ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2007Genossenschaften: Bittmann für faire Konkurrenz zum KV-System

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Genossenschaften: Bittmann für faire Konkurrenz zum KV-System

Dtsch Arztebl 2007; 104(24): A-1708

Rabbata, Samir

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Klaus Bittmann: Parallelorganisationen zu den KVen sind dringlicher denn je. Foto: ÄSGH
Klaus Bittmann: Parallelorganisationen zu den KVen sind dringlicher denn je. Foto: ÄSGH
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) soll bei den Verhandlungen zum neuen Einheitlichen Bewertungsmaßstab auf verbindlichen Finanzierungszusagen der Krankenkassen bestehen. Dies forderten die Delegierten der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein (ÄGSH) bei ihrer Generalversammlung am 6. Juni in Rendsburg. Angesichts der zu erwartenden Finanzierungslücke von mehr als 18 Milliarden Euro für die haus- und fachärztliche Versorgung seien „vage Hoffnungen auf eine morbiditätsorientierte Vergütung und die Verlagerung des Morbiditätsrisikos auf die Krankenkassen“ zu wenig, heißt es in dem Beschluss der Genossenschaft. Sollten keine zusätzlichen Gelder fließen, bleibe es trotz der Vergütungsumstellung bei einer „inflationären Muschelwährung“, warnte der Vorstandssprecher der ÄGSH, Dr. med. Klaus Bittmann. Die Ärzteschaft stehe in der Pflicht, mit allen Mitteln gegen eine solche Unterfinanzierung zu kämpfen. Gegebenenfalls müsse die KBV eine Ersatzvornahme durch das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium riskieren. Damit läge die Verantwortung für die Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung bei der Politik, sagte Bittmann, der auch Vorsitzender des Bundesverbandes der Ärztegenossenschaften und des NAV-Virchow-Bundes ist.
Statt das Finanzierungsproblem zu lösen, greife das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz massiv in das Gesundheitswesen ein, kritisierte der Genossenschaftschef. Gewachsene Strukturen würden destabilisiert. Dadurch würden Ärzte und Patienten verunsichert. Betroffen seien auch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Deren Sicherstellungsauftrag werde künftig noch stärker durch Integrationsverträge und den Ausbau der hausarztzentrierten Versorgung ausgehöhlt.
Dringlicher denn je sei daher die Stärkung von Parallelorganisationen zu den KVen, betonte Bittmann. Im Vertragsgeschäft mit den Krankenkassen könnten diese Organisationen Finanzmittel zurückholen, die in den letzten Jahren durch die Absenkung des kollektivvertraglichen Gesamthonorars verloren gegangen seien. Bittmann hob hervor, dass seine Genossenschaft dabei mit der KV Schleswig-Holstein zusammenarbeiten wolle: „Der Apparat der KV ist für das operative Geschäft bestens geeignet.“
Gleichzeitig schränkte er ein, dass man eine Konkurrenzsituation beider Organisationen nicht gänzlich vermeiden könne. „Vielleicht müssen wir auch manche Schlacht gegeneinander führen“, sagte Bittmann mit Blick auf vorangegangene Auseinandersetzungen zwischen Ärztegenossenschaft und KV. So hatte sich die KV Schleswig-Holstein vom Hausärzteverband das Mandat für Verhandlungen über Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung geben lassen. Auch die Genossenschaft hatte auf ein solches Mandat gehofft. SR
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