ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2007Blended Learning im Gesundheitswesen: Chancen für die Fortbildung durch Multimedia

THEMEN DER ZEIT

Blended Learning im Gesundheitswesen: Chancen für die Fortbildung durch Multimedia

Dtsch Arztebl 2007; 104(25): A-1808 / B-1592 / C-1532

Beutner, Marc; Bristrup, Rosemarie; Kirberg, Silke; Koreny, Katja; Kusserow, Mark; Rehbold, Rolf Richard

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Foto: Mauritius Images
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Ergebnisse und Perspektiven eines Projekts der Bundes­ärzte­kammer

Im Zeitalter des Internets und der Informationsgesellschaft verändern sich die Formen des Wissenserwerbs und des Wissensmanagements rasant. Für die jüngere und mittlere Generation ist Lernen ohne PC kaum noch vorstellbar; googeln, chatten, bloggen, CD-ROMs gehören zum Alltag. Hinzu kommt, dass im Zuge des lebenslangen Lernens die traditionelle Fortbildung im Sinne eines „Lernens auf Vorrat“ in längeren Bildungsphasen zugunsten eines kurzfristigen, modularisierten, flexiblen und individualisierten Lernens immer mehr an Bedeutung verlieren wird.
Diesen Anforderungen künftiger „Kunden“ von Fortbildungsmaßnahmen müssen die Angebote für die Berufe im Gesundheitswesen verstärkt Rechnung tragen. Deshalb wird auch im Deutschen Ärzteblatt immer wieder die Frage aufgegriffen, wie sich Neue Medien in der Fortbildung von Gesundheitsberufen sinnvoll nutzen lassen.*
Hohes Maß an Praxisnähe
Praktische Erfahrungen und Ergebnisse bietet hier das Projekt LearnART der Bundes­ärzte­kammer und des Instituts für Berufs-, Wirtschafts- und Sozialpädagogik der Universität zu Köln (IBW). Ärztekammern und andere Bildungsanbieter (siehe Kasten) entwickelten multimediale Lerneinheiten und erprobten sie als Blended-Learning-Kurse in der Aus- und Weiterbildung von Medizinischen Fachangestellten.
Das Konzept von LearnART setzt dabei auf die Kombination von Lernen in Kursen mit Anwesenheit (Präsenzlernen) und Selbstlernen am PC (Telelernen). Dieses sogenannte Blended Learning verbindet die Vorteile beider Lernformen, nämlich das gemeinsame, soziale Lernen in der Gruppe und das selbst gesteuerte, individualisierte Lernen nach eigenem Rhythmus. LearnART setzt dieses Konzept anhand konkreter Situationen aus dem Alltag (Situationsorientierung) um, die im Unterricht und in den Lerneinheiten in Lernsituationen abgebildet werden. Dies gewährleistet Praxisnähe und ein hohes Maß an Transferierbarkeit des Gelernten in den Berufsalltag.
Zu den Themen Qualitätsmanagement, Praxismanagement und Kommunikation wurden je drei Lernkonstellationen entwickelt, die zusammen rund 270 Fortbildungsstunden umfassen. Nach Ende der dreijährigen Laufzeit des Projekts Ende Mai 2007 werden die erstellten Angebote zur Nutzung freigegeben.
Wie läuft Blended Learning konkret ab? Präsenzseminare, zum Beispiel in den Räumen der Ärztekammern, wechseln sich mit Telelernphasen ab. In den Telelernphasen arbeiten die Teilnehmer nach eigener Zeiteinteilung auf einer Lernplattform und tauschen sich über E-Mail, Diskussionsforen oder Chat mit den anderen Lernenden aus. Dozenten sind beim Telelernen weiterhin Ansprechpartner, regen Diskussionen an und fordern die Bearbeitung von Aufgaben ein. Diese Aufgaben sind Teil der praxisnahen Lernsituationen: Die zu lernenden Inhalte sind an konkreten Problemen aus dem beruflichen Alltag ausgerichtet und spielen in virtuellen Arztpraxen. Zusätzlich bietet das LearnART-Konzept drei unterschiedliche Kompetenzniveaus an, sodass Teilnehmer mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Kenntnissen auf verschiedenen Schwierigkeitsstufen starten können. Als Lernplattform für die beschriebenen Kommunikations- und Austauschwerkzeuge wird in LearnART das kostenfreie Open-Source-Learning-Managementsystem ILIAS verwendet (www.ilias.de).
Kammern interessiert
Wegen der besonderen Bedeutung des Einsatzes von Neuen Medien in der Bildung wurde das Projekt LearnART durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Jetzt geht es darum, wie die Kammern das Erreichte mit eigener Kraft konsolidieren und transferieren können. Das heißt, die entwickelten Angebote und die Erfahrungen der Autoren, Tutoren, Kammern und Teilnehmer/-innen sollen für zusätzliche Kurse in weiteren Kammern genutzt, aber darüber hinaus auch für neue Zielgruppen erschlossen werden.
Das Interesse an dem Konzept ist groß: Neben den fünf bereits am Modellprojekt beteiligten Ärztekammern wollen acht weitere das Blended-Learning-Konzept umsetzen. Auch Berufsschulen, Bildungsträger und andere Berufsgruppen, wie die der Physiotherapeuten, wollen die entwickelten Materialien und Erfahrungen nutzen. Für Interessierte führte das Kölner IBW während der Projektlaufzeit Transferschulungen vor Ort, abgestimmt auf die Ziele der Institution, durch.
Häufig werden bei der Diskussion zur Einführung von E-Learning technische Hürden und allgemeine Akzeptanzprobleme angeführt. Die Erfahrungen bei LearnART dagegen sind durchaus positiv. 83 Prozent aller befragten LearnART-Teilnehmer(innen) würden Blended-Learning-Kurse weiterempfehlen. Das Lernen in Situationen aus der Praxis führt ebenfalls zu zustimmenden Rückmeldungen. Hinzu kommt, dass sich Computerkenntnisse offensichtlich verbessern: Die befragten Teilnehmer schätzen ihre Kenntnisse im Umgang mit dem Computer nach Ende des Blended-Learning-Kurses deutlich besser ein als zuvor. Dies ist ein zusätzlicher Grund, im Zuge der Einführung von Telematik im Gesundheitswesen in die IT-Kompetenz der Mitarbeiter zu investieren.
Um diese guten Erfahrungen mit Blended Learning für die ärztliche und die Mitarbeiter-Fortbildung zu sichern, setzen sich die Bundes­ärzte­kammer und die beteiligten Kammern für die nachhaltige Weiterentwicklung der Projektergebnisse und ihre Übertragung auf andere Kammern ein. Von dem zukunftsweisenden Konzept überzeugt, entwickeln die Bundes­ärzte­kammer, die Ärztekammer Nordrhein und die Ärztekammer Westfalen-Lippe zwei Module zu den Themen „Raucherentwöhnung“ und „Gesund­heits­förder­ung und Prävention“.
Alle Interessierten haben ab Juni 2007 Zugang zu den Materialien und der ausführlichen Dokumentation.
Dr. Marc Beutner, Rosemarie Bristrup,
Silke Kirberg, Katja Koreny, Mark Kusserow, Rolf Richard Rehbold
Projektbeteiligte:
Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen
Ärztekammer Nordrhein
Ärztekammer Westfalen-Lippe
Bezirksärztekammer Südwürttemberg
Bildungswerk für Gesundheitsberufe
Barbara-von-Sell-Berufskolleg
Heidelberger Akademie für Gesundheitsberufe
Zentrum für Qualitätsmanagement
im Gesundheitswesen
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