ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2007Pathologen: „Lotsen der Therapie“

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Pathologen: „Lotsen der Therapie“

Dtsch Arztebl 2007; 104(23): A-1630 / B-1440 / C-1380

Rabbata, Samir

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Foto: Anja Jungnickel
Foto: Anja Jungnickel
Die Möglichkeiten der Pathologie gehen weit über die bloße Diagnosestellung hinaus. Umso schwerer wiegt, dass schon bald Versorgungslücken drohen könnten.

Vor Engpässen in der pathologischen Versorgung hat der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP), Prof. Dr. med. Thomas Kirchner, gewarnt. Während der Anteil der über 60-jährigen Kollegen in der Gesamtärzteschaft knapp zwölf Prozent betrage, liege er bei den Pathologen bei fast 22 Prozent. Hinzu komme, dass sich die Facharztweiterbildung in der Pathologie zunehmend auf Universitätsinstitute konzentriere. Deshalb müsse schon bald mit Versorgungsproblemen in der Fläche gerechnet werden, sagte Kirchner im Vorfeld der 91. Jahrestagung der DGP. Diese fand gemeinsam mit der 25. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Zytologie vom 30. Mai bis 2. Juni in Magdeburg statt. Die Nachwuchsförderung bildete neben medizinisch-wissenschaftlichen Themen einen Schwerpunkt des Kongresses.
„Wir wollen das Profil der Pathologie schärfen“, sagte Kirchner. Denn noch immer würde die Arbeit der Pathologen fälschlicherweise mit den Aufgaben von Rechtsmedizinern gleichgesetzt. Diverse Krimiserien, in denen vermeintliche Pathologen Mordopfer obduzierten, trügen zu diesem Irrtum bei. Dass sich die Tätigkeit der Pathologen vielmehr an lebenden Patienten orientiere, werde in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.
Nahezu jede Krebsdiagnose erstellten Pathologen, ergänzte Prof. Dr. med. Werner Schlake, Vorsitzender des Berufsverbandes der Pathologen. Dabei gingen die Möglichkeiten der modernen Pathologie weit über die bloße Diagnosestellung hinaus. Die Pathologie sei bei vielen Krankheiten maßgeblich dafür verantwortlich, welche Operationstechnik angewendet oder welche Medikamente gegeben würden, um eine größtmögliche Heilungschance zu erzielen, hob Prof. Dr. med. Manfred Stolte, Pressereferent der DGP, hervor. Deshalb könne man Pathologen auch als „Lotsen der Therapie“ bezeichnen.
Auf die Bedeutung der Krebsfrüherkennung als weiteren Schwerpunkt des Magdeburger Pathologenkongresses verwies Prof. Dr. med. Hans Friedrich Nauth, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zytologie. Dies gelte auch für den sogenannten Pap-Test, der nach wie vor einfachsten und kostengünstigsten Möglichkeit der Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses. Seitdem es einen Impfstoff gegen dessen Hauptauslöser gebe, sprächen interessierte Kreise mitunter vom „Ende“ dieser Krebserkrankung. Richtig sei aber nur, dass die Impfung von Mädchen und jungen Frauen gegen besonders riskante Varianten des humanen Papillomavirus die Zahl der Neuerkrankungen senken kann. Die Krebsfrüherkennung bleibe aber unverzichtbar, mahnte Nauth.
Samir Rabbata
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