ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2007Ärzte-Schach: Der kleine große Magnus

SCHLUSSPUNKT

Ärzte-Schach: Der kleine große Magnus

Dtsch Arztebl 2007; 104(24): [100]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer
Vom 23. Juni bis 1. Juli findet bereits zum 35. Mal in Dortmund das „Sparkassen Chess Meeting“ statt, eines der herausragenden Turniere der Welt. Angeführt wird das illustre Teilnehmerfeld vom russischen Weltmeister im Klassischen Schach, Wladimir Kramnik, und dem aktuellen Ersten der Weltrangliste und Schnellschachweltmeister, Viswanathan Anand (Indien), doch viele Augen dürften sich auch auf einen 16-jährigen Jüngling richten: Magnus Carlsen aus Norwegen, die große Nachwuchshoffnung des Weltschachs. „Das Wunderkind kommt herein – im Saale wird’s still“, so beginnt eine Erzählung von Thomas Mann. Und weiter: „Eigentlich sollte man sich schämen . . . Da sitzt man nun als eisgrauer Kerl und lässt sich von diesem Dreikäsehoch Wunderdinge vormachen.“
Der Mozart des Schachs
Vermutlich erleben wir das ja auch im Dortmunder Theater, wo das Turnier traditionell stattfindet. Magnus’ Ergebnisse sind besser als die von Kasparow im gleichen Alter, Anand meinte gar: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Carlsen nicht Weltmeister wird!“ Als er mit gerade 13 Jahren den Großmeistertitel errang, erhob ihn die „Washington Post“ zum „Mozart des Schachs“, der sich am Abend als Betthupferl ein Eröffnungsbuch zu Gemüte führt und die neu gelernte Eröffnungsvariante seinem Gegner am nächsten Tag serviert: „Unwohl bekomm’s!“ Mit fünf Jahren habe er bereits die Namen aller 430 Städte Norwegens einschließlich der Zahl ihrer Einwohner und ihrer Fläche (in Quadratmetern!) auswendig gekannt, und – wohl als Vorgriff auf sein heute internationales Dasein – alle Länder der Erde mitsamt Hauptstädten, Bervölkerungszahlen und Flaggen. Offenbar braucht er keine Gedächtnispillen; als Anand für ein entsprechendes Produkt warb, konnte er sich schon einmal, wenn er sich einer Variante nicht erinnerte, den Spott anhören: „Hast du heute deine Pille nicht eingenommen?“ Magnus wird hingegen inzwischen von einer Firma für Omega-3-Produkte gesponsert. Auch nicht schlecht.
Mit fünf Jahren erlernte er das Schachspiel vom Vater, aber erst einmal waren Fußballspielen und Skifahren wichtiger für ihn. Auch heute noch spielt er, wenn er zwischen den zahlreichen Turnieren auf der ganzen Welt ab und zu bei Muttern zuhause vorbeischaut, um Hemden und Zahnbürste zu wechseln und einen vermutlich gelangweilten Blick in die heimische Schule zu werfen, aktiv im Verein Fußball (übrigens war sein Trainer, der norwegische Großmeister Agdestein, sogar Fußballnationalspieler). Möglicherweise entkommt er ja so Schopenhauers Diktum: „Die Wunderkinder werden in der Regel Flachköpfe!“
Sehen Sie, wie Magnus kürzlich beim zweigeteilten Turnier im mexikanischen Morelia und spanischen Linares als Weißer am Zug dem ukrainischen Weltklassespieler Wassili Iwantschuk eine Figur abknöpfte und so leicht gewann?


Lösung:

Mit 1. Lb5! nützte Magnus die unheilvolle Fesselung des Springers c6 mit der dahinter postierten ungedeckten schwarzen Dame aus. Schwarz blieb nur 1. . . . Ld7, doch jetzt machte das Bauernopfer 2. d5! das Feld d4 für den heranstürmenden Springer e2 frei. Weiter ging’s mit 2. . . . exd5 3. Sd4 Lxf6 4. exf6 Dd6 5. Lxc6 Dxf6 6. Lxd7 Dxd4, doch mit der Figur mehr für Weiß war das Ende nahe.
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