ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2007Phorms – Bilinguale deutsch-Englische Schule: „Cherry-picking“ in den Curricula der Welt

BILDUNG

Phorms – Bilinguale deutsch-Englische Schule: „Cherry-picking“ in den Curricula der Welt

Dtsch Arztebl 2007; 104(25): A-1850 / B-1632

Bühring, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Smartboards – interaktive „weiße Tafeln“ stehen in jedem Klassenraum zur Verfügung. Foto: Meierotto
Smartboards – interaktive „weiße Tafeln“ stehen in jedem Klassenraum zur Verfügung. Foto: Meierotto
Immer mehr Eltern leisten sich Privatschulen. Die Phorms AG hat den Markt für sich entdeckt und bietet bilinguale Schulen an.

Hoch konzentriert schneiden die Erstklässler an Sechsertischen Formen aus bunter Pappe aus und kleben sie zu Fahrzeugen zusammen. Nach Kleber, Schere und Pappe fragen sie ihre Mitschüler ganz selbstverständlich auf Englisch oder eben auf Deutsch. „Miss Nina“, alias Lehrerin Nina Pape, spricht in der Stunde ausschließlich englisch mit den Sechs- bis Siebenjährigen, ebenso Anita Mc Crorie, die aus Schottland stammende Erzieherin. Der Raum ist hell, mit Pflanzen geschmückt, im Hintergrund läuft leise Musik.
Phorms bald auch in Köln, München und Frankfurt
Kunst zusammen mit KIS (Konversation und individuelle Förderung) stehen in dieser Stunde auf dem Plan der privaten Phorms-Grundschule in Berlin-Mitte. 96 Erst- bis Fünftklässler lernen zurzeit in dem Fabrikgebäude von 1888 aus rotem Backstein im früheren Arbeiterviertel Wedding. Noch teilen sie sich die Räume mit der Technischen Universität Berlin. Doch Phorms expandiert: 43 Schüler waren es bei der Gründung im September 2006. 240 Schüler haben sich für das neue Schuljahr angemeldet – auch für das jüngste Projekt der Phorms AG: das bilinguale Gymnasium. Für die Grundschule gibt es bereits Wartelisten.
Der Name Phorms leitet sich aus „Form“ und „Metamorphose“ ab und steht für eine Mischung aus einem „solidem Bildungsfundament“ – die Phorms-Schulen sind staatlich anerkannte Ersatzschulen – und der „Förderung nach neuesten didaktischen Standards“. Als „Cherry-picking in den Unterrichtscurricula der Welt“, bezeichnet Bea Beste, Vorstandsvorsitzende und Mitbegründerin der Phorms-Management AG, die Vorbereitung für die Schulgründungen. „Die Kinder sollen zu unabhängigen freien Denkern erzogen werden und so lange fragen, bis sie Antworten bekommen“, sagt Beste, die von ihrer Aufgabe sichtlich begeistert ist. Die Phorms-Management AG versteht sich als übergeordneter Dienstleister für die Phorms-Schulen, die ab dem kommenden Schuljahr auch in München, Köln und Frankfurt am Main Grundschulunterricht anbieten. Die Aktiengesellschaft stellt den Schulen, die in Bayern und Hessen als gemeinnützige GmbH arbeiten, dabei unter anderem Curricula, IT-Service, Lehrer-Recruiting und Lehrerfortbildung zur Verfügung. Die Schulen müssten mit diesem Modell keine Gewinne erwirtschaften, erklärt Beste. Sie sollten nur fähig sein, sich aus den staatlichen Zuschüssen und den Elterngebühren selbst zu finanzieren. Letztere sind gestaffelt nach Einkommen: Zwischen 220 Euro und 860 Euro im Monat zahlen Eltern in Berlin für die Privatschule. Dabei sind es nicht nur die Bestverdiener, die ihren Kindern diese Schule gönnen wollen: Die meisten zahlen zwischen 400 und 500 Euro.
Was bekommt man dafür, was es an staatlichen Schulen nicht gibt? Beispielsweise Klassen von maximal 20 Kindern in der Grundschule, die immer von einer Lehrerin und einer Erzieherin gleichzeitig betreut werden. Eine von beiden muss englisch als Muttersprache sprechen, deutsch aber sehr gut beherrschen und umgekehrt. „Wir haben keine Probleme mit Disziplin oder gar Gewalt“, sagt Nina Pape, „und wir können auf die Kinder gezielt eingehen.“ Die 32-Jährige hat vorher an staatlichen Schulen unterrichtet und einige Jahre in den USA gelebt. Gereizt hat sie der fächerübergreifende Projektunterricht und auch die technische Ausstattung der Schulen mit sogenannten interaktiven Whiteboards (Smartboards) statt Tafeln, die als überdimensionale Computerbildschirme fungieren. „Toll ist auch die Fortbildung für uns Lehrer“, sagt sie. In regelmäßigen Abständen lädt Phorms renommierte Bildungsberater aus dem angloamerikanischen Sprachraum ein, die praxisnah den Unterricht kritisch beurteilen. Auch den Ganztagsunterricht findet Pape für den Kontakt mit den Schülern sehr hilfreich.
Morgendliches Ritual zum Einstieg ins Englische
Unterrichtet wird in der Zeit von 9.00 bis 16.00 Uhr mit einer einstündigen Pause zum Mittagessen. Betreut werden können die Kinder aber auch schon ab 7.30 Uhr. Zwischen 16.00 und 18.00 Uhr werden Kurse angeboten. Die Schulgebühren relativieren sich also, wenn man sonst fällige Hortgebühren bedenkt. Der Tag in der Gemeinschaft beginnt für alle um 9.00 Uhr mit einer viertelstündigen „assembly“ in der Aula. Angeleitet wird dieses morgendliche Ritual von der 58-jährigen Grundschuldirektorin, Celia Budge. Die quicklebendige Engländerin hat bereits drei Schulen in Großbritannien geleitet. Die Klassen stellen dabei vor, woran sie gerade arbeiten, Werte werden vermittelt und Schulregeln verdeutlicht – und das alles auf Englisch. „Die Kinder sollen sich in die Sprache einfinden“, sagt Budge, die sie in den meisten Fällen zu Hause nicht gesprochen haben. Immerhin: 20 Prozent der Phorms-Schüler in der Hauptstadt haben einen angelsächsichen Hintergrund, 60 Prozent sind Deutsche und 20 Prozent der Kinder sind „Weltbürger“, wie Phorms-Chefin Bea Beste sagt: „Wir haben die typische Berlin-Mitte-Mischung“.
Das nächste anspruchsvolle Projekt der Phorms AG steht unmittelbar bevor: Das bilinguale deutsch-englische Gymnasium startet ab August in Berlin mit einer siebten und einer achten Klasse. Zweite Fremdsprache ist Spanisch, dritte Französisch, Latein oder Chinesisch. „Unser Profil ist, unternehmerisches Denken auszubilden“, betont der aus den USA stammende künftige Schulleiter Richard Hengelbrok. Das bedeutet: Die Schüler arbeiten in jedem Schuljahr an einem fächerübergreifenden Projekt vom Konzept bis zur praktischen Ausführung. Zu sehen gibt es noch nichts, doch Hengelbrok ist zuversichtlich: „Die Eltern müssen uns erstmal vertrauen.“
Petra Bühring

Informationen und Kontakt: Bilinguale Schule Phorms Berlin-Mitte,
Ackerstraße 76, 13355 Berlin, Telefon: 08 00/7 46 76 72,
E-Mail: berlin-mitte@phorms.de, Internet: www.phorms.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema