 820 Euro/Monat,
Individualkosten pro Monat: etwa 150 Euro. Leistungsstipendien der freien Wirtschaft werden angeboten.
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