ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2007Identifikation von Intelligenz-Genen?

MEDIZIN: Referiert

Identifikation von Intelligenz-Genen?

Dtsch Arztebl 2007; 104(21): A-1488 / B-1319 / C-1259

shm

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LNSLNS Ashkenazi-Juden haben einen im Vergleich zu Nordwest-Europäern signifikant höheren Intelligenzquotienten (IQ). Dies könnte auf genetische Faktoren hinweisen, die bei Ashkenazi-Juden häufiger vorkommen.
Die Autoren vermuten, dass Mutationen für rezessiv erbliche Krankheiten (2 Mutationen bei Betroffenen), die bei Ashkenazi-Juden häufig vorkommen, bei einfachem Vorliegen IQ-disponierend wirken. Dies soll die „Ashkenazi-spezifischen“ Mutationen aus der Familie der lysosomalen Speicherkrankheiten betreffen (Gaucher, Nieman-Pick, Tay-Sachs, Mukolipidose Typ IV). Die kumulative Heterozygotenfrequenz dieser Mutationen beträgt bei Ashkenazi-Juden etwa 15 % und wird durch einen populationsspezifischen Selektionsdruck im Mittelalter erklärt: Für Ashkenazi-Juden standen nur Berufzweige offen, die mit hohem IQ auszuüben waren, und Nachkommen beruflich Erfolgreicher hatten höhere Überlebensraten. Die starke IQ-Selektion wurde zusätzlich durch die fehlende genetische Durchmischung mit anderen Bevölkerungsgruppen verstärkt.
Die Sphingolipide, die bei den homozygot Erkrankten (2 Mutationen) nicht abgebaut und lysosomal gespeichert werden, sind zudem wichtige Komponenten für die Ausdifferenzierung neuronaler Axone und Dendriten. Die Autoren zeigten aber auch, dass die zufällige Kumulation verschiedener Mutationen in einer Gen-Familie, die allesamt die lysosomale Speicherung betreffen, unwahrscheinlich ist. Es handelt sich um eine interessante, aber nicht gesicherte Hypothese. Die Überprüfung durch vergleichende IQ-Messungen von Anlageträgern und Nicht-Anlageträgern steht beispielsweise noch aus. shm

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