ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2007Ein deutscher Arzt in Costa Rica: Verbreiter der Endoskopie

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Ein deutscher Arzt in Costa Rica: Verbreiter der Endoskopie

Dtsch Arztebl 2007; 104(22): A-1615 / B-1427 / C-1367

Kubisch, Bernd

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Foto: Fotolia/Tanguy De Saint
Foto: Fotolia/Tanguy De Saint
Der Gynäkologe Dr. Andreas Rauff Cieslak hat einen schönen Blick, wenn er aus seiner Klinik schaut. In der Ferne ragt der 2 708 Meter hohe Vulkan Poas zwischen den Bergspitzen heraus. Im üppig begrünten Urwald, der sich zwischen den Hügeln und Tälern erstreckt, tummeln sich Brüllaffen, Iguanas, Tukane und Papageien. Etwa 90 Autominuten sind es vom Hospital CIMA am Stadtrand von Costa Ricas Hauptstadt San José zu Vulkan und Dschungel. Das private Krankenhaus gehört zu den Topkliniken in Zentralamerika. Der Deutsche ist froh, dass er so enge Verbindungen zu Alemania und Costa Rica hat, privat und beruflich. Dr. Rauff gehört zu denen, die den Einsatz der Endoskopie in Costa Rica mit beschleunigt haben.
Rauff, heute 43 Jahre alt, hat etliche Orte kennengelernt, bevor er sich in San José als Arzt im Hospital CIMA niederließ. In Chiles Hauptstadt Santiago erblickte er das Licht der Welt. „Der Ort war eher ein Zufall“, sagt der Arzt. Der Vater aus Berlin und die aus Breslau stammende Mutter lebten geschäftlich viel im Ausland. Den Arztberuf bekam Rauff nicht in die Wiege gelegt. Aber bereits als Kind las er sein erstes medizinisches Buch. Er erzählt: „An den Titel erinnere ich mich genau: Mit Skalpell und Augenspiegel – Wendepunkte der Medizin.“ Besonders das Kapitel über die Operation am offenen Herzen habe ihn interessiert.
Rauff wuchs zunächst in Singen am Bodensee auf. Mit elf Jahren zog er nach Costa Rica. Der Vater arbeitete dort in der Metallbranche. Der Sohn besuchte bis zur elften Klasse die Humboldtschule in San José. Das Abitur machte er in Hamburg. Er studierte dann in San José an der Universidad de Costa Rica, machte 1992 als 29-Jähriger seinen Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe.
„Die medizinische Ausbildung in Costa Rica ist sehr praxisorientiert und angelehnt an das System in den USA“, sagt der Deutsche, der zunächst im Hospital San Juan de Dios in San José, einem Lehrkrankenhaus, arbeitete. „Wir hatten 30 Geburten am Tag mit vier Hebammen je Schicht, zwei Assistenzärzten und einem Oberarzt.“ Dann nahm er die Chance wahr, Endoskopie bei Prof. Dr. Kurt Semm in Kiel zu erlernen. „Viele deutsche Kollegen waren überrascht über meinen Operationskatalog und meine praktische Erfahrung. Meine 15 Monate bei Prof. Semm waren sehr wertvoll.“ Semm, der im Juli 2003 starb, war ein international anerkannter Pionier der minimalinvasiven Chirurgie und Direktor der Frauenklinik der Uni Kiel.
Rauff erzählt, er hätte die Wahl gehabt, in Kiel zu bleiben, wollte aber nach San José zurück. Vor seiner Zeit in Schleswig-Holstein hatte er seine Frau Silvia geheiratet, mit der er heute drei Kinder hat. Sie ist eine Tica, eine Costa Ricanerin. Außerdem will er seinen Kollegen in Zentralamerika weitergeben, was er in Deutschland gelernt hat. Er ist Multiplikator für Endoskopie und arbeitet heute im Hospital CIMA San José. 1
Nur 80 Betten hat die Privatklinik CIMA. Vieles wird ambulant erledigt. Foto: CIMA
Nur 80 Betten hat die Privatklinik CIMA. Vieles wird ambulant erledigt. Foto: CIMA
Die Privatklinik CIMA in San José ist sechs Jahre alt, der Gebäudekomplex an der Autobahn zwischen Gewerbebetrieben und Supermärkten groß und modern. CIMA, ein mexikanisch-amerikanisches Unternehmen, hat bisher einige Kliniken in Mexiko und eine in Costa Rica. Der größte Teil der Ärzte hat einen kleinen Eigentumsanteil an der Klinik. Bis auf die Ärzte in der Notfallaufnahme gibt es keine angestellten Mediziner. Etwa 160 CIMA-Ärzte haben ihre eigene Praxis mit ambulanter Behandlung in dem Komplex. Hinzu kommen 438 Mitarbeiter, wie Krankenschwestern und Verwaltungsmitarbeiter. Es gibt 80 Betten.
Nur 80 Betten in einer so großen Klinik? Der deutsche Arzt hat die Frage seines Gastes aus Berlin erwartet und sagt: „Vieles wird ambulant erledigt. Wir sind nicht in Deutschland, wo der Patient an vielen Kliniken seine Zeit abliegt.“ Nach der Geburt könnten die meisten Mütter nach 24 Stunden nach Hause. „Wir haben weniger Infektionen.“ Deutschland sei international in der Medizintechnologie und Ausbildung weiter mit an der Spitze. „Davon kann Costa Rica noch viel lernen.“ Der Arzt betont: „In einigen Sachen sind wir in San José aber weiter als in Deutschland, etwa im postoperativen Management.“
Die Gehälter in Costa Rica sind besser als in vielen anderen Staaten Lateinamerikas. Das Land hat außer seinen Naturschönheiten auch eine stabile Demokratie und eine vergleichsweise ordentliche wirtschaftliche Entwicklung. Das System der Kran­ken­ver­siche­rung funktioniert gut, ist ein positives Beispiel für viele Entwicklungs- und Schwellenländer.
Der Deutsche steht von seinem Schreibtisch auf. Gleich beginnt sein freies Wochenende. Zu Hause warten seine Frau und die drei Kinder. Die gehen auf die Deutsche Schule in San José. Was gefällt dem Arzt an Costa Rica außer seiner Familie und dem Beruf? „Land, Leute, Klima, die üppige Natur, die Menschen sind freundlich. In Notfällen helfen sie und packen zu.“ Ein Beispiel: Unlängst saß eine Hochschwangere im Linienbus. Die Wehen setzten ein. Der Fahrer reagierte rasch, änderte seine Route, stoppte vor der CIMA-Klinik. „Die Geburt verlief ohne Probleme und für die Mutter ohne Rechnung. Wir haben das Baby auch mit Impfungen, Windeln und anderen Kleinigkeiten versorgt“, erzählt der Deutsche. Bernd Kubisch
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