ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2007Fetalzeit und spätere Gesundheit – Das Beispiel intrauterine Wachstumsrestriktion: Übergewicht vorprogrammiert

MEDIZIN: Diskussion

Fetalzeit und spätere Gesundheit – Das Beispiel intrauterine Wachstumsrestriktion: Übergewicht vorprogrammiert

Dtsch Arztebl 2007; 104(23): A-1672 / B-1477 / C-1417

Plagemann, Andreas; Dudenhausen, Joachim W.

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LNSLNS Man kann Herrn Kollegen Beinder aus Zürich nur dafür danken, ein entwicklungs- und präventivmedizinisches Zukunftsgebiet angesprochen zu haben, auf dem international längst große Aufbruchstimmung herrscht, was hierzulande leider kaum wahrgenommen wird. Schon vor 10 Jahren hat übrigens der zu Recht als Pionier bezeichnete Günter Dörner, Berlin, selbst einen leider vergeblichen Anlauf im Deutschen Ärzteblatt unternommen. Der Prophet gilt eben nichts im eigenen Land.
Obwohl Herr Beinder sehr ausgewogen argumentiert und nur von dem „Beispiel“ intrauterine Wachstumsrestriktion spricht, sei dennoch angemerkt, dass ein mindestens ebenso großes Problem die andere Seite des Geburtsgewichtsspektrums betrifft. Übergewichtige Babys, vor allem infolge von Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel der Mutter in graviditate, sind in den westlichen Industrieländern eine dramatisch zunehmende Herausforderung für die präventive Perinatalmedizin. Zumal dies häufig mit einem Gestationsdiabetes einhergeht, an dem in Deutschland mittlerweile etwa jede zehnte Schwangere leiden dürfte (1), ganz überwiegend unbemerkt und unbehandelt, weil trotz jahrelanger, vehementer Forderung bis heute kein generelles Glucoseintoleranzscreening in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehen ist. Und dies, obwohl hier im Gegensatz zur intrauterinen Wachstumsrestriktion die Befundlage konsistent ist: Epidemiologische, klinische und experimentelle Untersuchungen der letzten 3 Jahrzehnte zeigen, dass die betroffenen Kinder im Mutterleib vorprogrammiert werden, später Übergewicht, Diabetes und kardiovaskuläre Folgeerkrankungen zu entwickeln (2). Ganz abgesehen von den vielfältigen peripartalen und perinatalen Komplikationen bei unbehandeltem Schwangerschaftsdiabetes beziehungsweise fetaler Makrosomie. Übergewichtige Mutter – übergewichtiges Baby – übergewichtiger Erwachsener: Dies ist eine Herausforderung, der wir uns schon heute im Sinne perinataler Präventivmedizin zu stellen haben. Aber auch hier gilt leider eher das Gleichnis vom Rufer in der Wüste …


Prof. Dr. med. Andreas Plagemann
Prof. Dr. med. Joachim W. Dudenhausen
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Kliniken für Geburtsmedizin
Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Der Autor PD Dr. Beinder hat auf ein Schlusswort verzichtet
1.
Kleinwechter H: Pilotprojekt Gestationsdiabetes Schleswig-Holstein. Ergebnisse und Perspektive. Diabetes und Stoffwechsel 2004; 13: 231–40.
2.
Plagemann A: Fetale Programmierung und Funktionelle Teratologie. In: Ganten D, Ruckpaul K, Wauer R (eds.): Molekulare Medizin Bd.14: Molekularmedizinische Grundlagen von fetalen und neonatalen Erkrankungen. Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York 2005; 325–44.
1. Kleinwechter H: Pilotprojekt Gestationsdiabetes Schleswig-Holstein. Ergebnisse und Perspektive. Diabetes und Stoffwechsel 2004; 13: 231–40.
2. Plagemann A: Fetale Programmierung und Funktionelle Teratologie. In: Ganten D, Ruckpaul K, Wauer R (eds.): Molekulare Medizin Bd.14: Molekularmedizinische Grundlagen von fetalen und neonatalen Erkrankungen. Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York 2005; 325–44.

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