ArchivDeutsches Ärzteblatt12/1997Auswirkungen der Beschneidungsschmerzen

MEDIZIN: Referiert

Auswirkungen der Beschneidungsschmerzen

Bühring, Petra

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LNSLNS Die Beschneidung männlicher Säuglinge nach der Geburt ist in vielen Ländern ein traditioneller Eingriff. Die Beschneidung erfolgt meist ohne Betäubungsmittel, da angenommen wird, die Schmerzen seien nur von kurzer Dauer und klinisch unbedeutend. Die möglichen Risiken der Betäubungsmittel, andererseits, seien erheblich größer als der nicht erlebte Schmerz. Eine Studie aus Toronto, Kanada, ging der Annahme nach, daß die Beschneidungsschmerzen nur kurzzeitige Konsequenzen hätten, indem sie kindliches Schmerzverhalten mehrere Monate nach der Geburt untersuchte. 87 gesunde männliche Kinder im Alter von vier bis sechs Monaten, die Routineimpfungen erhalten sollten, wurden in drei Gruppen unterteilt: in unbeschnittene Säuglinge; solche, deren Haut vor der Beschneidung mit einem Anästhetikum (Lidocain, Prilocain) bestrichen worden war; und solche, deren Haut vorher mit einer Plazebocreme behandelt worden war. Während der Impfung lief eine Videokamera, die die Schmerzreaktion der Jungen (Schreidauer, Mimik) auf die Injektion aufnahm.
Das Ergebnis war, daß unbeschnittene Jungen die geringsten Schmerzreaktionen aufwiesen, die mit Lokalanästhetikum behandelten lagen an zweiter Stelle, und die mit Plazebocreme bestrichenen Kinder zeigten die größten Schmerzreaktionen. Die Autoren der Studie vermuten, daß die starke Reaktion auf den Schmerz lange nach der Beschneidung ihre Ursache im wiedererlebten Schmerzerlebnis hat. Weitere Auswirkungen müßten noch untersucht werden. Die Autoren empfehlen daher eindringlich eine Betäubung während der Beschneidung. pb
Taddio A et al.: Effect of neonatal pain response during subsequent routine vaccination. Lancet 1997; 349: 599603.
Prof. Gideon Koren, Division of Clinical Pharmacology and Toxicology, Department of Paediatrics, Hospital for Sick Children, 555 University Avenue, Toronto, Ontario MSG 1X8, Kanada.

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