ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2007Deutsches Hygiene-Museum: Aspekte des menschlichen Lebens

KULTUR

Deutsches Hygiene-Museum: Aspekte des menschlichen Lebens

Dtsch Arztebl 2007; 104(22): A-1601 / B-1416 / C-1356

Schatz, Iris

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Deutsches Hygiene-Museum
Foto: Deutsches Hygiene-Museum
Die wechselvolle Geschichte des vom Dresdner Industriellen Karl Ludwig Lingner initiierten Museums von 1911 bis heute

Angefangen hatte alles mit einer Idee des Dresdner Industriellen und „Odol“-Fabrikanten Karl August Lingner. 1911 plante und initiierte er die I. Internationale Hygiene-Ausstellung „Der Mensch“ in Dresden, die mehr als fünf Millionen Besucher anlockte. Dieses große Interesse bewog den Pharmazeuten 1912, das Deutsche Hygiene-Museum als „Volksbildungsstätte für Gesundheitspflege“ zu gründen. Er baute die zu wesentlichen Teilen aus Modellen, Apparaten und Lehrmitteln bestehende Sammlung „Der Mensch“ auf. Die historisch-ethnologische Abteilung des Museums sammelte Objekte zur Geschichte der Gesundheitspflege.
Aber die Erfüllung seines Traums – ein eigenes großes Museum für seine Idee zu bauen – erlebte Lingner nicht mehr. Erst 1927 fand die Grundsteinlegung für das monumentale „Nationale Hygiene-Museum“ statt. 1930 wurde der Museumsbau bezogen. Die Attraktion ist der „Gläserne Mensch“, in dem sich das Menschenbild der Moderne in der zukunftsgläubigen Verbindung von Wissenschaft, Transparenz und Rationalität materialisierte. Die nächsten 60 Jahre ist die Museumsgeschichte recht wechselhaft. Während der Weimarer Republik trug das Museum mit seinen allgemeinverständlichen Präsentationsformen maßgeblich zu einer Demokratisierung des Gesundheitswesens bei.
Dauerausstellung, Gläserne Frau. Foto: David Brandt
Dauerausstellung, Gläserne Frau.
Foto: David Brandt
Nach 1933 wurde das volksaufklärerische Gedankengut des Museums in den Dienst der nationalsozialistischen Rassenideologie gestellt. Der Zweite Weltkrieg vernichtete im Februar 1945 beim Bombenangriff auf Dresden große Teile des Museumsgebäudes und seine wertvollen Sammlungsbestände. In der DDR-Zeit nahm das Museum eine vergleichbare Aufgabe wahr, wie in der Bundesrepublik die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 1991 erhielt das Deutsche Hygiene-Museum als „Museum vom Menschen“ eine vollkommen neue Konzeption, die mit zeitgemäßen Mitteln an den Ansatz seiner Gründerjahre anknüpft. Im selben Jahr wurde das Museum in eine nachgeordnete Behörde des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, Gesundheit und Familie überführt.
1999 wurde das Hygiene-Museum in eine Stiftung bürgerlichen Rechts umgewandelt, die viele Entwicklungsmöglichkeiten eröffnete. Die jetzige Stiftungskonstruktion, an der sich der Freistaat Sachsen, die Landeshauptstadt Dresden, die Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung AG sowie optional auch der Bund beteiligen, stellt einerseits eine zeitgemäße Lösung dar, andererseits aber handelt es sich um eine Rückkehr zu einer Organisationsform des Museums, die in dieser Weise bereits in den 1920er-Jahren bestand.
2002 bis 2004 wurde das Gebäude einer umfassenden Generalsanierung unterzogen. Die Dauerausstellung „Der Mensch“ wurde völlig neu konzipiert. Wertvolle Exponate aus der Museumssammlung werden erstmals umfassend präsentiert. Die Neueröffnung im April 2005 zeigt das Deutsche Hygiene-Museum mit einer neuen Dauerausstellung, die Aspekte des menschlichen Lebens zeigt, die immer in der Alltagserfahrung der Besucher verankert sind. Zusätzlich sind 2 500 Quadratmeter für eine Sonderausstellung mit wechselnden Themen reserviert. Weitere Informationen im Internet unter www.dhmd.de
Iris Schatz
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema