ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2007Hausärztetag Nordrhein: Hausärzte wollen nicht auf die Honorarreform warten

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Hausärztetag Nordrhein: Hausärzte wollen nicht auf die Honorarreform warten

Dtsch Arztebl 2007; 104(20): A-1362 / B-1216 / C-1158

Maus, Josef

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Ein wenig mehr Distanz: Ulla Schmidt und Rainer Kötzle beim nordrheinischen Hausärztetag Ende April in Köln
Ein wenig mehr Distanz: Ulla Schmidt und Rainer Kötzle beim nordrheinischen Hausärztetag Ende April in Köln
Das herzliche Verhältnis zwischen der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin und dem Deutschen Hausärzteverband scheint ein wenig abgekühlt. Die Ärzte haben sich offenbar mehr von der jüngsten Reform erhofft.

Der Empfang war durchaus freundlich, aber nicht mehr ganz so herzlich wie in den Jahren zuvor: Auf dem 6. nordrheinischen Hausärztetag Ende April in Köln sah sich Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt erstmals einer gewissen Kritik durch die Primärversorger ausgesetzt.
Rainer Kötzle, der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, machte keinen Hehl daraus, dass sein Verband doch einiges mehr vom GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) erwartet habe. Insbesondere zeigte sich Kötzle enttäuscht darüber, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) nach § 73 b SGB V als Vertragspartner für die hausarztzentrierte Versorgung auftreten könnten. „Dies sollte eigentlich eine Domäne des Hausärzteverbandes sein“, beklagte der Hausärztechef. „Jetzt müssen wir mit den KVen reden.“ Ein Wettbewerb zwischen dem Verband und den KVen sei jedoch kaum sinnvoll.
Nach wie vor scheinen die Hausärzte auch mit ihrer Stellung innerhalb der Kassenärztlichen Vereinigungen nicht zufrieden zu sein. Immer noch sei man von Mehrheiten abhängig. Aus diesem Grund stehe für Kötzle unverändert mehr Selbstbestimmung für die Hausärzte durch eine Sektionierung der KV in einen hausärztlichen und fachärztlichen Bereich auf der Agenda.
Ulla Schmidt räumte – jedoch nicht ohne einen Hinweis auf den Koalitionspartner – ein, dass die Forderungen der Hausärzte nicht in allen Punkten mit dem Gesetz verwirklicht worden seien. In Bezug auf die Konkurrenzsituation bei den Verträgen um die hausarztzentrierte Versorgung gab sie sich indes pragmatisch: „Niemand kann die Hausärzte zwingen, die KV mit einem Vertragsabschluss zu beauftragen. Das haben Sie selbst in der Hand.“
Ulrich Weigeldt und Birgit Fischer: Ärzte und Krankenkassen treiben anders gelagerte Sorgen im Zusammenhang mit der Gesundheitsreform um. Fotos: Johannes Aevermann
Ulrich Weigeldt und Birgit Fischer: Ärzte und Krankenkassen treiben anders gelagerte Sorgen im Zusammenhang mit der Gesundheitsreform um. Fotos: Johannes Aevermann
Eher bedeckt hielt sich die Ministerin auch im Hinblick auf die Forderung, die für 2009 anstehende Honorarreform für die Hausärzte vorzuziehen. „Die Euro-Gebührenordnung kommt für uns fast schon zu spät“, sagte Kötzle. „Wir sind mit unserem Konzept fertig und könnten unsere Gebührenordnung schon früher einführen.“ Dies bestätigte auch Ulrich Weigeldt, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Er hält es für möglich, die Gebührenordnung für Hausärzte früher in Kraft zu setzen und die „kompliziertere Gebührenordnung für Fachärzte später zu beschließen“. Einig zeigten sich Kötzle und Weigeldt zudem in der Einschätzung, wonach die hausärztliche Grundpauschale mit mindestens 75 Euro honoriert werden sollte.
Anders gelagerte Sorgen beschäftigen derweil die Krankenkassen. Bei der hochrangig besetzten Podiumsdiskussion auf dem Hausärztetag bezeichneten sowohl Birgit Fischer, Vorstandsmitglied der Barmer Ersatzkasse, als auch ihre Kollegin Cornelia Prüfer-Storcks von der AOK Rheinland/Hamburg das GKV-WSG als „hochriskant“, wenn auch nicht zwingend negativ. Die Kassenvertreterinnen fürchten in erster Linie einen falsch ausgelegten Wettbewerb, bei dem nicht die Versorgung der Patienten im Vordergrund stünde, sondern vielmehr ökonomische Ziele. Beide bezeichneten überdies den Gesundheitsfonds als problematisch, weil dieser einen hohen finanziellen Druck auf die Kassen lege. Ulla Schmidt hingegen wunderte sich über die negative Kritik: „Den großen Wurf kann es in der Gesundheitspolitik nicht geben“, sagte sie. „Aber diese Reform war doch ein wichtiger Schritt.“
Josef Maus
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