ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2007Vorstandswahlen: Hoppe erhält breite Unterstützung, Montgomery wird Vizepräsident

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Vorstandswahlen: Hoppe erhält breite Unterstützung, Montgomery wird Vizepräsident

Dtsch Arztebl 2007; 104(21): A-1434 / B-1280 / C-1220

Stüwe, Heinz; Maus, Josef

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Der Ärztetag bestätigt den Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer und die Vizepräsidentin Goesmann in ihren Ämtern. Der neue Vizepräsident muss sich gegen drei Gegenkandidaten durchsetzen und gewinnt mit sieben Stimmen Vorsprung.

Die allgemeine Erwartung fasste der Ehrenpräsident der Bundes­ärzte­kammer knapp zusammen. „Einen zweiten Stimmzettel werden Sie, glaube ich, nicht brauchen“, prognostizierte Versammlungsleiter Prof. Dr. med. Karsten Vilmar, nachdem er das Verfahren bei der Wahl des Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer erläutert hatte. Der Ausgang war klar: Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe würde abermals gewählt werden, nach 1999 und 2003 für eine dritte Amtszeit. Aber mit welchem Rückhalt würden die Delegierten den obersten Repräsentanten der deutschen Ärzteschaft ausstatten? Die Wahlen, Tagesordnungspunkt IX des Ärztetages, waren per Mehrheitsbeschluss auf den Donnerstagvormittag vorgezogen worden. So kamen sie vor und nicht nach der Entscheidung über die Wiedereinführung des Allgemein-Internisten an die Reihe, was nicht allen hausärztlichen Delegierten gefiel. Ein Vorstoß, den einzigen Kandidaten vor dem Wahlgang zu einer Festlegung in dieser Streitfrage zu bewegen, wurde mit Buhrufen quittiert und mit großer Mehrheit abgelehnt. Den in der Ärzteschaft, in Politik und Öffentlichkeit hoch angesehenen Präsidenten aufzufordern, sich dem Deutschen Ärztetag vorzustellen, kam den Delegierten dann doch absurd vor.
Standing Ovations: Delegierte und Vorstandsmitglieder applaudieren dem wiedergewählten Präsidenten.
Standing Ovations: Delegierte und Vorstandsmitglieder applaudieren dem wiedergewählten Präsidenten.
Gewählt wurde gemäß der Satzung der Bundes­ärzte­kammer geheim. Als Vilmar das Wahlergebnis verkündete – Hoppe erhielt 202 von 241 abgegebenen Stimmen, damit eine Zustimmung von 84 Prozent – erhoben sich die Delegierten. Ihr Beifall begleitete Hoppe, während er nach vorn zum Rednerpult ging. Er habe mit weniger Stimmen gerechnet, bekannte Hoppe in der für ihn typischen entwaffnenden Ehrlichkeit. „Ich verspreche Ihnen, mit noch mehr Dampf, sofern mir die Gesundheit das erlaubt, für die Belange der Ärzteschaft einzutreten. Ich hoffe, wir halten alle zuammen. Denn vor allem brauchen wir innere Geschlossenheit.“
Es sei gut, so einen Präsidenten zu haben, hatte Dr. med. Theodor Windhorst, als Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Gastgeber des Ärztetages, bei der Eröffnung gesagt. Hoppe hatte vor acht Jahren die Nachfolge Vilmars als Präsident der Bundes­ärzte­kammer angetreten. Zuvor war er für zwei Wahlperioden Vizepräsident gewesen. Seit 14 Jahren führt der Pathologe und Allgemeinmediziner, Jahrgang 1940, die Ärztekammer Nordrhein. Seit Langem gilt er als die Integrationsfigur der deutschen Ärzteschaft schlechthin. Für die kommenden vier Jahre an der Spitze der Bundes­ärzte­kammer hat er schon klare Ziele vorgegeben: Der 111. Deutsche Ärztetag in Ulm soll ein gesundheitspolitisches Programm beschließen, in dem die Vorstellungen der Ärzteschaft für die Weiterentwicklung aller Versorgungsbereiche einschließlich der Finanzierung dargelegt werden sollen. Der Ärztetag in Münster hat dazu der Bundes­ärzte­kammer den Auftrag erteilt und in Thesen die Zielrichtung abgesteckt, die Arbeiten an dem Programm haben begonnen.
Gegen die Fremdbestimmung
des Arztes
Hoppes besonderes Anliegen ist es, die zunehmende Fremdbestimmung der ärztlichen Tätigkeit zu stoppen. In Münster hat er eindringlich vor dem Weg „in eine industrialisierte Gesundheitsversorgung“ gewarnt, die für Individualität in der Behandlung keinen Raum mehr lasse. Neue Wege möchte Hoppe beschreiten, um Patienten regelmäßig über die Probleme im Gesundheitswesen zu informieren: Zusammen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den ärztlichen Berufsverbänden möchte er ein Patientenfernsehen in Arztpraxen und Krankenhausambulanzen realisieren.
Außerdem will Hoppe, wie er im Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt (Heft 19/2007) bereits angekündigt hat, sich intensiv den Problemen des ärztlichen Nachwuchses widmen – von der Auswahl der Studienbewerber über die Ausbildungsinhalte bis zu einer besseren Betreuung der Ärzte in Weiterbildung.
Stimmauszählung: Einige Wahlgänge konnten erst im dritten Durchlauf entschieden werden.
Stimmauszählung: Einige Wahlgänge konnten erst im dritten Durchlauf entschieden werden.
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Anders als beim Spitzenamt der Bundes­ärzte­kammer galt die Wahl der beiden gleichberechtigten Vizepräsidenten als offen. Was die Delegierten und Beobachter als spannenden mehrstündigen Wahlmarathon erlebten, ließ die Kandidaten emotionale Höhen und Tiefen durchleben. Für die Position des 1. Vizepräsidenten kandidierten wie angekündigt der bisherige Amtsinhaber, Dr. med. Andreas Crusius, Internist und Pathologe aus Rostock, seit 1990 Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, und Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, der Vorsitzende des Marburger Bundes (MB) und Präsident der Ärztekammer Hamburg. Montgomery erinnerte an die erfolgreiche Tarifauseinandersetzung des vergangenen Jahres. Crusius kündigte an, sich besonders für die Kollegen in Weiterbildung einsetzen zu wollen und für die immer noch nicht verwirklichte Gleichstellung der ostdeutschen Ärztinnen und Ärzte. Wie Crusius und Montgomery gehören auch die beiden weiteren Kandidaten, Dr. med. Ursula Stüwe aus Hessen und Dr. med. Günther Jonitz aus Berlin, dem neuen BÄK-Vorstand an, weil sie Präsidenten ihrer Lan­des­ärz­te­kam­mer sind. Bemerkenswert zudem, dass alle vier ihre berufspolitische Heimat im MB haben.
Nach dem ersten Wahlgang lag Montgomery (110 Stimmen) deutlich vor Jonitz (67), Crusius (35) und Stüwe (29); im zweiten Wahlgang, zu dem Ursula Stüwe nicht mehr antrat, schmolz sein Vorsprung gegenüber Jonitz auf 104 zu 98 Stimmen. Da kein Kandidat die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen auf sich vereinen konnte, musste eine Stichwahl zwischen Montgomery und Jonitz die Entscheidung bringen. Beobachter und auch manche Delegierte rätselten, wer mit wem welche Absprache getroffen habe könnte. Der Hausärzteverband, so wurde kolportiert, habe wegen des Streits um die Weiterbildung seine Delegierten aufgefordert, Montgomery nicht zu wählen. Am Ende konnte Montgomery doch strahlen: Er hatte von 245 gültigen Stimmen 121 bekommen, Jonitz 114.
Die Wahl des 2. Vizepräsidenten ging schneller über die Bühne. Dr. med. Cornelia Goesmann aus Hannover setzte sich im ersten Wahlgang gegen Dr. med. Elke Köhler durch, die Vizepräsidentin der Ärztekammer Brandenburg und wie Goesmann als Fachärztin für Allgemeinmedizin niedergelassen ist. Von 241 gültigen Stimmen bekam Goesmann 162, Köhler 63. Im Präsidium der Bundes­ärzte­kammer ist damit künftig keine Ärztin/kein Arzt aus den neuen Ländern vertreten. Eine „Quotenregelung“ hielt die Mehrheit der Delegierten fast 17 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht mehr für erforderlich.
Gemeinsame Freude: Erleichterung nach der Wahl bei Cornelia Goesmann und Frank Ulrich Montgomery.
Gemeinsame Freude: Erleichterung nach der Wahl bei Cornelia Goesmann und Frank Ulrich Montgomery.
Ein zusätzlicher Hausarzt für den Vorstand
Unter dem Blickwinkel des Proporzes lässt sich die Wahl der beiden Beisitzer betrachten. Sind die Niedergelassenen im BÄK-Vorstand ausreichend vertreten, wenn die Mehrzahl der Kammerpräsidenten Klinikärzte sind? Sind vier Frauen im Vorstand nicht zu wenig, wo doch 40 Prozent der berufstätigen Ärzte weiblichen Geschlechts sind? Für die Position des ersten Beisitzers kandidierten mit Dr. med. Christian Albring (Niedersachsen), Dr. med. Max Kaplan (Bayern) und Rudolf Henke (Nordrhein) ein niedergelassener Gynäkologe, ein niedergelassener Hausarzt und ein Krankenhausarzt. Henke, zugleich 2. Vorsitzender des Marburger Bundes und im BÄK-Vorstand bisher für die Krankenhausgremien zuständig, gewann im dritten Wahlgang. Bei der Wahl des zweiten Beisitzers waren dann die Niedergelassenen unter sich: Hubert Bakker, Hausarzt aus Bremen, Dr. med. Astrid Bühren aus Murnau, die dem bisherigen BÄK-Vorstand angehörte, und Dr. med. Max Kaplan. Nachdem Bühren im ersten Wahlgang knapp vorn gelegen hatte, entschied Kaplan den zweiten Wahlgang mit hauchdünner Mehrheit für sich: Er erhielt 120, Bühren 116 Stimmen. Die niedergelassene Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie scheidet damit aus dem Vorstand aus. Ihr Einsatz für die ärztlichen Psychotherapeuten, Psychiater und psychosomatisch tätigen Ärzte wurde besonders hervorgehoben. Bühren, seit 1997 Vorsitzende des Deutschen Ärztinnenbundes, ist in der BÄK bisher Vorsitzende des Ausschusses und der Ständigen Kommission „Ärztinnen“, zudem des Ausschusses „Sucht und Drogen“.
Den Glückwünschen Vilmars für den neuen Vorstand folgte ein in der Satzung vorgeschriebener Akt: Dr. med. Horst Massing, der älteste Abgeordnete des Ärztetages, verpflichtete die Vorstandsmitglieder auf „eine getreue Amtsführung zum Wohle der deutschen Ärzteschaft“.
Heinz Stüwe, Josef Maus



Auf Wunsch des Deutschen Ärztetages stellten sich die Kandidaten für die Wahl der beiden Vizepräsidenten und der beiden weiteren Ärztinnen und Ärzte im Vorstand der Bundes­ärzte­kammer den Delegierten kurz vor. Hier Auszüge aus den Vorstellungen der gewählten Kandidaten:
Vizepräsidenten
Dr. med. Frank Ulrich Montgomery (54), Radiologe, Präsident der Ärztekammer Hamburg und Vorsitzender des Marburger Bundes. Im dritten Wahlgang, bei dem die einfache Mehrheit der Stimmen entschied, vereinte Montgomery 121 Stimmen auf sich – sieben mehr als sein Mitbewerber, Dr. med. Günther Jonitz. „Monti“, wie der populäre Standesvertreter von seinen Freunden und Wegbegleitern genannt wird, verwies nur kurz auf sein Engagement beim MB. Was die Ärztegewerkschaft im vergangenen Jahr erreicht hat, ist allgemein bekannt und brachte Montgomery viel Anerkennung. Mit Blick auf die verfehlte Gesundheitsreform der Großen Koalition sagte Montgomery an die eigenen Reihen gerichtet: „Wir brauchen ein Programm, ein Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit und eine abgestimmte Strategie, wie der Kampf zu führen ist!“ Großen Beifall erhielt Montgomery für seinen Aufruf an die Ärzteschaft, im Bemühen um ein besseres Gesundheitswesen nicht nachzulassen: „Wir müssen die gleiche ärztliche Solidarität aufbringen wie im Jahr 2006 – dem Jahr der ärztlichen Protestbewegungen.“
Fotos: BÄK
Fotos: BÄK
Dr. med. Cornelia Goesmann (54), niedergelassene Allgemeinärztin, Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen und Lehrbeauftragte für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Vor zwei Jahren war sie in den BÄK-Vorstand als Vizepräsidentin nachgewählt worden. Sie bezeichnete diese beiden Jahre als „Probezeit“, in der sie viel gelernt habe. Goesmann erhielt im ersten Wahlgang 162 Stimmen und setzte sich damit klar gegen ihre Mitbewerberin Elke Köhler (63 Stimmen) durch. Als Schwerpunkt ihrer Arbeit im Kammervorstand nannte die Allgemeinärztin die Politikberatung und -beeinflussung durch klare Positionen sowie das Themenfeld Ethik und humanitäre Fragen. Cornelia Goesmann will dazu beitragen, dass das Selbstverständnis der Ärztinnen und Ärzte über die Beantwortung der Frage definiert wird: Was ist die ärztliche Profession?
Weitere Ärzte im Vorstand
Rudolf Henke (52), Internist und Oberarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie am St.-Antonius-Hospital Eschweiler. Henke gehört dem BÄK-Vorstand seit 1995 an und leitete die Ausschüsse „Krankenhaus“ und „Gesund­heits­förder­ung, Prävention und Rehabilitation“. Seine berufspolitischen Wurzeln hat der Facharzt für Innere Medizin im Marburger Bund, dem er als Student im Jahr 1976 beigetreten ist. Er führt den MB-Landesverband Nordrhein-Westfalen/ Rheinland-Pfalz und ist 2. Vorsitzender des Bundesverbandes. Rudolf Henke gehört seit 1995 als Mitglied der CDU-Fraktion dem nordrhein-westfälischen Landtag an. „Alles, was ich berufspolitisch kann“, sagte Henke bei seiner Vorstellung, „habe ich hier gelernt.“ Auch in den kommenden vier Jahren wolle er diese Erfahrungen zum Wohl der deutschen Ärzteschaft einsetzen.
Dr. med. Max Kaplan (54), Allgemeinarzt im bayerischen Pfaffenhausen, seit 2003 Vizepräsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer. Kaplan erzielte im zweiten Wahlgang 120 Stimmen. Er will für eine stärkere Politisierung der ärztlichen Selbstverwaltung im Dialog mit den Gesundheitspolitikern eintreten. In diesem Zusammenhang rief Kaplan die Ärzte dazu auf, einen Schulterschluss zu üben, und „mit einer Stimme“ zu sprechen. Als weiteren Schwerpunkt seiner Tätigkeit im Kammervorstand bezeichnete Kaplan sein Engagement für ein einheitliches, modernes Berufsbild des Hausarztes auf hohem fachlichen Niveau.

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