ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2007Das Gespräch mit Dres. med. Nachiappan Arumugam und Otmar Kloiber vom Weltärztebund: „Es gibt nicht eine Lösung für alle Länder“

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Das Gespräch mit Dres. med. Nachiappan Arumugam und Otmar Kloiber vom Weltärztebund: „Es gibt nicht eine Lösung für alle Länder“

Dtsch Arztebl 2007; 104(21): A-1471 / B-1306 / C-1246

Merten, Martina

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Kein Organhandel, lautet die Übereinkunft der 85 Mitgliedstaaten des Weltärztebundes. Dieser beschäftigt sich seit seinen Anfängen mit ethischen Aspekten in der Gesundheitspolitik.
Kein Organhandel, lautet die Übereinkunft der 85 Mitgliedstaaten des Weltärztebundes. Dieser beschäftigt sich seit seinen Anfängen mit ethischen Aspekten in der Gesundheitspolitik.
Der Präsident des Weltärztebundes und dessen Generalsekretär am Rande des Deutschen Ärztetages über die ethischen Herausforderungen für die Gesundheitspolitik der Mitgliedstaaten

Einhundertachtundneunzig Staaten, auf sieben Kontinente verteilt, zählt die Erde. Die Weltbevölkerung beträgt 6,6 Milliarden Menschen. Trotz kultureller und ethnischer Unterschiede stehen viele dieser Länder vor denselben ethischen Herausforderungen – Herausforderungen, wie sie auch die 250 Delegierten des 110. Deutschen Ärzetages in Münster diskutierten. Neben den Delegierten saßen, wie in jedem Jahr, ausländische Gäste, darunter Dr. med. Nachiappan Arumugam. Arumugam ist Malaie und seit letztem Jahr Präsident des Weltärztebundes (World Medical Association, WMA). Damit repräsentiert der Kardiologe acht Millionen Ärzte weltweit. Der WMA beschäftigt sich seit seiner Gründung im Jahr 1947 mit ethischen Fragen der 85 Mitgliedsländer. „Eine einheitliche Meinung zu Organtransplantationen gibt es nicht, nur unterschiedliche Lösungen für unterschiedlich Länder“, betont der WMA-Präsident im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. Dr. med. Otmar Kloiber, Generalsekretär des WMA und langjähriger Referent der Bundes­ärzte­kammer für internationale Angelegenheiten, ergänzt: „Eine kommerzielle Nutzung von Organen lehnen wir aber grundsätzlich ab.“
In China, einem der Gründungsstaaten des Zusammenschlusses, muss der WMA Arumugam zufolge in kleinen Schritten vorgehen: Es war schon lange bekannt, dass hier mit Organen von Gefängnisinsassen gehandelt wird. Im Austausch für die Freiheit der Insassen ließ die chinesische Regierung den Handel zu. Nach Gesprächen mit dem chinesischen Vizegesundheitsminister und der chinesischen Ärztekammer hofft der Weltärztebund nun, diese Praxis in Zukunft nicht mehr vorzufinden. „Wir müssen wissen, ob die Patienten ihre Organe wirklich freiwillig hergeben“, sagt Kloiber. Nun heißt es abwarten. Sollte in China dennoch weiterhin nach dem Motto „Organ gegen Freiheit“ gehandelt werden, ist die „Waffe“ der World Medical Association eine sanfte: ihre Stimme.
Auch beim Thema Medizintourismus stehen ethische Fragen im Vordergrund. Einerseits erhoffen sich Länder, in denen Ärzte medizinische Leistungen für Ausländer zu weitaus günstigeren Preisen anbieten, zusätzliche Devisen und Anreize für die abwandernde heimische Ärzteschaft. Andererseits stehen sie vor dem moralischen Dilemma, großen Teilen der eigenen Bevölkerung nicht einmal eine ärztliche Grundversorgung garantieren zu können. Der Weltärztebund vermeidet eine eindeutige Poisitionierung. Für Länder auf dem Weg von Agrar- hin zu Dienstleistungsgesellschaften berge der Medizintourismus ein großes Potenzial, beispielsweise durch den Bau neuer, moderner Krankenhäuser, glaubt Kloiber. Und Arumugam ergänzt: „Man kann nicht in jedem Punkt Ja oder Nein sagen. So einfach ist das nicht.“
Martina Merten
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