ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 2/2007Optionen als Ergänzung einer Aktienanlage: Zusatzrendite fürs Depot

SUPPLEMENT: PRAXiS

Optionen als Ergänzung einer Aktienanlage: Zusatzrendite fürs Depot

Dtsch Arztebl 2007; 104(19): [22]

Jobst, Peter

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Foto: Fotolia/Stefan Redel
Foto: Fotolia/Stefan Redel
Trotz der Turbulenzen an den Börsen wollen viele Anleger engagiert bleiben. Mit Optionen lassen sich die Erträge optimieren.

Bei einer Option handelt es sich um das standardisierte Recht, eine bestimmte Aktie oder ein anderes Finanzprodukt innerhalb einer festgelegten Frist zu einem heute bereits festgeschriebenen Preis zu kaufen (Kaufoption oder call) oder zu verkaufen (Verkaufsoption oder put). Dabei unterscheidet man zwischen zwei Varianten:
Der Käufer einer Kaufoption spekuliert auf steigende Kurse. Er zahlt beispielsweise drei Euro dafür, die Aktie X in den kommenden Monaten für 50 Euro zu bekommen – ganz gleich, wie sich der Kurs bis dahin entwickelt. Steigt die Notierung der Aktie X dann beispielsweise auf 70 Euro, bekommt er sie über die Option dennoch für 50 Euro. Nach Abzug der Optionsprämie von drei Euro und der Spesen hat er also ein
gutes Geschäft gemacht. Fällt
der Kurs der X-Aktie jedoch auf 30 Euro zurück, hat sich die Transaktion nicht gelohnt. Er wird die Option verfallen lassen.
Umgekehrt denkt der Käufer einer Verkaufsoption. Er erwartet fallende Kurse und zahlt zum Beispiel zwei Euro dafür, die Y-Aktie zu 40 Euro verkaufen zu können. Fällt nun der Kurs tatsächlich beispielsweise auf 30 Euro zurück, hat sich das Geschäft gerechnet: Er kauft die Aktie für 30 Euro an der Börse und liefert sie via Option für 40 Euro an seinen Kontrahenten. Unter Berücksichtigung der Optionsprämie von zwei Euro bleiben ihm also immer noch acht Euro Gewinn (abzüglich der Spesen).
Optionen kann man allerdings nicht nur kaufen, sondern auch verkaufen. Interessant ist dies besonders für einen Anleger, der die Aktie bereits im Depot hat und mit stagnierenden oder fallenden Kursen rechnet. Eigentlich wäre der Verkauf der Aktie die einfachste Lösung, doch oft sprechen langfristige Anlagestrategien oder die noch nicht abgelaufene Spekulationsfrist gegen eine solche Trennung. Verkauft er stattdessen eine Kaufoption, bekommt er für seine Bereitschaft zum Verkauf zunächst den Optionspreis ausbezahlt. Von nun an ist er von den Entscheidungen seines Kontrahenten abhängig, weshalb er auch als „Stillhalter“ bezeichnet wird. Jetzt gibt es mehrere Möglichkeiten:
Steigt der Kurs der Aktie, wird der Optionskäufer sein Recht ausüben und den Basiswert beziehen. Der Verkäufer der Option muss zum festgelegten Preis liefern. Dabei erhält er jedoch in der Regel mehr als im Fall eines sofortigen Verkaufs, zudem hat er bereits
bei Geschäftsabschluss die Optionsprämie eingenommen. Etwas Grund zum Ärgern besteht allenfalls dann, wenn der Kurs der Aktie stark steigt. Denn schließlich bekommt er auch dann nur den vereinbarten Preis, der unter dem eigentlich erzielbaren Erlös liegt.
Geht der Kurs der Aktie jedoch tatsächlich zurück, wird der Optionskäufer sein Recht nicht ausüben und die Option ersatzlos verfallen lassen. Der Verkäufer der Option hat also die Optionsprämie verdient und muss keine weiteren Gegenleistungen erbringen. Letztlich hat er also einen zusätzlichen Ertrag mit der Aktie erzielt und den Einstandspreis des Papiers entsprechend verbilligt.
Der Verkauf einer Kaufoption rechnet sich also besonders in Börsenphasen mit geringen Schwankungen. Dann hat der Besitzer der Aktien die Möglichkeit, die Transaktion wiederholt durchzuführen, ohne die Papiere liefern zu müssen.
Die Strategie lässt sich noch etwas verfeinern. Geht der Anleger davon aus, dass der Kurs des Basiswerts auf jeden Fall nachgibt, wird er als Basispreis einen Betrag wählen, der im Bereich des aktuellen Kurses bei Optionsabschluss liegt. Hier ist die „Gefahr“ zwar groß, dass er bei einer Fehleinschätzung des Markts die Papiere liefern muss, andererseits wird ihm dies mit einem hohen Optionspreis vergütet. Wählt er indes einen Basispreis deutlich über dem aktuellen Börsenkurs, ist die Wahrscheinlichkeit der Lieferverpflichtung gering. Allerdings bekommt er dafür auch nur einen niedrigen Optionspreis. Optimieren lässt sich diese Strategie mit der Wahl der Laufzeit der Option: Je kürzer die Restlaufzeit, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit der Ausübung und umso sicherer ist der Ertrag.
Auch hat der Anleger jederzeit die Möglichkeit, den Basiswert an der Börse neu zu erwerben und so sein Depot unverändert fortbestehen zu lassen. Auch aus den Optionsverpflichtungen kann er sich jederzeit lösen, indem er ein Gegengeschäft abschließt, die gewählte Option an der Börse also kauft.
Was auf den ersten Blick kompliziert klingt, ist in der Praxis recht einfach: Größere Wirtschaftszeitungen veröffentlichen die aktuellen Optionspreise. Wer mit Stillhaltergeschäften Geld verdienen will, sucht unter der jeweiligen Aktie die Rubrik „Kaufoptionen“, in der für jede Laufzeit und jeden gehandelten Basispreis die entsprechenden Optionspreise gelistet werden. Mit etwas Übung lässt sich filtern, mit welchen Optionen der beste Ertrag erzielbar ist. Experten gehen davon aus, dass die Depotrendite über entsprechende Transaktionen pro Jahr durchaus um fünf bis zehn Prozentpunkte verbessert werden kann – und dies ohne nennenswerte zusätzliche Risiken, denn ein Ausstieg ist nahezu jederzeit möglich. Peter Jobst
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