ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2007Aktive Immuntoleranz gegen Typ-I-Diabetes

AKTUELL: Akut

Aktive Immuntoleranz gegen Typ-I-Diabetes

Dtsch Arztebl 2007; 104(24): A-1706 / B-1510 / C-1450

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ein deutsch-französisches Wissenschaftlerteam versucht, auf ganz neuen Wegen eine aktive Immuntoleranz gegen solche Antigene zu erzeugen, die Autoimmunerkrankungen auslösen: Die Autoantigene werden aneinandergereiht wie Perlen auf einer Kette und injiziert. Mäuse sind nach einer Injektion geschützt vor der Entwicklung eines Typ-I-Diabetes, der sich bei den Tieren experimentell induzieren lässt. „Unsere Hoffnung ist, dass wir ein Prinzip entdeckt haben, mit dem sich generell Immuntoleranz hervorrufen lässt“, sagte Dr. Olaf Rötzschke vom Max-Delbrück-Centrum (MDC) in Berlin dem Deutschen Ärzteblatt. Rötzschke und seine Kollegin, Dr. Kirsten Falk, gehören zu dem Autorenteam, das die Ergebnisse kürzlich veröffentlicht hat (PNAS 2007; 10: 1073).
Das Neue an der Arbeit ist: „Es konnte erstmals gezeigt werden, dass Antigene in Form einer Viererkette die Bildung regulatorischer T-Zellen auslösen, die ihrerseits aktiv die Immunantwort unterdrücken. Überträgt man solche regulatorischen T-Zellen in andere Mäuse, sind auch sie resistent gegen die Entwicklung eines Typ-I-Diabetes“, erläuterte Rötzschke. Dies sei ein „proof of principle“.
Immuneffekt auf Organ beschränkt
Die regulatorischen T-Zellen haben einen Bystander-Effekt: Werden sie aktiviert, sezernieren sie Zytokine, die die Effektorzellen in der Umgebung des Chemokins unterdrücken. „Wir haben auf der einen Seite also keine Rund-um-Immunsuppression, sondern eine Selektivität“, sagte Rötzschke. „Auf der anderen Seite aber können wir einen Schutzeffekt in einem ganzen Organ erzeugen und auch darauf beschränken, wenn wir ein Antigen verwenden, das nur in einem Organ gebildet wird, Insulin zum Beispiel.“ Zwar werden derzeit verschiedene Ansätze zur Toleranzinduktion bei Typ-I-Diabetes erprobt, darunter die nasale oder orale Gabe von Insulin bei Patienten mit hohem Risiko. Und in der Protégé-Studie (Research to protect beta cells), einer Multicenterstudie mit circa 530 Patienten in zehn Ländern, wird getestet, ob ein Antikörper gegen den T-Zellrezeptor die Pankreaszellen vor der Attacke durch die körpereigenen Immunzellen schützen kann. Bislang aber sind alle Ansätze noch in Erprobung. Die französisch-deutsche Forschergruppe will ihre Methode bis zur klinischen Erprobung weiterentwickeln. Die Prävalenz des Typ-I-Diabetes beträgt circa 0,3 Prozent in Deutschland. Der Trend ist seit Jahren steigend, ohne dass die Ursachen dafür bekannt wären.
Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema