ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2007Pädophilie: Erfolgreiche Prävention weiter ausbauen

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Pädophilie: Erfolgreiche Prävention weiter ausbauen

Dtsch Arztebl 2007; 104(24): A-1705 / B-1509 / C-1449

Bühring, Petra

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Männern mit pädophiler Neigung kann geholfen werden. Das ist das Ergebnis des Forschungsprojekts zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch „Dunkelfeld“ am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Berliner Charité Campus Mitte. Mithilfe von Verhaltenstrainings, Gesprächstherapien und impulsdämpfenden Medikamenten könnten die Betroffenen lernen, Opferempathie zu entwickeln und ihr Verhalten zu kontrollieren, erklärte Dr. med. Dr. phil. Klaus M. Beier, Direktor des Instituts.
Das Forschungsprojekt, finanziert von der VolkswagenStiftung und Hänsel+Gretel, einer Stiftung die sich gegen Kindesmissbrauch einsetzt, wurde 2005 begonnen (siehe DÄ, Heft 24/2005). Seitdem wurden 90 pädophile Männer in das Therapieprogramm aufgenommen, von denen 20 die Behandlung abgeschlossen haben. Insgesamt haben 550 Männer und zwei Frauen um Hilfe gebeten. 45 Patienten warten noch auf den Therapiebeginn. Die weitere Finanzierung des Projekts ist allerdings zurzeit ungewiss.
Die Erfolge der Forschung hätten gezeigt, wie wichtig es sei, Angebote für Pädophile bundesweit zu etablieren, sagte Beier. Dazu gehöre die Einrichtung von sexualmedizinischen Ambulanzen an Universitätskliniken. Die Anbindung an die Psychiatrie und die Beschränkung auf die Diagnosegruppe „Pädophilie“ seien indes kontraproduktiv. Notwendig sei auch die Förderung der sexualmedizinischen Qualifikation für Therapeuten. „Sexualmedizin hat bisher noch keinen Eingang in die Weiterbildung gefunden“, bedauerte Dr. med. Günter Jonitz, Präsident der Berliner Ärztekammer. Die Akademie für Sexualmedizin in Berlin, an der die Kammer beteiligt ist, bietet ein Fortbildungs-Curriculum an. Der Vorstandsvorsitzende der Charité, Prof. Dr. med. Detlev Ganten, kritisierte, dass der Weg von der Forschung in die Versorgung in Deutschland „sehr langsam“ sei. PB
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