ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2007Auch für Ärzte interessant

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Auch für Ärzte interessant

Dtsch Arztebl 2007; 104(25): A-1809 / B-1593 / C-1533

Rabbata, Samir

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LNSLNS Im Rahmen des Projekts „LernART“ lernen Medizinische Fachangestellte, in virtuellen Praxen komplexe Probleme zu lösen. Das Konzept könnte schon bald Einzug in die ärztliche Fortbildung halten.

„Wie lange müssen wir den Papierkram aufbewahren? Und wohin mit den ganzen Ordnern?“, fragt Dr. med. Gabriele Becker-Lindemann in der morgendlichen Mitarbeiterbesprechung. Martina Lange, ihre Medizinische Fachangestellte, verspricht, sich nach neuen technischen Möglichkeiten umzuhören, mit denen der Papierwust eingedämmt werden kann.
Gespräche wie diese gehören in Arztpraxen zum Alltag – auch wenn dieser Dialog nur in einer virtuellen Praxis stattfindet und Teil einer Lehreinheit des Fortbildungsprojekts „LearnART“ für Medizinische Fachangestellte ist. Folglich macht sich auch nicht Arzthelferin Lange an die Arbeit, sondern eine der Teilnehmerinnen des multimedialen Fortbildungskurses. Ihre Aufgabe ist es, sich im Internet über Möglichkeiten der Digitalisierung zu informieren. Verknüpft wird diese Form des Telelearnings mit Präsenzkursen, in denen sich Tutor und Teilnehmer direkt austauschen können.
Dass diese Form des praxisorientierten Lernens nicht nur Spaß machen könne, sondern auch höchst effektiv sei, steht für Dr. Marc Beutner, leitender Koordinator des LernART-Projekts, außer Frage. Ende Mai ging das dreijährige Forschungsvorhaben erfolgreich zu Ende. Bei der Abschlusssitzung des Projektbeirats in Berlin ließ Beutner keinen Zweifel daran, dass das Fortbildungsprogramm auch in Zukunft intensiv genutzt werden werde. Wurden während des Projektverlaufs zunächst Autoren und Dozenten der Lernkonstellationen sowie Teilnehmer und Nutzer angesprochen, richtete sich das Hauptaugenmerk gegen Ende auf Institutionen, die auch mithilfe von Transferschulungen vor Ort die entwickelten Lerninhalte in ihr Bildungsangebot integrieren und künftig weiter ausbauen sollen. Wichtigste Voraussetzung für einen dauerhaften Erfolg des Projekts sei aber, dass weiterhin intensiv über die Möglichkeiten dieser Form des Blended Learnings informiert werde, sagte Beutner.
Dafür würden auf Kammerebene bereits Vorbereitungen getroffen, berichtete Bundes­ärzte­kammer-Referentin Dipl.-Päd. Rosemarie Bristrup, zuständig für die Fachberufe im Gesundheitswesen, bei der Abschlusssitzung. Seit Monaten hat sie bei den Ärztekammern für das Projekt geworben. Mit Erfolg: So wollen sich zahlreiche Kammern von Herbst dieses Jahres an in einer neu zu gründenden Arbeitsgruppe „E-Learning“ mit dem Auf- und Ausbau von Blended-Learning-Programmen befassen.
Chance für die Fortbildung
Beutner hob hervor, dass auch Ärztinnen und Ärzte im Rahmen ihrer Aus- und Fortbildung von den neuen Lehrformen profitieren könnten. Dem stimmte Prof. Dr. med. Heyo Eckel, Vorsitzender des Deutschen Senats für Ärztliche Fortbildung, zu: „Die in dem Projekt gewonnenen Erkenntnisse bergen enorme Chancen für unsere Fortbildung.“ Dr. med. Justina Engelbrecht, Leiterin des Fortbildungsdezernats der Bundes­ärzte­kammer, verwies auf E-Learning-Projekte im Rahmen der ärztlichen Fortbildung, die bereits auf den Weg gebracht worden seien. In enger Abstimmung mit der Ärztekammer Nordrhein und der Ärztekammer Westfalen-Lippe würden zurzeit Blended-Learning-Elemente in zwei Fortbildungsmodulen zu Raucherentwöhnung und Prävention implementiert. „Der Funke ist also schon auf den ärztlichen Bereich übergesprungen“, sagte Engelbrecht.
Kooperationen sind sinnvoll
Dabei könnten alle Kammern von den Erfahrungen der am LearnART-Projekt beteiligten Organisationen profitieren, sagte Dipl.-Med.-Päd. Silvia Happel, Leiterin der Bad Nauheimer Carl-Oelemann-Schule der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen. Erfolgreich veranstaltete sie ein LearnART-Pilotseminar für Medizinische Fachangestellte zum Thema Praxismanagement.
Als größtes Problem für eine flächendeckende Umsetzung sieht sie die Kosten für die Autorenteams. Weil die Zusammenstellung der E-Learning-Inhalte zeitaufwendig und kostenintensiv sei, empfahl Happel Kooperationen zwischen den einzelnen Kammern: „Schließlich muss das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden.“ Auch Dr. med. Peter Lösche, Projektbeteiligter der Ärztekammer Nordrhein, riet, die Lehrinhalte zwischen den Kammer auszutauschen: „Das lohnt sich für beide Seiten.“

Samir Rabbata
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