ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2007Riskanter Alkoholkonsum: Jugendliche vor Abstieg in die Sucht bewahren

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Riskanter Alkoholkonsum: Jugendliche vor Abstieg in die Sucht bewahren

PP 6, Ausgabe Juni 2007, Seite 246

Bühring, Petra

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Alkoholvergiftung: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die stationär behandelt wurden, stieg innerhalb von fünf Jahren um 50 Prozent. Foto: Photothek.net
Alkoholvergiftung: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die stationär behandelt wurden, stieg innerhalb von fünf Jahren um 50 Prozent. Foto: Photothek.net
Riskanter Alkoholkonsum ist nicht erst seit dem Fall des 16-jährigen Berliner Schülers, der sich zu Tode trank, ein drängendes Problem: Innerhalb von fünf Jahren stieg die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung stationär behandelt wurden, um rund 50 Prozent. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, will diesem Trend „nicht tatenlos zusehen“ und das Modellprojekt „HaLT – Hart am LimiT“ flächendeckend etablieren. „Mit dem HaLT-Projekt wurde ein wirksamer Ansatz entwickelt, um mit wenig Aufwand Jugendlichen mit riskantem Alkoholkonsum zu helfen und die Prävention auf kommunaler Ebene zu stärken“, sagte sie bei der Vorstellung der wissenschaftlichen Ergebnisse von HaLT.
Das Modellprojekt wird seit 2003 an elf Standorten in neun Bundesländern durchgeführt. Zwei Strategien werden dabei verfolgt: eine reaktive, bei der die mit einer Alkoholvergiftung eingelieferten Jugendlichen noch am Krankenbett von Beratern angesprochen werden. Angeboten werden unter anderem Tauch- und Kletterkurse, um den Jugendlichen zu zeigen, dass sie sich „die Kicks auch auf eine andere Weise verschaffen können“, so Bätzing. Die zweite Strategie ist eine aktive, bei der auf kommunaler Ebene Präventionsvereinbarungen abgeschlossen sowie Netzwerke zwischen Krankenhaus, Polizei und Jugendamt aufgebaut werden. „Die Krankenkassen müssen motiviert werden, den reaktiven Baustein zu finanzieren“, fordert die Drogenbeauftragte. Mit durchschnittlich 360 Euro pro Fall und Jahr rechnet sie dabei. „Das ist nicht viel, um Kinder vor dem Abstieg in eine Suchtkarriere zu bewahren.“
Weitere Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung: Die Hälfte der Heranwachsenden mit Alkoholintoxikationen ist jünger als 16 Jahre. Ebenfalls mehr als die Hälfte hatte bei der Einweisung einen Blutalkoholwert von mehr als zwei Promille. Riskanter Alkoholkonsum ist unabhängig vom sozialen Status, Bildungsstand oder Migrationshintergrund. Getrunken wird vorwiegend am Wochenende und nach eigenen Angaben der Jugendlichen „aus Langeweile“ oder wegen „privater Probleme“. PB
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