GELDANLAGE

Glanz und Elend

Dtsch Arztebl 2007; 104(21): A-1507 / B-1335 / C-1275

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Das Elend beim Weltkonzern mit dörflichem Anstrich, von Siemens ist die Rede, setzt sich munter fort. Ein neuer Boss hat sich bisher, wenigstens bis zum Redaktionsschluss, noch nicht finden lassen, was mich nicht groß erstaunt. Immer wenn ein geeigneter Mann, der wirklich was taugt, im Gespräch ist, führen Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat dazu, dass der Name „verbrannt“ ist. Erstklassige Adressen würden den Teufel tun, sich in einer solchen Situation zu outen. Viele Topmanager sind in den letzten Wochen angesprochen worden und haben dann doch, als die Gerüchteküche zu stark hochkochte, schnell abgewinkt.
Zuletzt machte der Name Wolfgang Reitzle die Runde, der bei Linde einen prima Job macht und den, so glaube ich, durchaus auch die Aufgabe reizte, bei Siemens den eisernen Besen rauszuholen. Auch hier führten gezielte Indiskretionen zu ziemlicher Unruhe in der Linde-Führungsmannschaft und damit musste Reitzle flugs den Flurschaden für Linde, freilich auch für seine eigene Person, begrenzen und eine Absage gen München schicken. Um alle Gerüchte definitiv zu entkräften, mailte Reitzle seinen Linde-Spitzenleuten am 14. Mai kurz vor halb zwölf: „. . . ich stehe nicht für eine Position außerhalb von Linde zur Verfügung.“ Dumm gelaufen für Siemens.
Nun hat also der Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der das vorzeitige Aus für den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld zu verantworten hat, ohne zuvor das entstandene Machtvakuum auszugleichen, nach wie vor ein Riesenproblem, sowohl in Sachen Personalbesetzung als auch beim Thema Glaubwürdigkeit und Reputation. Nimmt Cromme jetzt selber erst mal auf dem Chefsessel Platz? Schon möglich, aber falsch. Es wäre ein Verzweiflungsakt, der weder ihm noch dem Konzern gut zu Gesicht stünde.
Glanz und Elend, Himmel und Hölle sind auch bei DaimlerChrysler die Dimensionen in der wechselvollen Geschichte des schwäbischen Automobilkonzerns. Ob nunmehr für die Aktionäre eine rosarote Zeit anbricht, ist allerdings durchaus noch fraglich. Zum einen ist der Kurs schon seit Monaten in Erwartung eines Verkaufs von Chrysler drastisch gestiegen. Anderseits mussten die Stuttgarter ordentlich Geld beipacken, um die Braut attraktiv auszustatten. Das muss alles erst einmal verkraftet werden.
Fazit: Ein Engagement in Siemens und Daimler würde ich mir im Moment ernsthaft überlegen. Wer es nervlich nicht aushält und jetzt unbedingt etwas kaufen will, mag sich mit der Münchener Rück wohl bessere Kurschancen einhandeln. Dort wird in aller Stille exzellente Arbeit ohne Heimtücke geleistet.


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