ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2007RANDNOTIZ: Dem Gehirn auf der Spur
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LNSLNS Während einer Operation ertönt plötzlich das Warnsignal. Der leitende Arzt, der gerade noch dabei war, den nächsten Schritt vorzunehmen, übergibt unmittelbar an seinen Kollegen. Denn das Signal ist durch seine eigenen Gehirnströme ausgelöst worden, die während der Operation aufgezeichnet und von Computer-Algorithmen interpretiert worden sind. Das Ergebnis: Der Operateur droht zu ermüden, zwecks Fehlervermeidung ist ein Wechsel der Operateure erforderlich.
Von einem Szenario wie diesem, das nach Science-Fiction klingt, sind Gedankenforscher nicht weit entfernt. Noch scheiterten genaue Vorhersagen von Gedanken und mentalen (Ermüdungs-)Zuständen zwar an Abbildungsproblemen, weiß Prof. Dr. Gabriel Curio. Der Neurologe und Psychiater an der Neurologischen Klinik der Charité forscht derzeit, gemeinsam mit Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts FIRST, an nicht invasiven, elektromagnetischen Methoden der Gehirnbeobachtung. Curio ist jedoch überzeugt davon, dass sich die Technik des Gedankenlesens mit „rasender Geschwindigkeit“ weiterentwickele. Und dann? Einerseits ließen sich dann in der Tat mentale Ermüdungszustände haargenau abbilden und Fehler vermeiden. Zugute kämen die Forschungen auch Menschen, die durch eine Verletzung des oberen Rückenmarks vom Hals abwärts gelähmt seien, deren Gehirn aber funktioniere. Andererseits seien die Grenzen zum Unheimlichen fließend. Menschen, deren Gedanken abbildbar seien, seien manipulier- und kontrollierbar, beispielsweise durch Neuropharmaka, sagt Curio. Wenigstens sind die Forscher sich einig: Es bedarf einer Debatte, wie weit man gehen solle.

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