ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2007Drogenbericht 2006: Alltagsdrogen nicht verharmlosen

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Drogenbericht 2006: Alltagsdrogen nicht verharmlosen

PP 6, Ausgabe Juni 2007, Seite 244

Bühring, Petra

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Sabine Bätzing stellte am 3. Mai den Drogenbericht vor. Foto: dpa
Sabine Bätzing stellte am 3. Mai den Drogenbericht vor. Foto: dpa
Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland trinken Alkohol in „riskanter Weise“. 1,6 Millionen gelten als alkoholabhängig. Weitere 1,7 Millionen praktizierten einen gesundheitsschädigenden Alkoholkonsum, heißt es im Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung, den die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing am 3. Mai in Berlin vorgestellt hat. Die SPD-Politikerin warnte vor „der Verharmlosung von Alltagsdrogen“, wie Alkohol, Tabak und Medikamente.
Ein Teil der Jugendlichen fange früher mit dem Trinken an und betreibe es „exzessiver“, sagte Bätzing. Das von Unionspolitikern angeregte Verbot sogenannter Flatrate-Partys lasse sich jedoch nur schwer durchsetzen. Sie verwies darauf, dass sich Alkoholmissbrauch bereits mit den bestehenden Gesetzen effektiv bekämpfen lasse. Die Regelung, dass Bier erst ab 16 Jahren und Spirituosen ab 18 Jahren erlaubt seien, gelte auch für Flatrate-Partys. Der drogenpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Harald Terpe, warf der Bundesregierung vor, aus den „erschreckenden Zahlen“ zum riskanten Alkoholkonsum keine Konsequenzen zu ziehen. Abgesehen von der Einführung der Null-Promille-Grenze für Fahranfänger beschränke sie sich auf Lippenbekenntnisse.
Nach dem Drogenbericht hat die Zahl der Todesfälle durch illegale Drogen den niedrigsten Stand seit 1989 erreicht. 2006 starben 1 296 Menschen, 2,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der polizeilich aufgefallenen Erstkonsumenten von „harten Drogen“ ist rückläufig. Dies sei ein Ansporn, die heroingestützte Behandlung von Schwerstabhängigen in die Regelversorgung aufzunehmen, sagte Bätzing. Die „Heroinstudie“ habe gezeigt, dass den stark verelendeten Konsumenten wirksam geholfen werden könne. Eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes ist bislang am Widerstand der Union gescheitert. Ein Gesetzentwurf der Oppositionsfraktionen zur Heroinbehandlung liegt inzwischen vor. PB
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