ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2007Therapie mit adulten Stammzellen – Weiterentwicklung hämatologischer Ansätze

MEDIZIN: Editorial

Therapie mit adulten Stammzellen – Weiterentwicklung hämatologischer Ansätze

Treatment with Adult Stem Cells – Further Developments of Hematological Approaches

Dtsch Arztebl 2007; 104(23): A-1662 / B-1467 / C-1407

Steinhoff, Gustav

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LNSLNS Die Diskussion um neue Therapiemöglichkeiten mit Stammzellen in der regenerativen Medizin wird seit mehreren Jahren kontrovers geführt. Wie bei vielen Neuerungen in der Medizin überschlagen sich sowohl Erfolgsmeldungen als auch Kritik bei der Entwicklung von Stammzelltherapien.
Der in diesem Heft erscheinende Artikel von Toegel et al. zieht eine Zwischenbilanz der Ergebnisse von publizierten klinischen Studien mit adulten Knochenmarkstammzellen zum Einsatz bei neuen Therapieindikationen (1). Es wird deutlich, dass die Einführung von kardiovaskulären und immunologischen Therapien auf Basis von Stammzellen aus dem Knochenmark eine logische Weiterentwicklung von intravaskulären hämatologischen Therapien ist. Bei der Gewebeapplikation und der Verwendung von kultivierten expandierten Stammzellen gibt es jedoch nur sehr begrenzte klinische Erfahrung, im Wesentlichen bei Herzerkrankungen. Risiko und Nutzen sind teilweise noch nicht gut abschätzbar, neben Fortschritten muss immer wieder mit Rückschlägen bei der Therapieentwicklung gerechnet werden.
Komplexe klinische Prüfung
Die Einführung dieser Behandlungen erfordert neue Techniken zur Herstellung standardisierter und validierter Stammzellpräparate und unterliegt den Regularien des Arzneimittelrechts. Die Produktionstechnologien und die klinischen Prüfverfahren sind für diese neuen Zellprodukte komplex. Hochspezialisiertes Wissen ist für die Herstellung von Zellpräparaten in Reinräumen und in den Therapiezentren erforderlich. Deutschland ist in der klinischen Umsetzung von adulten Stammzelltherapien eine der führenden Nationen, und mehrere Zentren haben sich bereits auf diesem Gebiet etabliert. Der internationale Wettbewerb in diesem Erfolg versprechenden medizinischen Technologiefeld erfordert allerdings ein konzertiertes Zusammenarbeiten von Forschungsgruppen, klinischen Translationszentren, Zulassungsbehörden und Krankenkassen, um gemeinsam neue kurative regenerative Stammzelltherapien bis zur Zulassung und in die Standardtherapie zu bringen. Die aktuellen kontroversen Diskussionen zwischen Ärzten, Wissenschaftlern, Industrie, Behörden und Politik über die Einführung des Gewebegesetzes (2) und die Entwicklung der Forschung unter Auflagen des Stammzellgesetzes (3) zeigen das große gesellschaftliche und ärztliche Interesse an einer effektiven Forschung und Sicherstellung der klinischen Umsetzbarkeit.
In Deutschland sind häufig bürokratische Hürden zu überwinden. Für eine zügige Umsetzung der Grundlagenforschung in die Therapie ist eine enge Zusammenarbeit von Behörden, Wissenschaftlern und Medizinern essenziell. Die Entwicklung und Zulassung von innovativen Therapien auf einem hohen Qualitätsniveau ist das gemeinsame Ziel. Allerdings sind aufgrund vieler Entwicklungshürden Zuversicht und Glaube an die Chance für neue regenerative Therapien notwendig, um die klinische Entwicklung nach den Standards der „good clinical practice“ voranzutreiben. Die gesundheitliche und wirtschaftliche Versorgung einer überalterten Gesellschaft erfordert, dass sich Deutschland in der wissenschaftlichen Entwicklung rasch bewegt und an die Spitze der regenerativen Medizin setzt.



Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 12. 4. 2007, revidierte Fassung angenommen: 17. 4. 2007

Treatment with adult stem cells – further developments
of hematological approaches
Dtsch Arztebl 2007; 104(23): 1662.

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Gustav Steinhoff
Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie
Medizinische Fakultät
Universität Rostock
Schillingallee 35, 18057 Rostock
E-Mail: gustav.steinhoff@med.uni-rostock.de

The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt.de/english
1.
Toegel F, Lange C, Zander AR, Westenfelder C: Regenerative Medizin mit adulten Stammzellen aus dem Knochenmark. Dtsch Arztebl 2007; 104: 1663–70.
2.
Bundes­ärzte­kammer: Erweiterte und aktualisierte Stellungnahme der BÄK zum Regierungsentwurf für ein Gewebegesetz vom 24. 1. 2007 (Stand: 24.01.2007). www.bundesaerztekammer.de/downloads/ zregstell20070124.pdf
3.
4. Bericht der Zentralen Ethik-Kommission für Stammzellforschung der Bundesregierung, http:/www.rki.de/cln_048/nn_197444/ DE/Content/Gesund/Stammzellen/ZES/Taetigkeitsberichte/4-taetigkeitsbericht.html?_nnn=true
1. Toegel F, Lange C, Zander AR, Westenfelder C: Regenerative Medizin mit adulten Stammzellen aus dem Knochenmark. Dtsch Arztebl 2007; 104: 1663–70.
2. Bundes­ärzte­kammer: Erweiterte und aktualisierte Stellungnahme der BÄK zum Regierungsentwurf für ein Gewebegesetz vom 24. 1. 2007 (Stand: 24.01.2007). www.bundesaerztekammer.de/downloads/ zregstell20070124.pdf
3. 4. Bericht der Zentralen Ethik-Kommission für Stammzellforschung der Bundesregierung, http:/www.rki.de/cln_048/nn_197444/ DE/Content/Gesund/Stammzellen/ZES/Taetigkeitsberichte/4-taetigkeitsbericht.html?_nnn=true

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