ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2007Abrechnung von Krankenhausleistungen: Für eine Handvoll Codes

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Abrechnung von Krankenhausleistungen: Für eine Handvoll Codes

Dtsch Arztebl 2007; 104(20): A-1419 / B-1267 / C-1207

Finke, Jens

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Foto: mauritius images
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Die vielfältigen Dokumentationspflichten im DRG-System sind vielen Ärzten ein Gräuel. „Medical Coder“ versprechen Entlastung.

Die Rechnung, bitte
Kennen Sie das? Eigentlich hatte Ihr Patient „nur“ einen Bruch am Unterarm. Die Operation und Behandlung verliefen erfolgreich und komplikationslos, Ihr Patient konnte regelgerecht und zufrieden entlassen werden. Die Geschichte könnte hier zu Ende sein, ist sie aber nicht. Denn nun sitzen Sie gezwungenermaßen vor Ihrem ORBIS, pflichtgemäß bemühen Sie die entsprechenden Verzeichnisse, suchen die richtigen Codes und tippen schließlich ein: Diagnose: S52.50+S51.84 und Prozedur: 5-794. Mindestens. Und noch während Sie auf die unvermeidliche Sanduhr auf Ihrem Bildschirm starren und das System eine DRG berechnet, kommt Ihnen vielleicht der Gedanke: „Und dafür habe ich Medizin studiert?“
Nun, diese Frage soll hier unbe-antwortet bleiben, aber die entscheidende Tatsache ist, dass Sie soeben für Ihre erbrachte Leistung die Rechnung geschrieben haben – sie sogar auf diese Weise schreiben mussten. Denn seit dem Jahr 2003 erfolgt die Abrechnung stationärer Behandlungsfälle nach Diagnosis Related Groups (DRGs), in denen Diagnosen und Prozeduren durch ICD-10 und OPS-301 verschlüsselt werden. Dieses Entgeltsystem nach diagnoseorientierten Fallpauschalen ist seit dem 1. Januar 2004 in deutschen Krankenhäusern verpflichtend. Aber warum nur diese ganzen Codes?
Enigma?
DRGs sind nichts anderes als Preisschilder der stationären Behandlung. Aus den Diagnosen und Prozeduren werden sie nach einem komplizierten Algorithmus ermittelt. Zurzeit gibt es bereits 1 074 unterschiedliche Preisschilder, hinzu kommen noch 104 Zusatzentgelte. Zusatzentgelte sind Vergütungen, die für Leistungen wie Blutprodukte, bestimmte Medikamente und Implantate unabhängig von der Fallgruppe gezahlt werden. In den letzten Jahren änderten sich die DRGs um mehr als 20 Prozent. Neue Preisschilder kamen hinzu, andere wurden neu berechnet und zugeschnitten. Das gesamte System unterliegt also kontinuierlichen Weiterentwicklungen und Ausweitungen. Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich: Das wird auch so bleiben.
Die sehr aufwendige Erfassung der Zusatzentgelte war Anlass dafür, das Universitätsklinikum Köln um eine neue Berufsgruppe zu bereichern. So erweiterte der Zentralbereich Medizinische Synergien sein bisheriges Spektrum von Qualitätsmanagement, Fortbildung und Medizincontrolling um das Medical Coding. Zunächst entschloss man sich, in etwa einem Dutzend unserer Kliniken, Medical Coder für diese Aufgabe einzusetzen. Die ersten Erfahrungen mit diesen geschulten Fachleuten waren durchweg positiv. Synergien sind eben immer gut. So wurde den Medical Codern nach und nach auch die Aufgabe der DRG-Endkontrolle in Zusammenarbeit mit einem DRG-Beauftragten übertragen. Der DRG-Beauftragte trägt hierbei weiterhin die Verantwortung für die medizinische Richtigkeit und korrekte Darstellung und erteilt jedem Fall schließlich die letzte Freigabe zur Leistungsabrechnung.
So läuft’s Geschäft
Nicht dokumentiert gilt als nicht gemacht. – Sie hassen diesen Satz? Das dürfen Sie auch – besonders in für den Patienten lebensbedrohlichen Situationen, in denen Gedanken an ein bürokratisches Dogma geradezu zynisch erscheinen und vom Jetzt etwa so weit weg sind wie der 1. FC Köln vom Gewinn der Meisterschaft. Und trotzdem sollten Sie ihn lieben lernen. Man muss dieses Gebot wie ein Naturgesetz hinnehmen und danach handeln, denn es geht um Gerechtigkeit. Entscheidend für eine aufwandgerechte Abrechnung sind eine vollständige und genaue Aktendokumentation von Diagnosen und Prozeduren sowie eine präzise Codierung durch ärztliches und pflegerisches Personal. Die Medical Coder sind das Bindeglied zwischen Dokumentation und Leistungsabrechnung. Jeder Fall wird auf NUBs, Vollständigkeit, Plausibilität und die Erfassung von Zusatzentgelten geprüft und entsprechend bearbeitet. Allein im Jahr 2005 konnten am Universitätsklinikum Köln so beispielsweise mehr als 5 700 Zusatzentgelte mit einem Gesamtwert von fast sieben Millionen Euro erfasst werden – Geld, das letztlich auch in die medizinische Versorgung fließen kann.
Nach nunmehr zwei Jahren hat sich das Medical Coding als fester Bestandteil des Krankenhausalltags etabliert. Die allgemeine Dokumentationsvollständigkeit verbesserte sich, Aktenläufe konnten optimiert werden. Ärztliches Personal ist wieder ein Stück von patientenfernen Tätigkeiten entlastet. Codieraufgaben an nicht ärztliches Personal zu übergeben, wird übrigens in anderen Industrienationen bereits seit Jahren erfolgreich praktiziert. Fernweh?
Alles bleibt anders, aber
sicher bleibt sicher
Bleiben Sie doch lieber hier. Die Medical Coder kennen die fortwährenden Änderungen und unterstützen Sie gern bei der korrekten Anwendung. Unser gemeinsames Ziel ist eine angemessene Erlössicherung. Eine gerechte Vergütung geleisteter Arbeit ist schließlich die Grundlage für den Fortbestand unseres Klinikums und somit das Fundament für eine weiterhin exzellente Patientenversorgung in Köln. Also, Synergien nutzen!
Jens Finke, Medical Coder
Zentralbereich Medizinische Synergien
Universitätsklinikum Köln
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