MEDIEN

Anamnese und Befund

Dtsch Arztebl 2007; 104(22): A-1578 / B-1394 / C-1334

Dahmer, Jürgen

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Allgemeinmedizin: Eher für den Erfahrenen geeignet

Wenn ein Lehrbuch seit mehr als 35 Jahren – nun in der zehnten Auflage – erscheint, dann sind klare didaktische Anweisungen und große, instruktive Abbildungen sicher zwei gute Gründe für die erfolgreiche Nachfrage. Vergleicht man die erste Auflage aus dem Jahr 1970 mit der nun vorliegenden, so stellt man fest, dass sich der Umfang des Buchs verdreifacht hat, auf nun 664 Seiten. Wie kommt diese Aufrüstung zustande, sind doch die meisten Untersuchungsmethoden 100 bis 200 Jahre alt und haben sich nicht verändert? Die neue Approbationsordnung fordert eine verstärkte praxisbezogene Ausbildung, und so finden sich im Lehrtext umfassende eigenständige Kapitel für die Untersuchungen der Haut, der Augen, von Hals, Nase und Ohren, des proktourologischen Bereichs und von vielem anderen mehr. Den Kapiteln über die körperliche Untersuchung ist ein 87 Seiten umfassender, neuer Abschnitt über die Differenzialdiagnostik von Leitsymptomen (Beschwerde ABC) vorangestellt, und auch der Anamnesetechnik und Dokumentation ist über die Jahre mehr Platz eingeräumt worden – so wird der Umfang des Buchs verständlich. Keineswegs aber können hiermit die Lexika der Differenzialdiagnose der medizinisch-klinischen Symptome oder Lehrbücher der Diagnostik in den klinischen Spezialfächern ersetzt werden – zu umfangreich ist die Materie.
Weniger Gewicht scheint auf dem pädagogischen Ziel zu liegen, eine formal standardisierte, rasterartige, komplette Kopf-bis-Fuß-Untersuchung zu lehren, so wie es die Untersuchung eines Status praesens erfordert. Der Student weiß bei der Fülle der beschriebenen unmittelbaren Untersuchungsmethoden nicht, wo er anfangen und wo er aufhören soll und wie er sinnvoll die Abfolge der Untersuchungen praktiziert. Der Verlag betont überdies im Untertitel des Buchs – „Die symptomorientierte Patientenuntersuchung“ – eine Meisterdisziplin, die eher nicht für den Anfänger geeignet ist, sondern für den erfahrenen Arzt, der durch gezielte Zusatzuntersuchungen die für die Diagnose wichtigen Befunde erhebt.
Das Buch ist zum Lernen spezieller Tastgriffe und Untersuchungsverfahren und zum Nachschlagen empfehlenswert. Der Anfänger möge sich durch den Umfang nicht abschrecken lassen. Christian Thomsen

Jürgen Dahmer: Anamnese und Befund. 10. Auflage, Thieme, Stuttgart, 2006, 664 Seiten, kartoniert, 29,95 Euro
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