ArchivDeutsches Ärzteblatt19/20073 Fragen an… Dipl.-Ing. Prof. Dr. med. Stephan Letzel, Leiter des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Mainz

MEDIZINREPORT

3 Fragen an… Dipl.-Ing. Prof. Dr. med. Stephan Letzel, Leiter des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Mainz

Dtsch Arztebl 2007; 104(19): A-1290 / B-1146 / C-1098

Siegmund-Schultze, Nicola

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DÄ: Volkskrankheiten wie Adipositas und metabolisches Syndrom vorzubeugen, sehen Arbeitsmediziner als Voraussetzung dafür an, dass eine Erhöhung des Rentenalters verantwortet werden kann. Nun gibt es schon Präventionsprogramme, beispielsweise zur Früherkennung von Diabetes, die Fachgesellschaften zusammen mit Krankenkassen, dem Hausärzteverband, Apothekern und Patientengruppen erarbeitet haben. Welchen Platz könnte der Betriebsarzt in einem solchen Präventionsprogramm einnehmen?
Letzel: Primäre Aufgabe der Arbeitsmedizin ist die Prävention am Arbeitsplatz. Ein wichtiger Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorge können hierbei auch spezielle betriebsärztliche Untersuchungen, die zum Teil auch gesetzlich vorgeschrieben sind, sein. Arbeitsmedizinische Vorsorge geht jedoch weit über Vorsorgeuntersuchungen hinaus, hierzu zählen neben der Gefährdungsbeurteilung insbesondere auch die arbeitsmedizinische Beratung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
Vorteilhaft ist es, dass der Arbeitsmediziner auch Kontakt zu Personen mit gesundheitlichen Risiken hat, die derzeit den kurativ tätigen Arzt nicht aufsuchen. Arbeitsmediziner sind in erster Linie Berater und Gesundheitsmanager im Betrieb, ihr Schwerpunkt liegt nicht auf der Therapie.
Es versteht sich von selbst, dass die vom Betriebsarzt angewendeten diagnostischen Kriterien zur Einschätzung eines gesundheitlichen Risikos den wissenschaftlich anerkannten Empfehlungen entsprechen. Wenn der Betriebsarzt bei einem Arbeitnehmer ein erhöhtes Gesundheitsrisiko feststellt und der Betroffene behandlungsbedürftig ist, wird er ihm raten, sich an den Haus- oder Facharzt zu wenden.
DÄ: Umgekehrt gibt es Präventionsprogramme, die von Unternehmen initiiert werden . . .
Letzel: Ja, richtig, insbesondere die Großindustrie, aber auch klein- und mittelständische Unternehmen haben erkannt, dass Prävention und Gesund­heits­förder­ung nicht ausschließlich einen Kostenfaktor, sondern in erster Linie einen Erfolgsfaktor für das gesunde Unternehmen darstellen. So werden auch von einzelnen Unternehmen gezielt Vorsorgeuntersuchungen, zum Beispiel auf kolorektale Karzinome, angeboten. Die hierbei erhobenen Daten können zusätzlich auch wissenschaftlich genutzt werden.

DÄ: Die Arbeitsmediziner schlagen vor, für Arbeitnehmer im höheren Lebensalter Organisation und Gestaltung der Arbeit dem höheren Lebensalter und individuellen Fähigkeiten anzupassen, also auf körperliche und psychische Veränderungen Rücksicht zu nehmen.
Ist das vor dem Hintergrund des zunehmenden Kostendrucks umsetzbar?
Letzel: Sicherlich wäre es zu kurz gedacht, mit einer dem Individuum angepassten Arbeitsorganisation sowie Arbeitsgestaltung erst im höheren Lebensalter zu beginnen. Prävention und Gesund­heits­förder­ung zahlen sich für die Betriebe in jedem Lebensalter, also auch für die jüngeren Beschäftigten, aus. Zunehmend wird es bei der gesellschaftlichen Entwicklung für die Unternehmen wichtig sein, qualifizierte Arbeitskräfte an sich zu binden. Die Angebote der Unternehmen zur Prävention und Gesund­heits­förder­ung werden hierbei eine wichtige Rolle spielen. Letztendlich wird es aber auch eine Frage der Gesellschaft sein, wie viel man bereit ist, in die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Bürger zu investieren.
Die Fragen stellte
Nicola Siegmund-Schultze.

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