ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2007Drogensubstitutionstherapie: Kombinationspräparat beugt Missbrauch vor

PHARMA

Drogensubstitutionstherapie: Kombinationspräparat beugt Missbrauch vor

Dtsch Arztebl 2007; 104(24): A-1766

Weiß, Maria

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die ärztlich überwachte Sub-stitution ermöglicht vielen opiatabhängigen Suchtpatienten einen Ausstieg aus dem Drogenmilieu und eine soziale Reintegration. Ein großes Problem ist aber der Missbrauch der zur Substitution eingesetzten Opiate, der nicht nur die Gesundheit der Anwender gefährdet, sondern auch die Substitutionstherapie in Misskredit bringt.
Dass die Substitutionstherapie mit Methadon, Levomethadon oder Buprenorphin (Subutex®, Essex Pharma) sehr erfolgreich ist, konnte in der COBRA-Studie (COst Benefit and Risk Appraisal of Substitution Treatment) gezeigt werden, die Prof. Hans-Ulrich Wittchen (Dresden) vorstellte. Es waren hier knapp 3 000 opiatabhängige Suchtpatienten aus 223 Substitutionseinrichtungen untersucht worden.
Mehr als 65 Prozent der Patienten konnten dauerhaft in der Substitutionstherapie gehalten werden und reduzierten erfolgreich ihren Konsum illegaler Drogen. Mehr als elf Prozent wurden abstinent oder wechselten in eine drogenfreie Abstinenztherapie. Der körperliche Gesundheitszustand der vielfach chronisch kranken Patienten wurde deutlich gebessert, und die Mortalität war mit einem Prozent sehr niedrig.
Trotz dieser Erfolge habe die Substitutionstherapie auch ihre Schattenseiten, wie Dr. Jörg Gölz (Berlin) aufzeigte. Ein großes Problem stelle der Missbrauch der substitutionierten Opiate mit dem Ziel einer gesteigerten rauschähnlichen Wirkung dar. Dazu würden die Wirkstoffe intravenös oder nasal appliziert oder mit anderen Suchtmitteln kombiniert. Nach einer Befragung von opiatabhängigen Suchtpatienten in Berlin, gaben mehr als 55 Prozent der Substituierten und 60 Prozent der Nichtsubstituierten an, mindestens einmal Methadon verordnungswidrig injiziert zu haben. Acht bis zehn Prozent der Drogenabhängigen hatten auch schon Buprenorphin injiziert. Im Jahr 2004 ließ sich bei 29 Prozent der aufgefundenen Drogentoten Methadon im Körper nachweisen.
Die verordnungswidrige Injektion der Suchtmittel gehe mit erheblichen gesundheitlichen Gefahren einher, sagte Priv.-Doz. Dr. Markus Backmund (München). Es drohten Infektionen mit HIV und Hepatitisviren und weitere Komplikationen, wie infizierte Beinvenenthrombosen, Lungenembolien, Endokarditis, Sepsis und Abszesse.
Mit Suboxone® hat man jetzt einen Weg gefunden, den Missbrauch von Buprenorphin wirksam zu verhindern. In einer Sublingualtablette wird Buprenorphin im Verhältnis 4 : 1 mit dem Opiatantagonisten Naloxon kombiniert. Bei vorschriftsmäßiger oraler Anwendung zeigt Naloxon aufgrund des ausgeprägten First-Pass-Effekts keine Wirkung. Wird das Mittel dagegen injiziert, kommt aufgrund der Pharmakokinetik zuerst die Naloxon-Wirkung zum Tragen, was mit einer deutlichen Entzugsymptomatik bei den suchtkranken Patienten einhergeht. Für die missbräuchliche Verwendung und damit auch für den Schwarzmarkt sei das Mittel daher weitgehend unbrauchbar, sagte Backmund.
Maria Weiß

Launch-Pressekonferenz „Neue Therapieoptionen mit Suboxone® in der Behandlung der manifesten Opiatabhängigkeit“ in Berlin, Veranstalter: Essex Pharma
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema