MEDIZIN: Referiert

Rosiglitazon und kardiovaskuläres Risiko

Dtsch Arztebl 2007; 104(25): A-1826 / B-1609 / C-1549

ME

Das Antidiabetikum Rosiglitazon erhöht einer Metaanalyse zufolge das kardiovaskuläre Risiko. So stieg das Herzinfarktrisiko signifikant auf 1,43 (95-%-Konfidenzintervall [95%-KI]: 1,03 bis 1,98) und das für Tod aufgrund kardiovaskulärer Ereignisse nicht signifikant auf 1,64 (95%-KI: 0,98 bis 2,74) im Vergleich zu den jeweiligen Kontrollgruppen (1).
Die ausgewählten randomisierten Studien mussten mindestens 24 Wochen gedauert und Daten zu Myokardinfarkt und Tod nach kardiovaskulärem Ereignis dokumentiert haben. Die Wissenschaftler analysierten 42 Studien mit insgesamt 15 560 Patienten, die Rosiglitazon und 12 283 Studienteilnehmer, die ein Placebo oder ein anderes Antidiabetikum erhalten hatten. Das Durchschnittsalter der Probanden betrug 56 Jahre und der HbA1c-Wert lag bei 8,2 %. In den Verumgruppen erlitten 86 Patienten einen Herzinfarkt, in den Kontrollgruppen 72. Kardiovaskuläre Todesfällen dokumentierten die Autoren in den Rosiglitazongruppen bei 39 Studienteilnehmern versus 22 bei den Kontrollpatienten.
In einem begleitenden Editorial hinterfragen die Autoren den Nutzen von Rosiglitazon kritisch (2). Die Zulassung 1999 erfolgte aufgrund 26-wöchiger Studien, bei der man die glykämische Kontrolle als Surrogatmarker heranzog. Nicht berücksichtigt wurde seinerzeit, wie sich die Medikation langfristig auswirkt. Die Ergebnisse einer Phase-4-Studie fehlen bis heute. Als Reaktion auf diese Arbeit warnt der Lancet in einem Editorial vor Panikmache und Verunsicherung (3). Im Anbetracht der geringen Fallzahlen und der methodischen Schwachstellen der Metaanalyse sollten die Ergebnisse der RECORD-Studie (Rosiglitazone Evaluated for Cardiac Outcomes and Regulation of Glycemia in Diabetes) abgewartet werden. Eine als Reaktion auf die Metaanalyse kurzfristig erfolgte Interimanalyse von RECORD mit den Follow-up-Daten nach 3,75 Jahren erfasste 217 Hospitalisierungen oder Herztote in der Verumgruppe und 200 im Kontrollkollektiv (4). Die Differenz war statistisch nicht signifikant („hazard ratio“ [HR]: 1,11; 95-%-KI: 0,93 bis 1,32). Allerdings gab es statistisch signifikant mehr Herzversagen (HR: 2,15; 95-%-KI: 1,3 bis 3,57). Diese Ergebnisse werden in 2 Editorials kommentiert: Psaty und Furberg sind der Auffassung, dass die nicht signifikante Erhöhung der Endpunkte in der Verumgruppe in Verbindung mit anderen Studien auf ein erhöhtes Risiko hinweist (5), dies könne im Einklang mit der Metaanalyse interpretiert werden. Ähnlich äußert sich auch David Nathan (6). Seiner Meinung nach können die statistisch wenig aussagekräftigen Daten nicht die Sicherheit von Rosiglitazon belegen. me

1. Nissen SE, Wolski K: Effect of rosiglitazone on the risk of myocardial infarction and death from cardiovascular causes. N Engl J Med 2007; 356: online am 22. 5. 2007; 2. Psaty BM, Furberg CD: Rosiglitazone and cardiovascular risk. N Engl J Med 2007; 356: online am 22. 5. 2007; 3. Lancet 2007; 369: online am 23. 5. 2007, 4. Home PD et al.: Rosiglitazone evaluated for cardiovascular outcomes – an interim analysis. N Engl J Med; 2007; 357: online am 5. 6. 2007; 5. Patsy BM, Furberg CD: The record on rosiglitazone and the risk of myocardial infarction. N Engl J Med; 2007; 357: online am 5. 6. 2007; 6. Nathan DM: Rosiglitazone and cardiotoxicity – weighing the evidence. N Engl J Med; 2007; 357: online am 5. 6. 2007

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