ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2007Typ-II-Diabetes: Exenatide ist erstes Inkretin-Mimetikum

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Typ-II-Diabetes: Exenatide ist erstes Inkretin-Mimetikum

Dtsch Arztebl 2007; 104(22): A-1604

Weiss, Maria

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LNSLNS Wenn orale Antidiabetika bei Typ-II-Diabetikern zur Blutzuckerkontrolle nicht mehr ausreichen, hat man in Zukunft mit dem ebenfalls subkutan zu verabreichenden Inkretin-Mimetikum Exenatide eine wirkungsvolle Alternative zur Insulintherapie. Wesentliche Vorteile gegenüber den Insulinen sind die Förderung der Gewichtsabnahme und der mögliche Verzicht auf engmaschige Blutzuckerselbstkontrollen.
Der ursprünglich im Speichel der Gila-Krustenechse entdeckte Wirkstoff Exenatide ahme die physiologische Wirkung des Inkretin-Hormons GLP-1 (Glucagon-like-peptid) nach, erläuterte Prof. Michael Nauck (Bad Lauterberg) in Berlin. Es steigert die Insulinsekretion und vermindert die Glukagonsekretion. Im Tierversuch wird langfristig auch die Betazellmasse erhöht, die im Verlauf des Typ-II-Diabetes kontinuierlich abnimmt. Weitere Effekte sind eine Verlangsamung der Magenentleerung, eine Appetitminderung und ein vermehrtes Sättigungsgefühl. Wie GLP-1 steigere Exenatide nur bei erhöhten Blutglucosespiegeln die Insulinausschüttung, sodass keine Hypoglykämien zu befürchten seien, erklärte der Diabetologe.
Eine Dosistitration ist nicht
erforderlich
Exenatide wird in einem Fertigpen zur subkutanen Injektion in den Dosierungen 5 und 10 µg angeboten. In den ersten vier Wochen werden zweimal täglich 5 µg vor dem Frühstück und Abendessen (beziehungsweise zu den beiden Hauptmahlzeiten) subkutan injiziert. Danach beträgt die Standarddosis zweimal täglich 10 µg. Der Wirkspiegel beträgt jeweils sechs bis acht Stunden, die zweimal tägliche Gabe hat sich in Studien als optimal erwiesen. Im Unterschied zur Insulintherapie erfordert die Behandlung weder Dosistitrationen noch zusätzliche Schulungsmaßnahmen oder engmaschige Blutglucoseselbstkontrollen.
In placebokontrollierten Studien konnte gezeigt werden, dass die Zugabe von Exenatide (5 bis 10 µg zweimal täglich s. c.) zu einer laufenden Therapie mit oralen Antidiabetika im Vergleich zu Placebo zu einer stärkeren Senkung des HbA1c-Wertes und postprandialen Blutzuckerspiegeln sowie zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führe, sagte Prof. Oliver Schnell, Institut für Diabetesforschung, München.
In zwei weiteren Studien wurde die Add-on-Therapie mit Exenatide mit einer insulinhaltigen Kombinationstherapie (Insulin Glargin beziehungsweise Insulin Aspart Mix) verglichen. In Bezug auf die Blutzuckerkontrolle waren beide Therapieregime vergleichbar. Ein deutlicher Unterschied zeigt sich dagegen bei der Gewichtsentwicklung.
Während die Patienten unter der Insulingabe an Gewicht zunahmen, konnte unter Exenatide im Mittel eine Gewichtsabnahme von zwei Kilogramm innerhalb von 16 Wochen beobachtet werden, die im weiteren Verlauf aufrechterhalten beziehungsweise noch verstärkt werden konnte. Die Verträglichkeit des Inkretin-Mimetikums war bis auf eine passagere, meist leichte Übelkeit sehr gut. Diese anfängliche Übelkeit stand jedoch nicht in Korrelation zur Gewichtsabnahme der einzelnen Patienten.
Exenatide ist in Europa für die Kombinationstherapie von Typ-II-Diabetikern zugelassen, bei denen die Behandlung mit Metformin und/oder Sulfonylharnstoffen allein nicht mehr ausreicht. Die Zulassung basiert auf Daten aus 35 klinischen Studien mit nahezu 4 000 Patienten mit Typ-II-Diabetes. Die Therapie erfolgt nach einem einheitlichen Dosierungsschema mit zweimal 5 µg/d s. c. in den ersten vier Wochen, dann zweimal 10 µg s. c (jeweils 15 bis 60 Minuten vor den Hauptmahlzeiten). In Deutschland steht Exenatide unter dem Handelsnamen Byetta® zur Verfügung.
Maria Weiss

Pressekonferenz „Erstes Inkretin-Mimetikum Exenatide zur Therapie des Typ-II-Diabetes – Zulassung für Byetta® in Europa, Veranstalter:
Lilly Deutschland GmbH
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