ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 2/2007Geschlossene Fonds: Kein „Heulen und Zähneklappern“

SUPPLEMENT: PRAXiS

Geschlossene Fonds: Kein „Heulen und Zähneklappern“

Dtsch Arztebl 2007; 104(19): [23]

Löwe, Armin

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LNSLNS Aufgrund des guten zweiten Halbjahrs blieb der befürchtete Einbruch aus.

Als der § 15 b Einkommensteuergesetz (EStG) im November 2005 eingeführt wurde, war von einer Zäsur am Markt der geschlossenen Fonds die Rede. Allgemein war ein Einbruch der Platzierungszahlen für geschlossene Fonds (Immobilen, Schiffe, Private Equity, Policen und New Energy) im Jahr 2006 erwartet worden. Tatsächlich konnten sich die geschlossenen Fonds mit einem Absatz von 11,6 Milliarden Euro gut behaupten. Dies zeigt die seit zehn Jahren vom Analysten Stefan Loipfinger erstellte Statistik über den Absatz der Beteiligungsmodelle. Der Rückgang um 5,3 Prozent gegenüber dem Jahr 2005, das noch ganz im Zeichen der Verlustzuweisungsmodelle stand, war weitaus geringer als von den meisten befürchtet.
Auch Loipfinger selbst hatte einen stärkeren Rückgang vorausgesagt, diese Prognose schien sich auch nach den schwachen ersten sechs Monaten 2006 zu bestätigen. Aber im zweiten Halbjahr, vor allem im letzten Vierteljahr zog die Nachfrage spürbar an – eine Entwicklung, die eigentlich typisch war für die Zeit der hohen steuerlichen Verluste. Denn für die früheren Steuersparmodelle war Silvester ein wichtiges Datum. Schließlich mussten bis zum 31. Dezember die steuerlichen Verluste unter Dach und Fach sein.
„Eigentlich hätte es nach Einführung des § 15 b EStG ,Heulen und Zähneklappern‘ geben müssen“, meint Werner Rohmert, Herausgeber des Immobilienbriefs, zum Absatzergebnis der geschlossenen Fonds im Jahr 2006. „Mit den Medienfonds wurde eine Produktlinie komplett zu Grabe getragen“, fügt Rohmert hinzu. In der Tat: Außer zwei Gamesfonds, die die Fahne der Medienfonds aufrecht hielten, gab es im letzten Jahr keinen Medienfonds; Filmfonds sind völlig von der Bildfläche verschwunden. Filmfonds brachten in den letzten Jahren mit rund 170 bis 180 Prozent (des Kommanditkapitals) die höchsten steuerlichen Verluste. Die Prognose, dass der § 15 b EStG den Tod der Filmfonds bedeutete, bewahrheitete sich bislang. Allerdings kommt mit dem GFP IV von Initiator David Groenewold anno 2007 wieder ein Filmfonds auf den Markt.
Geschlossene Fonds konnten sich per saldo also gut behaupten, aber die Karten unter den verschiedenen Produktlinien wurden neu gemischt. Den Rückgang bei den Medienfonds konnten die geschlossenen deutschen Immobilienfonds zum Teil ausgleichen, die nach jahrelanger Schrumpfkur kräftig zulegen konnten (vgl. folgenden Artikel). Auch US-Immobilienfonds waren stark gefragt, obwohl es kaum noch Core-Fonds (die in voll vermietete Bestandsimmobilien investieren) mit vergleichsweise geringem Risiko gibt. Offensichtlich ist es den Initiatoren der US-Immobilienfonds gelungen, die Anleger auf Projektentwicklung und Opportunity-Fonds umzupolen, die eigentlich ein ganz anderes Chancen-Risiko-Profil haben.
Schiffsfonds waren nach den geschlossenen Immobilienfonds die am meisten gefragte Produktlinie, auch wenn sie die Rekordabsatzzahlen von rund drei Milliarden Euro in den letzten beiden Jahren verfehlten (2,546 Milliarden Euro). Dass etwas weniger als im Vorjahr platziert wurde, lag vor allem am Fehlen preiswerter Schiffe, nicht so sehr am mangelnden Anlegerinteresse. Die Preise für Schiffe bewegen sich noch immer annähernd auf dem historischen Höchstniveau, während die Charterraten, die über die Höhe der Einnahmen aus dem Schiffsbetrieb entscheiden, gegenüber dem Allzeit-Hoch vom Frühsommer 2005 um rund
50 Prozent eingebrochen sind. Die Nachfrage nach Schiffsfonds wird auch 2007 hoch bleiben.
Zur Boombranche avancierte Private Equity, wenn man von den Platzierungszahlen ausgeht. Mit einem Zeichnungsvolumen von 2,276 Milliarden Euro wurden sie zur dritten Kraft unter den geschlossenen Fonds. Ob aber die zweistelligen Renditeerwartungen aufgehen, bleibt abzuwarten. Noch sind alle Private-Equity-Fonds zu jung, um darüber eine Aussage zu treffen.
Verlierer des Jahres waren wegen des Wegfalls der steuerlichen Verluste die New-Energy-Fonds. Die boten in der Vergangenheit steuerliche Verluste von 80 bis 90 Prozent. Zu den Verlierern gehören auch die Policenfonds, die allerdings nie steuerliche Verluste in Aussicht stellten. Hier wirkten sich vor allem die schlechten Nachrichten vom US-Lebensversicherungszweitmarkt negativ aus.
Den ersten Rang unter den Emissionshäusern von geschlossenen Fonds nimmt zum vierten Mal in Folge die börsennotierte MPC (848 Millionen Euro) ein. Bereits auf Platz drei ist die australische Bank Macquarie zu finden, die erst 2005 erstmals in Deutschland auftrat und mit Infrastrukturfonds Furore machte. Damit wurde von den Australiern eine Produktlinie nach Deutschland gebracht, die in den nächsten Jahren stark wachsen dürfte. Viele Initiatoren beschäftigen sich derzeit mit dem Thema Infrastruktur-Publikumsfonds. Für institutionelle Anleger haben die Banken schon entsprechende Fonds aufgelegt. Bislang war Macquarie mit Angeboten für Privatanleger allein auf weiter Flur. Aber das wird sich 2007 ändern.
Vor allem Banken und Sparkassen haben die Umstellung von Steuer- auf Renditeorientierung hervorragend bewältigt. Mit 7,42 Milliarden Euro erzielten die Kreditinstitute einen neuen Rekord im Vertrieb geschlossener Fonds und steigerten ihren Marktanteil auf die neue Höchstmarke von 64,8 Prozent. Gleichzeitig ging der Marktanteil der freien Vermittler weiter zurück. Seit Jahren vertreiben die Banken und Sparkassen geschlossene Fonds von jährlich mehr als sieben Milliarden Euro. Zahlreiche Kreditinstitute bestätigen, dass geschlossene Fonds einen ganz wichtigen Bestandteil ihres Angebots an Kapitalanlagen bilden. Ein Grund ist vielleicht auch, dass die obligatorische Prospektprüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Branche der geschlossenen Fonds vom früheren Schmuddelimage befreit hat. Armin Löwe
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