ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2007Die Guten und die Bösen

GELDANLAGE

Die Guten und die Bösen

Dtsch Arztebl 2007; 104(22): A-1606 / B-1418 / C-1358

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Was für eine verrückte Welt! Bayer steigt in großem Stil aus der Sportförderung aus, viele Sportler aus der ersten Reihe, aber leider eben aus nicht so attraktiven fernsehtauglichen Disziplinen, wissen nicht, wie es nun weitergeht. Auf der anderen Seite wollen die Telekom-Verantwortlichen jahrelang nichts von Doping-Umtrieben bei ihren Radlern gewusst haben, wiewohl das System wohl so ausgelegt war, wer nix nahm, rollte hinterher und bekam im Jahr darauf keinen Vertrag mehr. Team Telekom musste unbedingt großflächig im TV zu sehen sein. Ach, hätten die Bonner Konzernoberen doch ihre Hausaufgaben andernorts gemacht, dort wäre Wichtigeres zu leisten gewesen zu Nutz und Frommen des drittklassigen Aktienkurses
Gnadenlos kurios ist auch die Tatsache, dass sich China am Börsengang des weltweit agierenden US-Hedgefonds Blackstone milliardenschwer beteiligt, frei nach dem Motto: Bekomme ich den Kapitalismus nicht plattgemacht, dann will ich wenigstens daran verdienen.
Dafür ist bei Siemens, dem Weltkonzern mit dörflichem Anstrich, alles wieder in Butter, möglicherweise. In meiner letzten Kolumne hatte ich noch vermutet, dass sich die Suche nach einem neuen Boss noch quälend hinziehen könnte oder aber der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme selber in das schwankende Boot steigt. In grober Missachtung der Redaktionsschlusszeit präsentierte Cromme mit einem gewissen Peter Löscher den Good Boy, auf den offensichtlich alle gewartet haben. Der Aktienkurs jedenfalls legte nach der Vorstellung des Mannes kräftig zu, fast wie gedopt.
Was den 49-jährigen Österreicher auszeichnet: Er hat bislang mit Siemens überhaupt nichts zu tun gehabt, kein Stallgeruch, keine Korruptionsverstrickungen, gleichwohl ein erfahrener Manager, wenn auch aus dem Bereich der Pharmaindustrie, und ein bisserl ein Health-Care-Experte aus seiner Zeit bei General Electric – aber man wird sich ja wohl doch noch einarbeiten dürfen.
Das Dilemma: Löschers Vorteil, ein unbelasteter Mann von außen zu sein, ist auch sein gravierendster Nachteil, er hat keine Ahnung vom Innenleben der Siemensianer und schon gar nicht von den anderen Geschäftsbereichen außerhalb der Medizinsparte, wie etwa dem Kraftwerksbau und der Anlagentechnik. Ruhe in den Konzern zu bringen, geht aber nur mit radikalem Durchgreifen. Ob sich das die alte Führungsriege gefallen lässt? Zweifel über Zweifel bleiben – vor allem nach dem bisher Erlebten.


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