ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2007Fernsehtipp: Ekelhaft gesund – Maden und Egel in der Medizin

MEDIEN

Fernsehtipp: Ekelhaft gesund – Maden und Egel in der Medizin

Dtsch Arztebl 2007; 104(23): A-1654 / B-1458 / C-1399

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die „ältesten Heiler der Welt“, lange Zeit in Vergessenheit geraten, sind heute wieder viel im Einsatz: saugender Blutegel auf einem frisch operierten Knie (links) und Mikroaufnahme einer Made. Fotos: rbb
Die „ältesten Heiler der Welt“, lange Zeit in Vergessenheit geraten, sind heute wieder viel im Einsatz: saugender Blutegel auf einem frisch operierten Knie (links) und Mikroaufnahme einer Made. Fotos: rbb
In einer zweiteiligen Dokumentation bei Arte geht es um die Renaissance des Blutegels und der Made in der westlichen Medizin und die recht ambivalente Beziehung der Menschen zu diesen medizinischen Helfern, die zwischen Anziehung und Ekel schwankt.
Teil 1 handelt von den medizinischen Blutegeln. Schon in der Antike war der Einsatz von Blutegeln in der Heilkunst bekannt. Experten vermuten, dass die ersten Egel in Indien um 1000 vor Christus zum ersten Mal medizinisch angewendet wurden. In Verruf geriet die Behandlung erst im 19. Jahrhundert, als viele Ärzte den Aderlass, eine Blutentnahme mit der Hilfe von Egeln, entdeckten und dabei bis zu hundert Blutegel auf einmal auf einen Patienten ansetzten. Den massiven Blutverlust überlebten viele der geschwächten Kranken nicht. Seitdem die amerikanische Gesundheitsbehörde Blutegel und Maden als erste lebende Arzneimittel anerkannt hat, raten immer mehr Ärzte zu den ungewöhnlichen Behandlungen. Inzwischen werden allein in Deutschland jährlich circa 250 000 Blutegel verbraucht.
Der zweite Teil der Dokumentation handelt vom nützlichen Einsatz der Maden in der Medizin. Eine Studie hat gezeigt, dass die rechtzeitige Anwendung von Maden die Zahl der Amputationen beim diabetischen Fußsyndrom um 30 Prozent verringern kann. Außerdem ist die Anwendung kostengünstiger als die Therapie mit Antibiotika. Bereits die Maya kannten die heilende Wirkung der Maden. In Europa wurden sie durch einen Zufall im Ersten Weltkrieg wiederentdeckt, als ein Chirurg entdeckte, dass sich die Wunden von Soldaten, die voller Maden waren, in erstaunlich gutem Zustand befanden. Maden galten lange Zeit als eine Wunderwaffe, bis sie in den 30er-Jahren von Antibiotika verdrängt wurden. Anfang der 80er-Jahre begann der kalifornische Forscher Ronald Sherman erneut mit der Madenforschung. Heute sind Therapiemaden ein keimfreies Medizinprodukt. Sterile Maden werden auf die Wunde gebracht und entfernen dort mithilfe eines Sekrets abgestorbenes Gewebe. Zusätzlich vernichten sie auch Bakterien, ohne das gesunde Gewebe anzutasten.
„Ekelhaft gesund“, Teil 1: Blutegel, 11. Juni 2007, Teil 2: 12. Juni 2007, jeweils 19.00 Uhr, Arte. EB
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema