ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2007Gesundheitstelematik: Begehrlichkeiten
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. . . Seit zwei Jahren bin ich als hausärztlich tätiger Internist in eigener Praxis niedergelassen und möchte mich als grundsätzlich sehr aufgeschlossen gegenüber neuer Informationstechnologie bezeichnen. Mir will dennoch der Nutzen einer Tele­ma­tik­infra­struk­tur mit Vernetzung der einzelnen Bereiche des Gesundheitswesens nicht recht einleuchten. Wie rechtfertigt man den notwendigen organisatorischen und finanziellen Mehraufwand einer solchen neuen Struktur, wenn der Hauptnutzen, auch gemessen an den Aussagen im Interview, sich auf das Übermitteln von Informationen beschränkt? Wo ist der Vorteil gegenüber den etablierten Verfahren Telefon und Fax? Arztbriefe und Befunde lassen sich direkt aus der EDV per Fax versenden und empfangen, die Speicherung erfolgt digital. Labordaten kommen verschlüsselt über ISDN in den Praxisrechner. Mehr brauche ich nicht. Die eGK ist eine Forderung der Politik und der Kostenträger. Um sie uns schmackhaft zu machen, wird sie in den Gesamtzusammenhang „Telematik“ eingebettet, deren Nutzen mir äußerst fraglich erscheint. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion hinsichtlich der Verwendung von digitalen Passbildern aus Reisepässen und der Auswertung von Autobahnmautdaten zu Fahndungszwecken – das Vorliegen von Datenbeständen weckt stets nachfolgende Begehrlichkeiten. Wer kann heute ausschließen, dass nicht in Zukunft die Teilnahme an bestimmten Versorgungsmodellen, z. B. Hausarztverträgen und Ähnlichem, vonseiten der Kostenträger an die Zustimmung zur Übermittlung der gespeicherten Daten gekoppelt wird? Und schon ist sie Wirklichkeit, die schöne neue Welt mit gläsernen Patienten und dem on-line auf Leitlinienkonformität überprüfbaren Arzt. Nein, Danke!
Dr. med. Thomas Unger, Wilhelmstraße 57,
52070 Aachen
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