ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2007Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

KULTUR

Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

Dtsch Arztebl 2007; 104(21): A-1503

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LNSLNS Starke Frauen und kraftvolle Familiengeschichten – das Deutsche Ärzteblatt stellt alle vier Wochen eine Auswahl sehenswerter Neustarts vor.

Drama
Ab 31. Mai:
Foto: Prokino
Foto: Prokino
The Golden Door
Die sizilianische Bauernfamilie Mancuso, die seit Generationen karge Felder beackert, verlässt Ende des 19. Jahrhunderts die Heimatstadt Agrigento, um in Amerika ihr Glück zu suchen. Vater Salvatore, seine beiden Söhne und die betagte Mutter machen sich auf die beschwerliche Reise von der Alten in die Neue Welt. Emanuele Crialese erzählt in eindringlichen Bildern vom Abschied aus dem Dorf, der mühsamen vierwöchigen Schiffsfahrt und von der desillusionierenden Ankunft in New York. Aber da ist auch die geheimnisvolle Engländerin Lucy (Charlotte Gainsbourg), mit der Salvatore (Vincenzo Amato) einen neuen Anfang wagen will.
Italien/Frankreich 2006, 118 Minuten

Ab 7. Juni:
The Namesake
Ein weiterer, aber völlig anderer Film über eine Emigrantenfamilie in Amerika. Die indische Regisseurin Mira Nair („Salaam Bombay“) inszenierte diesen Lieblingsstoff, der von der Kluft zwischen Kulturen und Generationen und einem Lernprozess erzählt. Der junge Inder Ashoke nimmt ein Zugunglück zum Anlass, die Heimat zu verlassen und sein Glück in Boston zu versuchen. Zwei Jahre später holt der Ingenieur seine per arrangierter Ehe angetraute Braut Ashima nach, um eine Familie zu gründen. Die neue Heimat bleibt ihr fremd, erst mit der Geburt der Kinder versöhnt sie sich mit Amerika. Als Sohn Gogol Jahre später in Yale studiert und den Familiennamen ablegen will, findet er durch eine Tragödie zu den Wurzeln seiner Eltern zurück.
USA 2006, 122 Minuten

Ab 14. Juni:
Ferien
Zusammen mit Christian Petzold gehört der Regisseur Thomas Arslan zu den Begründern der sogenannten Berliner Schule. So ist auch sein jüngstes Produkt „Ferien“, das in einem abgelegenen Landhaus in der Uckermark spielt, ein im besten Sinne minimalistischer Film. Zwar prallen ganze zehn Familienmitglieder aus immerhin vier Generationen aufeinander, der große Knall bleibt jedoch konsequent aus. Vielmehr legt Arslan das alltägliche Beziehungsgeflecht der bürgerlichen Mittelschichtsippe erst nach und nach und ohne spektakuläre Wendungen offen. Das verlangt natürlich einiges vom Zuschauer:
Ob man in den Film einsteigt oder außen vor bleibt, ob man sich langweilt oder gut unterhalten fühlt, hängt auch von der eigenen Fantasie und Lebenserfahrung ab.
Deutschland 2007, 91 Minuten

Komödie
Ab 14. Juni:
Irina Palm
Sam Garbarskis („Der Tango der Rashevskis“) Drama um eine Londoner Vorortwitwe, die sich in einem Sexetablissement in Soho bewirbt, um Geld für die medizinische Behandlung ihres kranken Enkels aufzutreiben, war bereits auf der Berlinale ein Erfolg. Das hat viel zu tun mit der authentischen Hauptdarstellerin:
Pop-Ikone Marianne Faithfull brilliert in dieser melancholischen Komödie zwischen Tragik und Komik. Sie handelt mutig und ohne zu zögern, wo andere in Mitleid versinken würden, agiert so würdevoll und hintergründig, dass man sie auf ihrer merkwürdigen Reise ins Rotlichtmilieu gern begleitet.
Belgien/Deutschland/Luxemburg 2006, 103 Minuten

Dokumentation
Ab 31. Mai:
Söhne
Die Brüder Klaus, Wolf, Friedrich und Rainer Paetzold werden zwischen 1938 und 1944 in Westpreußen nahe Danzig geboren. Der Mutter, Elisabeth Paetzold, gelingt 1945 mit ihren beiden ältesten Söhnen die Flucht vor der Roten Armee in Richtung Westen. Die beiden jüngeren Kinder lässt sie in der Obhut der Großeltern auf dem Familiengut zurück. Regisseur Volker Koepp, 1944 in Stettin geboren, erzählt eine deutsch-polnische Familiengeschichte, die zu den Lebensorten der Söhne in Baden-Württemberg und Warschau und zu den Erinnerungsorten Celbau und Danzig führt.
Deutschland 2007, 111 Minuten


DVD-Tipp

„Water“, 112 Minuten, deutsch, Universum Film, ca. 17,50 Euro; „Water – a novel based on the film by Deepa Mehta“, 201 Seiten, 13,95 Euro (Amazon). Foto: Universum Film
„Water“, 112 Minuten, deutsch, Universum Film, ca. 17,50 Euro; „Water – a novel based on the film by Deepa Mehta“, 201 Seiten, 13,95 Euro (Amazon). Foto: Universum Film
Kulturkampf in Indien
„Water“ – Indiens Beitrag zum diesjährigen „Oscar“, jetzt auf DVD erschienen – ist in mehrfacher Hinsicht beeindruckend: Die Dreharbeiten am Ganges in Varanasi mussten trotz des Schutzes durch 300 Armeeeinheiten wegen der Angriffe von Fundamentalisten abgebrochen und in Sri Lanka fortgesetzt werden. Der Film greift couragiert ein Tabuthema der Gesellschaft auf – das Schicksal indischer Witwen, die nach dem Tod ihrer Männer sozial geächtet sind – und schafft es, die harte Wahrheit mit sehr schönen Bildern zu vermitteln. Und nicht zuletzt: Das Werk der in Kanada lebenden Inderin Deepa Mehta war im Bollywood-gewöhnten Indien ein Publikumserfolg – und wurde im Nachhinein auch noch in Buchform zum Bestseller.
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