THEMEN DER ZEIT

Armut ist ungesund

Rieser, Sabine

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LNSLNS Wie es Mädchen und Jungen bis 17 Jahre geht – dazu liegen mit dem jüngsten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts (RKI) aussagekräftige Daten vor.„Die am schwersten wiegende Erkenntnis ist, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien nicht nur in einzelnen Bereichen von Gesundheit und Lebensqualität schlechtere Ergebnisse aufweisen, sondern in durchweg allen“, schreibt das RKI. Auffällig ist zudem eine Verschiebung von akuten zu chronischen Krankheiten und von somatischen zu psychischen Störungen. Im Einzelnen bedeutet das:
- Jugendliche aus Familien mit niedrigem Sozialstatus rauchen häufiger als andere.
- Etwa drei Viertel der Mädchen und Jungen zwischen drei und zehn sind mindestens einmal pro Woche sportlich aktiv, mehr als ein Drittel dreimal oder häufiger. Auch im Jugendalter sind Sport und Bewegung verbreitet. Kinder, die unregelmäßig Sport treiben, stammen überproportional häufig aus Familien mit niedrigem Sozialstatus, Migrationshintergrund und aus den neuen Bundesländern.
- 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen von drei bis 17 werden als übergewichtig eingestuft, darunter rund sechs Prozent als adipös. Ein erhöhtes Risiko tragen Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus, mit Migrationshintergrund und mit übergewichtigen Müttern.
- Zu den häufigsten psychischen Problemen zählen Verhaltensprobleme, emotionale Probleme und Hyperaktivitätsprobleme. Hinweise darauf fand man in Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status dreimal so häufig wie in Familien mit hohem sozioökonomischen Status. Das RKI fordert deshalb, frühzeitig auf beginnende psychische Probleme zu achten und gerade schwer erreichbare Gruppen bei präventiven Angeboten zu berücksichtigen.
- Essstörungen zählen zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen. Auch in diesem Bereich sind Mädchen und Jungen aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status häufiger betroffen, nämlich fast doppelt so oft wie solche aus Familien mit höherem Status.
- Was Gewalterfahrungen anbelangt, so verneinten rund 82 Prozent der Mädchen und 67 Prozent der Jungen diese für die zurückliegenden zwölf Monate. Haupt- und Gesamtschüler sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund sind aber häufiger als andere Täter und haben permissivere Einstellungen zu Gewalt als andere.
Für den Survey wurden von Mai 2003 bis Mai 2006 mehr als 17 500 Mädchen und Jungen untersucht und befragt. Angaben der Eltern ergänzten die der Kinder. Die Teilnahmequote lag bei zwei Dritteln. Der Survey wurde erweitert durch Studien zur psychischen Gesundheit, Umweltbelastungen in den Haushalten, motorischer Leistungsfähigkeit und Ernährung. Erstmals wurden auch Kinder mit Migrationshintergrund entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung einbezogen. Rie

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