ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2007Depressionen: Strategien gegen die Volkskrankheit

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Depressionen: Strategien gegen die Volkskrankheit

PP 6, Ausgabe Juni 2007, Seite 266

Bühring, Petra

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LNSLNS Bei einer Tagung der Medizinischen Hochschule Hannover wurde nach Lösungen gesucht.

Etwa acht Millionen Menschen in Deutschland leiden mindestens einmal in ihrem Leben an Depressionen. Die Kosten der Krankenkassen steigen, Unternehmen beklagen zunehmend Arbeitsausfälle wegen Depressionen. Trotz der weiten Verbreitung herrschen Vorurteile und Tabus. Viele Depressionserkrankungen werden außerdem nicht erkannt und nicht adäquat behandelt. Nicht zuletzt sind Konzepte zur Prävention der Erkrankung in Deutschland nur wenig entwickelt. Medizin, Gesellschaft und Politik sind deshalb aufgefordert, Strategien zur Lösung zu entwickeln. Den Grundstein legte eine Expertentagung Mitte Mai in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Thema: „Volkskrankheit Depression: Eine Herausforderung für Medizin, Gesellschaft und Politik?“
„Die Faktoren, die das Risiko für eine Erkrankung erhöhen, sind höheres Alter, weibliches Geschlecht, chronische Krankheiten und sozioökonomische Einflüsse. Arbeitslose haben ein doppelt so hohes Depressionsrisiko wie Erwerbstätige“, betonte Professor Dr. Friedrich-Wilhelm Schwartz, Direktor der MHH-Abteilung Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung. Ein besonders hohes Risiko bestehe bei alleinerziehenden Frauen mit einem geringen Einkommen und wenig gesellschaftlichem Einfluss. Mehr als die Hälfte der Menschen mit der Diagnose Depression litten zudem unter einer oder mehreren zusätzlichen Erkrankungen wie Schmerzen, Herzerkrankungen oder Alkoholabhängigkeit. Medizin und Politik müssten auf mehreren Ebenen aktiv werden, fordert der Epidemiologe: Aufklärung der Öffentlichkeit und der Arbeitgeber, ein gesellschaftliches Umdenken in Bezug auf Werte, Normen und Reaktionen gegenüber der Krankheit, eine verbesserte Frühwahrnehmung und eine effektive Behandlung von Krankheiten, die Depressionen fördern.
„Die Ursachen, Folgen und der Verlauf sind bei jedem Menschen unterschiedlich, neben neurobiologischen und persönlichen Faktoren spielen chronische und akute Stresssituationen eine große Rolle“, erläuterte der Psychiater Prof. Dr. Detlef Dietrich, MHH. Auswirkungen habe der gesellschaftliche Wandel, die Menschen litten unter einem Mangel an Geborgenheit und dem gesellschaftlichen Druck, immer funktionieren zu müssen.
Häufigster Grund für
Frühverrentung
„Depressionen sind der häufigste Grund für die Frühverrentung und deshalb ist der Erfolg in der Bekämpfung auch ein volkswirtschaftliches Anliegen“, erklärte Dieter Hebel, Vorstandsvorsitzender der Gmünder ErsatzKasse (GEK), und Mitveranstalter der Fachtagung. Die Kosten für die Behandlung von Depressionen in Deutschland betrugen 2002 etwa 4,3 Milliarden Euro. Das entspreche etwa den Kosten für die Behandlung von Diabetikern.
Dass der Depression gegenwärtig soviel Aufmerksamkeit geschenkt werde, sei auch Folge gesellschaftlicher Prozesse und spiegle nicht unbedingt eine Verschlechterung der Volksgesundheit wider. Diese Auffassung vertrat Dr. med. Konrad Schily, MdB. Allerdings sollten Behandlungskonzepte gegen „Traurigkeit und Verstimmung“ nicht zum Regierungsanliegen gemacht werden, sagte der Neurologe.
Petra Bühring
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