ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2007Das Porträt: Dr. med. Angela Günther, angehende Fachärztin für Neurologie – Auf der Suche nach kanadischen Verhältnissen

POLITIK: Porträt

Das Porträt: Dr. med. Angela Günther, angehende Fachärztin für Neurologie – Auf der Suche nach kanadischen Verhältnissen

Dtsch Arztebl 2007; 104(22): A-1558 / B-1381 / C-1321

Rieser, Sabine

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Angela Günther: „Wir wollen etwas zurückgeben . . .“. Foto: Holger Groß
Angela Günther:
„Wir wollen etwas zurückgeben . . .“.
Foto: Holger Groß
Erst Düsseldorf, dann Calgary und Toronto – Angela Günther hat die Forschung ins Ausland gelockt. Aber sie möchte zurück.

Dr. med. Angela Günther gehört zu denen, die nicht klagen. Kein Wunder, werden manche einwenden. Denn die 34-Jährige arbeitet in Kanada. Nach dem Medizinstudium in Göttingen ging Günther zunächst an das Universitätsklinikum Düsseldorf. Dort versuchte sie, neben der Patientenversorgung genug Zeit für die neuroimmunologische Forschung zu finden. „Aber das war schwer, weil man eigentlich mit der klinischen Arbeit ausgelastet ist“, sagt sie.
Ein Kollege, der Kontakt zu einer Arbeitsgruppe in Calgary geknüpft hatte, vermittelte sie dorthin. Günther forschte über die Grundlagen der multiplen Sklerose und sagt rückblickend: „Ich bin sehr gern gegangen, und es war wirklich bereichernd.“ Ihr imponierte die Offenheit, mit der sich die Kollegen austauschten. Und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, den man wie selbstverständlich zu Kongressen schickte und für den Gastvorträge organisiert wurden. Wie überall habe man an Projekten gearbeitet, die dem Chef am Herzen lagen, sagt Günther. „Aber man konnte sie erweitern oder zusätzlich ein eigenes Forschungsvorhaben beginnen, und das fand ich gut.“
Dass sie nach zwei Jahren von Calgary nach Toronto wechselte, hatte private Gründe. Im Ausland hatte sie ihren Mann kennengelernt, einen Deutschen. Ihm folgte die Ärztin, als er eine Professur für Maschinenbau erhielt, im Rahmen einer Dual-career-Stelle. Seitdem arbeitet Günther an einem Forschungszentrum für neurodegenerative Erkrankungen und forscht, nun eher im Rahmen klinischer Studien, über die Alzheimer-Krankheit. Am Institut sind sieben Forschergruppen etabliert, die sehr kooperativ agieren: „Die greifen wie Zahnräder ineinander.“
Und doch ist Günther im April einer Einladung der German Scholars Organization e.V. (GSO) nach Berlin gefolgt. Dort ging es im Rahmen einer zweitägigen Konferenz darum, wie man die hiesige Forschungs- und Wissenschaftslandschaft umgestalten müsste, damit Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland zurückkehren. Sowohl Günther wie ihr Mann würden mittelfristig gern wieder in Deutschland arbeiten. „Wir fühlen uns hier zu Hause“, sagt die Ärztin. Wie stark einen das Herkunftsland präge, sei ihr erst in Kanada aufgefallen. Dazu komme, dass sie gern mehr Zeit für ihre Eltern hätte. „Das soll jetzt nicht pathetisch klingen“, ergänzt sie noch, „aber wir wollen auch etwas zurückgeben. Schließlich haben wir hier studiert, ohne Gebühren zahlen zu müssen.“
Doch ihre beruflichen Vorstellungen lassen sich nur schwer verwirklichen. „Zwei Tage im Labor, drei Tage in der Klinik, das wäre mein Wunsch. Aber das scheint hier kaum möglich zu sein“, bedauert Günther. Dazu kommt, dass in Kanadas Kliniken vieles bereits umgesetzt ist, worüber hier immer noch diskutiert wird. „Zahlreiche vermeintlich ärztliche Aufgaben wurden in der Poliklinik, in der ich stundenweise gearbeitet habe, von Krankenschwestern erledigt“, erläutert Günther. Die Schwestern hätten Patienten beispielsweise über die korrekte Medikation und sinnvolles Verhalten informiert. „Die ganzen Abläufe waren sehr patientenorientiert und wurden häufig evaluiert“, berichtet sie.
Wie sie hier eine Nische passend zu ihrem Wunsch finden könnte, wisse sie noch nicht. Zumal schon Rekrutierungsgespräche ganz anders verliefen. Wer sich in Deutschland bewerbe, habe meist nur eine halbe Stunde Zeit, sich zu präsentieren, sagt Günther. „In Nordamerika und Kanada wird Bewerbern oft ein ganzer Tag eingeräumt.“
Sabine Rieser


WAS RÜCKKEHRER WOLLEN

Rund 140 deutsche Nachwuchswissenschaftler, die derzeit im Ausland arbeiten, diskutierten unlängst in Berlin, was sie zu einer Rückkehr in die Heimat verleiten könnte.
Die häufigsten Antworten: verlässliche Karrierewege, eine angemessene Bezahlung, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Veranstalter der Tagung war die German Scholars Organization (www.gsonet.org). Deren Ziel ist es, „die Rückanbindung hoch qualifizierter Forscher aus den USA und Kanada an den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland zu fördern“. Dazu stellt sie Kontakte zwischen dem Nachwuchs und interessierten Unternehmen her. Finanziert wird die GSO von Stiftungen und Unternehmen. Rie
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