ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2007Ferdinand Spindel: Selbstbezogen

KULTUR

Ferdinand Spindel: Selbstbezogen

PP 6, Ausgabe Juni 2007, Seite 242

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„Ohne Titel“, Siebdruck in Schwarz auf Schaumstoff, 35,5 × 35,5 × 1 cm, rückseitig signiert und 1965 datiert. Foto: Eberhard Hahne
„Ohne Titel“, Siebdruck in Schwarz auf Schaumstoff, 35,5 × 35,5 × 1 cm, rückseitig signiert und 1965 datiert. Foto: Eberhard Hahne
Wie die meisten Künstler seiner Zeit hat auch Ferdinand Spindel in den 50er-Jahren ungegenständlich gearbeitet, bevor er 1963 sein Material, den Schaumstoff, entdeckte. In der Folgezeit knautschte Spindel Schaumstoff zu Bildreliefs, zu Skulpturen und sogar zu begehbaren Environments. Der Schaumstoff wurde auf Untergründen wie Spanplatten fixiert oder in sich selbst verschnürt/getackert, sodass sich Wölbungen und Vertiefungen ergaben, die sich unter den Händen des Künstlers zu bisher ungesehenen Formen gestalteten. Ein Teil der Arbeiten wurde monochrom übermalt, andere in der Originalfarbe des Schaumstoffs (gelb oder rosa) belassen. Ferdinand Spindel brachte den Schaumstoff „zum Sprechen“, indem er die Möglichkeiten dieses neuen Werkstoffs auslotete, den er als erster in die Kunst des 20. Jahrhunderts eingeführt hat.
Parallel hierzu entstanden Zeichnungen und einige Objekte als Abformungen der Schaumstoffgebilde. Einmalig im Werk des Künstlers ist die hier gezeigte Umsetzung eines gerasterten Fotos als Siebdruck auf Schaumstoff. Hier kehrt das fotografierte Objekt zu sich selbst zurück, zu dem Stoff, aus dem es hergestellt wurde. Selbst wenn also der Künstler das Medium wechselt, von Relief und Skulptur ausgehend zur Fotografie greift, bleibt er seinem einmal gefundenen Werkstoff treu. Das Tragische des Schaumstoffs in der Kunst (und für den Künstler) liegt in der seinerzeit noch gar nicht bekannten geringen Haltbarkeit dieses Materials. Im Laufe der Jahre, vor allem unter dem Einfluss von Tages-/UV-Licht, bekommt der Schaumstoff Risse, letztlich zerfällt er zu Staub. Nur die von einer Farbhaut überzogenen Objekte sind haltbar. Das hier gezeigte Foto auf Schaumstoff hat nur noch eine begrenzte Lebensdauer. Hartmut Kraft

Biografie Ferdinand Spindel
Geboren 1913 in Essen. Ausbildung als Gebrauchsgrafiker an der Folkwangschule, als Maler Autodidakt. 1963 Entdeckung des Schaumstoffs als künstlerisches Material, seit diesem Jahr auch Mitglied der Künstlersiedlung Halfmannshof in Gelsenkirchen, dort Organisation zahlreicher Ausstellungen (unter anderem „ZERO“). 1964 und 1971 Kunstpreis der Stadt Gelsenkirchen, 1972 Konrad-von-Soest-Preis. Gestorben 1980 in Neuenkirchen bei Soltau.

Literatur:
Spindel F: Ferdinand Spindel. Städtische Galerie im Museum Folkwang, Essen 1986.
Spindel F: Schaumstoffobjekte, Schaumstoffboxen, Schaumstofflabyrinth. Gegenverkehr e.V., Aachen 1971.
Spindel F: Ferdinand Spindel – Eine Retrospektive. Städtisches Museum Gelsenkirchen, Gelsenkirchen 1993.
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