ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2007Apothekenmuseum: Der Geruch von 104 Stoffen

KULTUR

Apothekenmuseum: Der Geruch von 104 Stoffen

Dtsch Arztebl 2007; 104(25): A-1846 / B-1628 / C-1568

Wanner, Ernst

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In einem Kneippkurort an der Erft befindet sich eine Sammlung von hohem pharmazeutischem und historischem Reiz.

Der beliebte Magenbitter ist noch heute im Museum erhältlich. Fotos: Ernst Wanner
Der beliebte Magenbitter ist noch heute im Museum erhältlich. Fotos: Ernst Wanner
Viele Reisende schätzen das romantische Städtchen Bad Münstereifel mit seinen zahlreichen Fachwerkbauten und mittelalterlichen Stadttoren. Auch als Kneippkurort ist es dem medizinisch Interessierten geläufig. Wenige Besucher von Bad Münstereifel wissen indes, dass sich in der Stadtmitte ein pharmazeutisch/medizinisches Kleinod befindet. Im Haus Werther Straße 13–15, das von 1806 bis 1994 eine Apotheke beherbergte, ist das Apothekenmuseum Bad Münstereifel untergebracht. Die von Stuckdecken gezierten Räume enthalten Sammlungsgegenstände von hohem pharmazeutischem und historischem Reiz. Der Gliederung der am Anfang des 19. Jahrhunderts eröffneten Apotheke folgend, werden die Ausstellungsgegenstände auf zwei Stockwerke verteilt in der Offizin, dem Labor und der Materialkammer präsentiert.
Die Offizin, die der Herstellung und dem Verkauf der Medikamente diente, ist seit der Gründung im Wesentlichen unverändert geblieben. Zu sehen sind die historischen Gefäße, in denen die für die Arzneien benötigten Grundstoffe aufbewahrt wurden, und die Geräte, die zur Herstellung der Arzneiformen dienten. Herausragend ist ein 1769 in Köln gefertigter Mörser in artifizieller Gestaltung. Interessant sind auch die feinen Handwaagen und die dazugehörigen Gewichtssätze.
Von der Offizin gelangt man in das Labor der Apotheke. Dort wurden Arzneistoffe untersucht und Arzneimittel wie Salben, Tinkturen, Extrakte und Pflaster hergestellt. Sehenswert sind insbesondere der mit Kohle beheizbare Laborofen und der mit Gas beheizbare Labortisch sowie die Infusionseinrichtungen und Wasserbäder. Dabei kann der Besucher die Herstellung einzelner Arzneimittel durch den Apotheker, zum Beispiel mithilfe von Mischtrögen, nachvollziehen.
Im Apothekenmuseum sind unter anderem die historischen Gefäße zu sehen, in denen die für die Arzneien benötigten Grundstoffe aufbewahrt wurden.
Im Apothekenmuseum sind unter anderem die historischen Gefäße zu sehen, in denen die für die Arzneien benötigten Grundstoffe aufbewahrt wurden.
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Einen Höhepunkt des Rundgangs bildet die reich bestückte Materialkammer, die im ersten Stock der früheren Apotheke untergebracht ist. Dort werden Drogen, Mineralstoffe und Chemikalien in den Originalgefäßen und -gläsern gezeigt. An einer Riechwand kann in einzelnen Schubladen der Geruch von 104 pharmazeutisch genutzten Stoffen wahrgenommen werden. Den Umgang des Apothekers mit den Drogen zeigt der Mörser mit dem Pistill, durch das die Drogen angestoßen wurden, um ihre ätherischen Öle freizusetzen. Auch die Herstellung von Tees, die für den Vertrieb durch den Apotheker von großer Bedeutung waren, kann nachvollzogen werden.
Ergänzt werden die Schaustücke der Materialkammer durch hervorragend erhaltene Reiseapotheken aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Seit dem 19. Jahrhundert trug die Herstellung und der Vertrieb eines beliebten Magenbitters, der noch heute im Museum erhältlich ist, zu Umsatz und Bekanntheit der Apotheke bei.
Ernst Wanner


Weitere Informationen

Apothekenmuseum Bad Münstereifel, Werther Straße 13–15, Telefon und Fax: 0 22 53/80 27. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr; samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr. Eintrittspreise: Erwachsene: zwei Euro, Kinder: ein Euro. Städtische Kurverwaltung: Telefon: 0 22 53/1 54 22 44, Fax: 54 22 45. E-Mail: touristinfo@
bad-muenstereifel.de; Internet: www.bad-muenstereifel.de

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