ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2007MRSA-Infektionen: Diagnose liegt nach nur fünf Stunden vor

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MRSA-Infektionen: Diagnose liegt nach nur fünf Stunden vor

Hoc, Siegfried

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MRSA aufspüren: Der 3M-BacLite- Rapid-MRSA-Test liefert ein Ergebnis direkt aus der Originalprobe. Foto: 3M
MRSA aufspüren: Der 3M-BacLite- Rapid-MRSA-Test liefert ein Ergebnis direkt aus der Originalprobe. Foto: 3M
Die wachsende Zahl von nosokomialen MRSA-Infektionen (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) stellt Kliniken vor medizinische und wirtschaftliche Probleme, da die betroffenen Patienten längere Zeit intensivmedizinisch versorgt werden müssen und die antibiotischen Behandlungskosten deutlich höher sind als bei einer Infektion mit Methicillin-sensitiven S. aureus. Inzwischen sind auch Vancomycin-resistente Stämme aufgetreten, sodass die Therapie immer schwieriger wird.
Besorgniserregend sei die Ausbreitung von MRSA bei Patienten außerhalb des Krankenhauses (CA-MRSA). Diese speziellen Klone riefen in erster Linie Haut- und Weichteilinfektionen hervor, aber auch schwere Pneumonien bei sonst gesunden Menschen. Die Stämme mit hoher Antibiotikaresistenz produzierten eine Reihe von Toxinen, die für den teilweise sehr schweren Krankheitsverlauf verantwortlich seien. In Deutschland sollen rund fünf Prozent der MRSA-Infektionen Patienten außerhalb der Klinik betreffen, erläuterte Prof. Jan Kluytmans (Amsterdam) in München. In den Krankenhäusern reichten die Prävalenzraten von 21 bis 44 Prozent, jährlich seien rund 50 000 Krankenhauspatienten betroffen, circa 1 500 von ihnen stürben an den Folgen der Infektion.
Kreuzinfektionen und Kosten senken
Bisher fehlte ein Testverfahren, das MRSA-Träger schnell erkennen
lässt, noch ehe sich die Infektion im Krankenhaus ausbreiten kann. Nur eine schnelle bakteriologische Diagnose ermöglicht vorbeugende Maßnahmen, die ein Übergreifen der pathogenen Bakterien auf andere Patienten verhindern können. Nach einer Studie sei die Handhygiene der Ärzte und des Pflegepersonals die wichtigste Maßnahme, um eine Ausbreitung einzudämmen, aber in der Praxis werde das routinemäßige Händewaschen nur unzureichend befolgt, sagte Prof. Andreas Voss (Nimwegen). Idealerweise sollten alle in Krankenhäuser eingewiesenen Patienten auf MRSA untersucht werden, insbesondere Hochrisikopatienten, die vor einem invasiven Eingriff stünden.
Bei den bisher verfügbaren Testmethoden können jedoch mehrere Tage vergehen, bis ein Ergebnis vorliegt, sodass positive Träger für andere Patienten weiter eine Quelle für Kreuzinfektionen bleiben. Ein neuer MRSA-Schnelltest liefert das Ergebnis zuverlässig in fünf Stunden. Der kulturbasierte 3M™-BacLite™-Rapid-MRSA-Test hat sich als hochsensitiv (94,6 Prozent) und als sehr zuverlässig (Spezifität 96,9 Prozent) erwiesen, und er ist preisgünstig.
Wie Steve O’Hara (St. Paul, USA) berichtete, erfordere der in zahlreichen Multicenterstudien evaluierte Test für 43 klinische Proben nur 45 Minuten Bearbeitungszeit. Das Testkit enthalte alle benötigten Hilfsmittel, Nährböden und Reagenzien. Zur Messung und zum Ausdruck der Ergebnisse sei ein spezielles Gerätesystem entwickelt worden. Zuerst wird mit einem sterilen Wattestäbchen ein Abstrich aus der Nase des Patienten entnommen. Dieses wird dann kopfüber in ein Röhrchen mit antibiotikahaltiger Nährlösung (Cefoxitim, Colistin und Lithiumchlorid) gesteckt und zwei Stunden bei 37 ºC inkubiert. MRSA wird dadurch selektiv angereichert. In einem zweiten Selektionsschritt wird mithilfe von S.-aureus-spezifischen Antikörpern, die auf Magnetkügelchen fixiert sind, dieses Bakterium herausgefischt. In einem dritten Schritt wird das für Staphylokokken spezifische Enzym Lysostaphin zugegeben, wodurch dieses Bakterium lysiert wird. Die lysierten Zellen setzen das Enzym Adenylatkinase frei, das die Umwandlung des im Überschuss zugegebenen ADP zu ATP katalysiert. ATP wird mithilfe von Luziferin und dem zugesetzten Enzym Luziferase zur Bioluminiszenz angeregt und diese gemessen. Das Lichtsignal wird an zwei Messpunkten T0 und zwei Stunden später T1 gemessen. Die Vorteile des kulturbasierten MRSA-Schnelltests sind:
- Ergebnis direkt aus der Originalprobe,
- Nachweis lebender Bakterien,
- Bestätigung des Negativergebnisses in fünf Stunden,
- Bestätigung des Positivergebnisses am nächsten Tag,
- konform mit EU-Standard.
Pro Durchlauf können maximal 43 Abstriche plus Kontrollen getestet werden. Bei dem Reagent-Rental-Modell wird das Messgerät plus PC und Drucker dem Labor kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Preis pro Test richtet sich nach der Vertragslänge (ein bis drei Jahre), den Servicewünschen und der Anzahl der Tests pro Tag etwa: bis 20 Tests 22, bis 43 Tests 15, bis 96 Tests neun Euro. Das Gerätesystem kann für 29 000 Euro gekauft werden. Die Testkosten sind dann entsprechend niedriger.
Siegfried Hoc

Symposium und Pressegespräch „The Role of Rapid Diagnostics for Patient Screening – 3M Health Care launches a new weapon in the fight against MRSA“ im Rahmen des 17th European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ECCMID) 2007 in München. Veranstalter: 3M Deutschland
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