ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2007RANDNOTIZ: Todgeweihte leben länger

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RANDNOTIZ: Todgeweihte leben länger

Dtsch Arztebl 2007; 104(22): A-1541 / B-1369 / C-1309

Flintrop, Jens

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LNSLNS Seine letzten Tage sollen es in sich haben. Die Ärzte des britischen Gesundheitsdienstes NHS haben Bauchspeicheldrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert („Ihre Lebenserwartung liegt mit Sicherheit unter zwölf Monaten“). Daraufhin verschreibt sich John Brandrick aus Cornwall im Südwesten Englands einen verschwenderischen Lebensstil in Hotels, Restaurants und auf Reisen.
Der geschiedene Vater zweier Kinder kündigt den Job, verkauft das Auto, stoppt die Hypothekenzahlungen fürs Haus und räumt die Bankkonten. Mit seiner Lebensgefährtin, Sally Laskey, reist Brandrick durch Südengland, besucht Verwandte und lädt sie in teure Restaurants ein. Das Paar logiert in guten Hotels und gönnt sich Mahlzeiten, die es sich früher nicht leisten konnte.
Ein Jahr nach der Diagnose lebt Brandrick immer noch. Dabei hat er sich doch so gewissenhaft auf den Tod vorbereitet. Sich von der Familie verabschiedet, mit einem Anwalt die Beerdigung organisiert, seine Winterkleidung verschenkt, weil er nicht glaubte, noch einen Winter zu erleben. Und jetzt das. Kein Ableben in Sicht. Schlimmer noch. Die Schmerzen im Unterleib sind verschwunden. Der angebliche Tumor ist auch nicht mehr da. Mit der Bauchspeicheldrüse sei jetzt alles wieder in Ordnung, meinen die Ärzte. Die Schmerzen hätten wohl doch nur von einer Pankreatitis hergerührt . . .
Todgeweihte leben eben doch manchmal länger – in diesem Fall allerdings bettelarm. Brandrick fordert deshalb eine Entschädigung vom staatlichen Gesundheitsdienst. Weiter zu leben könne er sich sonst nicht leisten. Der NHS lehnt dies ab. Es gebe keine klaren Beweise für eine Fahrlässigkeit der Ärzte.
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