ArchivDeutsches Ärzteblatt12/1997Entzündungen des Augeninneren: Meist Folge eines operativen Eingriffs

SPEKTRUM: Akut

Entzündungen des Augeninneren: Meist Folge eines operativen Eingriffs

Gerste, Ronald D.

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LNSLNS So eigenartig es klingt - die Inzidenz der schwersten okulären Entzündung, der Endophthalmitis, ist in letzter Zeit rückläufig, die Prävalenz jedoch steigend. Dieses scheinbare Paradoxon liegt darin begründet, wie Prof. Volker Klaus (München) auf einer Fortbildungsveranstaltung in Essen berichtete, daß man zwar durch das bessere Erkennen von Risikopatienten, verbesserte Sterilität im OP und effektivere perioperative Medikation die Rate dieser gefürchteten Komplikation senken konnte, die Gesamtzahl sich jedoch erhöht hat, da viel mehr Augenoperationen vorgenommen werden. Fast die Hälfte aller Endophthalmitiden ist Folge eines operativen Eingriffs, meist einer Cataractoperation; in etwa 20 Prozent handelt es sich um ein posttraumatisches Geschehen, in zirka acht Prozent entsteht das Krankheitsbild fortgeleitet durch eine Keratitis. Die übrigen Endophthalmitiden haben eine endogene Genese.


Leitsymptom ist der ziemlich plötzlich einsetzende Schmerz, der von einem Druckgefühl, einer Visusreduktion und einer Photophobie begleitet wird. Die Untersuchung zeigt in der Regel einseitige Lidschwellung, Chemosis, Hornhautödem, Hypopyon, intraokularen Druckanstieg und oft eine besonders gut im A-Bild des Ultraschalls nachweisbare Glaskörperinfiltration. Allgemeinsymptome wie Fieber, Somnolenz, Übelkeit und Erbrechen können auf eine beginnende Septikämie und/oder eine Meningitis hinweisen. Prädisponierend ist ein reduzierter Immunstatus. Als lokale Risikofaktoren müssen erhöhte Keimbesiedlungen angesehen werden, wie man sie bei Infektionen von Lidern, Tränenwegen und Bindehaut findet. Eine besonders schlechte Prognose haben die Patienten, die sich ihre Augenverletzung bei landwirtschaftlicher Arbeit zugezogen haben, da es hier häufig zum Pilzbefall des Augeninneren kommt.

Mykosen und Pseudomonas-Infektionen sind die typischen Ursachen für eine keratitisinduzierte Endophthalmitis. Risikopatienten sind die Träger weicher Kontaktlinsen. Der Erregernachweis kann am sichersten per Kultur erfolgen und sollte sich auf Vitrektomiematerial stützen, da Bindehautabstriche nur Zufallstreffer erbringen. Die Therapie besteht in Zykloplegie sowie lokaler und systemischer Prednisolongabe. Intravitreal werden die Antibiotika Amikacin und Vancomycin appliziert, subkonjunktival Vancomycin, Ceftazidine und Dexamethason. Das Ziel der Vitrektomie als operative Therapie ist laut Prof. Anselm Kampik (München) neben der Materialgewinnung zur Diagnostik die weitgehende Ausräumung von Entzündungszellen, Erregern und Toxinen, worauf eine intraokulare Antibiotikaapplikation erfolgen kann.
Dr. med. Dr. phil. Ronald D. Gerste

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