ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2007Kunstmarkt: Kräftemessen am Rhein

KULTUR

Kunstmarkt: Kräftemessen am Rhein

Dtsch Arztebl 2007; 104(23): A-1675 / B-1480 / C-1420

Jaeschke, Helmut

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Die jüngste Konkurrenz für die Art Cologne, die „dc duesseldorf contemporary“ lässt die alte Rivalität zwischen den Kunsthandelsplätzen Köln und Düsseldorf wieder aufleben.

Seit 40 Jahren hatte man sich daran gewöhnt, im schmuddeligen Novemberwetter in Erwartung glanzvoller Kunstpräsentationen auf der Art Cologne nach Köln zu fahren, und nur selten wurde man enttäuscht. Nun hieß es erstmals auf strahlendes Frühlingswetter draußen verzichten und stattdessen in die vom Tageslicht abgeschotteten Hallen 4 und 5 der Kölner Messe eintauchen, immer in der Hoffnung, durch die Strahlkraft der Kunst entschädigt zu werden. Zumindest 10 000 Besucher der letzten Herbstmesse haben sich gegen diese Terminverschiebung entschieden und sind diesmal gar nicht erst erschienen. Doch was hat sich substanziell verändert? Trotz Open- Space-Bereich (Galerien verzichten auf einen regulären Stand), New Talents, Hidden Treasures sowie reichem Rahmenprogramm sind es nach wie vor die Highlights der einzelnen Galerien, die allein den Besuch der Messe lohnen.
Eckart Hahn und Iris Poßegger von der Galerie Burkhard Eikelmann, Düsseldorf, auf der Art Cologne vor den Bildern „Manege“ und „Arche“. Foto: Gerda Jaeschke
Eckart Hahn und Iris Poßegger von der Galerie Burkhard Eikelmann, Düsseldorf, auf der Art Cologne vor den Bildern „Manege“ und „Arche“. Foto: Gerda Jaeschke
Eine offene
Innenarchitektur
So beeindrucken bei den Klassikern das Baumeister-Gemälde „Tennisspieler auf Gelb“ von 1933 (für 230 000 Euro von der Galerie Schlichtenmeier verkauft), „Der Geburtstag“ von Hofer, Galerie Thomas, oder das großformatige Frauenporträt „Black Sweater“ von Alex Katz, Galerie Ludorff, jeweils 295 000 Euro, aber beide nicht verkauft. Bereits am Vernissagetag verkauft waren dagegen die kleinformatige „Uta im Meer“, Öl auf Holz von Johannes Hüppi (8 250 Euro, Galerie Löhrl), sowie mehrere Acrylbilder von Eckart Hahn, der den Sprung von der Liste Berlin (Deutsches Ärzteblatt, Heft 1–2/2006) auf die Art Cologne geschafft hat (Galerie Eikelmann, Düsseldorf). Dieser Künstler hat mittlerweile nicht nur auf nationaler Ebene Erfolg. Eine Einzelausstellung in der renommierten New Yorker Galerie „Pablo’s Birthday“ vor wenigen Wochen war komplett ausverkauft. Dennoch sind die Preise seit Ende 2005 nur moderat um ein Drittel gestiegen.
Die jüngste Konkurrenz für die Art Cologne, die „dc duesseldorf contemporary“ lässt die alte Rivalität zwischen den Kunsthandelsplätzen Köln und Düsseldorf wieder aufleben. Die dc wendet sich mit ausschließlich zeitgenössischer Kunst (nach 1980) an ein jüngeres Publikum und besticht durch das einladende Ambiente der Halle 8, die auch Tageslicht hereinlässt und eine offene Innenarchitektur aufweist. Mit 20 000 Besuchern (bei allerdings großzügiger Freikartenvergabe) war die Resonanz ganz passabel. Mit ihrem Konzept kann sie aber kaum die Art Cologne verdrängen. Viel eher könnte sie zu einer Bedrohung für das „Art Forum Berlin“ werden, das ebenfalls auf junge Kunst setzt.
Für zwei derartige Messen in Deutschland ist jedoch kaum Platz, und da hat Berlin mit seiner Messe sicherlich die Nase vorn, denn es hat die längere Tradition und die wichtigeren Galerien wie Eigen + Art, Contemporary Fine Arts, Galerie Michael Schultz oder die Galerie Schmela. Die junge Amerikanerin Melissa Gordon (Galerie Cosar hmt, Düsseldorf) ist gleich dreimal in Düsseldorf präsent. Außer auf der dc ist sie mit ihren vertraut wirkenden und doch rätselhaften Dingdarstellungen bis zum 8. Juli zusammen mit sieben weiteren jungen Malerinnen und Malern in der Ausstellung „Compilation HI“ in der Kunsthalle sowie in der soeben eröffneten Ausstellung „Die Kunst zu sammeln“ im Museum Kunst Palast vertreten. Und, da die Künstlerin mittlerweile in Berlin lebt, hätte sie bei einem Rückzieher der „dc duesseldorf contemporary“ das Art Forum Berlin gleich vor der Haustür.
Dr. med. Helmut Jaeschke
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