ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2007Gesundheitstelematik: Argumente recht dürftig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Auch wenn der Titel suggerieren möchte, die geplante Tele­ma­tik­infra­struk­tur brächte den Ärzten einen Nutzen, so bleiben die Argumente hierfür doch recht dürftig und können nicht überzeugen. Die Kosten-Nutzen-Analyse von Booz, Allen und Hamilton ist bislang die gründlichste Untersuchung zu diesem Thema. Sie wurde von der Gematik selbst in Auftrag gegeben und dann nicht publiziert, weil das Ergebnis nicht den Erwartungen entsprochen hat. Allein dieses Vorgehen wirft schon ein bezeichnendes Licht auf die Art und Weise, wie dieses Projekt von den Verantwortlichen durchgeboxt wird: „Koste es was, was es wolle.“ Herr Bartmann ist voll der Überzeugung, „wir brauchen eine Tele­ma­tik­infra­struk­tur“ und ordnet diesem Gedanken alles Weitere unter: „ . . . dann entstehen die Kosten aus der Notwendigkeit heraus, bestimmte Dinge zu installieren.“ Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Erst muss der mögliche Nutzen einer Maßnahme untersucht werden, und nur bei positivem Ergebnis sollten dann die entsprechenden Anwendungen installiert werden . . . Und die finanzielle Belastung für die Ärzte ist immens. Immerhin weist die Gematik-Studie für die Ärzte als „Nettonutzen“ (Differenz zwischen Nutzen und Ausgaben) eine finanzielle Belastung von 1 380 Milliarden Euro aus. Sie verteilen sich deutschlandweit auf ca. 800 000 Arbeitsplätze in Arzt- und Zahnarztpraxen, Apotheken und Krankenhäusern, was pro Arbeitsplatz einen Betrag von 1 725 Euro ergibt. Im Durchschnitt hat eine Praxis in Deutschland 4,5 Arbeitsplätze, was dann eine Belastung von 7 762 Euro pro Praxis darstellen würde. Die von den beiden Herren aufgeführten Vorteile der geplanten Tele­ma­tik­infra­struk­tur können nicht überzeugen. Ein Arztbrief über Fax versandt dauert auch nur einige Sekunden, und ins Internet sind Ärzte bislang auch schon gekommen . . .
Dr. Dietrich Rost, Niebüller Straße 10,
90425 Nürnberg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige